Biden nominiert Yellen als US-Finanzministerin. Die frühere Notenbankchefin Janet Yellen soll als erste Frau der Geschichte die Spitze des US-Finanzministeriums übernehmen. Das Übergangsteam des gewählten US-Präsidenten Joe Biden gab am Montag die Nominierung der 74-jährigen Wirtschafts- und Finanzexpertin für den Spitzenposten bekannt.

Von APA / NÖN.at. Update am 30. November 2020 (17:27)
Yellen stand von 2014 bis 2018 an der Spitze der Federal Reserve
APA/dpa

Biden stellte zugleich weitere Mitglieder seines künftigen Wirtschaftsteams vor. So soll die indischstämmige Neera Tanden die wichtige Budgetbehörde OMB im Weißen Haus leiten.

Die Präsidentin des Politikinstituts Center for American Progress wird den wichtigen Posten als erste US-Bürgerin mit südasiatischen Wurzeln übernehmen. Der Afroamerikaner Wally Adeyemo, der einst Präsident Barack Obama als Wirtschaftsberater diente, soll stellvertretender Finanzminister werden.

Die Ökonomin Cecilia Rouse soll den Rat der Wirtschaftsberater für den Präsidenten leiten - als erste Afroamerikanerin und erst vierte Frau in der US-Geschichte, wie Bidens Übergangsteam hervorhob. Die Wirtschaftsexperten Jared Bernstein und Heather Boushey sollen dem Beratergremium ebenfalls angehören.

Biden erklärte, das Team werde der von der Corona-Pandemie schwer getroffenen US-Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. "Während wir uns an die Arbeit machen, das Virus unter Kontrolle zu bekommen, wird dieses Team sofortige wirtschaftliche Hilfe für die US-Bevölkerung während dieser Wirtschaftskrise liefern und uns helfen, unsere Wirtschaft so aufzubauen, dass sie besser wird als je zuvor", erklärte der 78-Jährige, der am 20. Jänner seinen Amtseid ablegen soll.

Eine Schlüsselrolle wird dabei die angesehene Ex-Notenbankchefin Yellen spielen. Bereits vergangene Woche hatten informierte Kreise bestätigt, dass die 74-Jährige Finanzministerin werden soll. Yellen war zwischen 2014 und 2018 die erste Frau an der Spitze der US-Notenbank Fed. Sie trat dort für eine lockere Geldpolitik ein, um Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu fördern.

US-Präsident Donald Trump verweigerte ihr eine zweite Amtszeit. Sie wurde 2018 von ihrem damaligen Stellvertreter Jerome Powell abgelöst. Als Nachfolgerin von Finanzminister Steve Mnuchin wird Yellen künftig gegen die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie ankämpfen müssen. Sie muss wie alle künftigen Minister und Ministerinnen noch im US-Senat bestätigt werden.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, gratulierte Yellen zu ihrer Nominierung. "Ihre Intelligenz, Hartnäckigkeit und ihre ruhige Herangehensweise machen Janet zu einer Wegbereiterin für Frauen überall", schrieb Lagarde auf Twitter und veröffentlichte dazu ein Foto von sich und Yellen. Sie freue sich auf eine Zusammenarbeit im Kampf gegen die derzeitigen "weltweiten wirtschaftlichen Herausforderungen".

Zuvor war bekannt geworden, dass Biden für die Kommunikation des Weißen Hauses auf ein Team erfahrener Frauen setzt. Die prominente Rolle der Regierungssprecherin geht demnach an Jen Psaki. Sie war unter dem früheren demokratischen Präsidenten Barack Obama unter anderem Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses und Sprecherin des Außenministeriums gewesen.

Seit der Wahl hatte Psaki für Biden bereits mehrere Briefings mit Journalisten geleitet. Dabei trat sie klar und professionell auf. Ihre Stellvertreterin im Weißen Haus soll Karine Jean-Pierre werden, die zuletzt für die gewählte Vizepräsidentin Kamala Harris gearbeitet hatte, wie Biden erklärte.

"Ich bin stolz, heute das erste ranghohe Kommunikationsteam des Weißen Hauses vorzustellen, in dem nur Frauen vertreten sind", erklärte Biden. Die "qualifizierten und erfahrenen" Kandidatinnen brächten unterschiedliche Herangehensweisen mit und einen gemeinsamen Willen, das Land nach vorne zu bringen, so Biden. Harris erklärte: "Diese Kommunikationsprofis stehen für unser Versprechen, ein Weißes Haus zu schaffen, das das Beste unseres Landes spiegelt."

Bidens bisherige stellvertretende Wahlkampfmanagerin Kate Bedingfield soll die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses werden. Damit kommt ihr eine weniger öffentliche Rolle zu, die aber für das Festlegen der gesamten Kommunikationsstrategie der Regierung wichtig ist. Pili Tobar wiederum soll Bedingfields' Stellvertreterin werden. Eine Beraterin von Bidens Wahlkampfteam, Symone Sanders, soll die Sprecherin der Vizepräsidentin werden; Ashley Etienne soll für Harris als Kommunikationsdirektorin arbeiten.

Biden hatte die Präsidentschaftswahl vom 3. November gegen Trump gewonnen. Der frühere Vizepräsident bereitet seit Wochen die Übernahme der Amtsgeschäfte vor - obwohl Trump seine Wahlniederlage nach wie vor nicht eingesteht.

Am Montag sollte Biden erstmals die für den Präsidenten erstellte tägliche Unterrichtung der Geheimdienste erhalten. Das sogenannte Presidential Daily Briefing umfasst streng vertrauliche Informationen zur nationalen Sicherheit. In der Übergangsphase von einem Präsidenten zum nächsten wird es üblicherweise dem Amtsinhabern und dem künftigen Präsidenten vorgelegt. Trump hatte dies bisher aber verweigert, was auch bei seinen Republikanern auf wachsende Kritik stieß.