Hitzerekorde in Deutschland, Belgien, Paris und London. Die extreme Hitzewelle in Europa steuert kurz vor ihrem Ende auf weitere Rekorde zu: In einer Stadt in Niedersachsen ist mit 41 Grad ein neuer deutscher Höchstwert ermittelt worden, und auch Brüssel und Paris, Amsterdam und London meldeten den heißesten Tag seit Beginn der Messungen. Für Österreich zeichnet sich ab, dass dieser Sommer zumindest zu den fünf heißesten der Messgeschichte zählen wird.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 25. Juli 2019 (16:19)
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Bei der Sommerhitze ist viel Trinken wichtig

In Deutschland zeigten die Thermometer vor allem entlang des Rheins bereits zu Mittag deutlich über 35 Grad. Am Nachmittag wurde in der Stadt Lingen die Marke von 41 Grad Celsius geknackt, berichtete der Deutsche Wetterdienst. Damit fiel der erst am Mittwoch aufgestellte Rekord von 40,5 Grad. Er war in Geilenkirchen nördlich von Aachen gemessen worden. Bis Freitag soll sich das Hitzehoch "Yvonne" von der südwestlichen in die nördliche Ostsee verlagern, die Temperaturen sollen leicht zurückgehen.

In Belgien wurde mit 40,6 Grad Celsius der am Mittwoch aufgestellte Rekord gleich gebrochen. Nach jüngsten Angaben wurden am Vortag 40,2 Grad gemessen, damit überschritt das Land erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen die 40-Grad-Marke.

Das Königliche Meteorologische Institut KNMI der Niederlande teilte mit, dass der Rekord von 40,4 Grad in Gilze-Rijen in der südöstlichen Provinz Noord-Brabant aufgestellt wurde. Schon am Vortag war ein neuer Höchstwert gemessen worden - 39,3 Grad in Eindhoven. Der bisherige Rekord der Niederlande stand bei 38,6 Grad und datierte vom 23. August 1944. Wegen der anhaltenden Hitze verhängten die Behörden einen Smog-Alarm in großen Teilen des Landes. Die Luftqualität sei in einigen Provinzen "sehr schlecht".

In Paris schwitzten die Menschen am Donnerstagmittag bei 41 Grad Celsius. Die Temperaturen in der französischen Hauptstadt sollten laut dem Wetterdienst noch auf bis zu 42 Grad Celsius steigen, im Umland sogar auf 43 Grad. Der bisherige Rekord von 40,4 Grad liegt mehr als 70 Jahre zurück.

Ein Hitzerekord wurde auch in London aufgestellt: An einer Messstation beim Flughafen in Heathrow wurden 36,9 Grad ermittelt, teilte der meteorologische Dienst des Vereinigten Königreichs mit. Der bisherige Juli-Rekord lag bei 36,7 Grad. Laut den Experten des Met Office sei sogar möglich, dass der britische Allzeit-Rekord von 38,5 Grad noch eingestellt werde.

Es sind noch mehr als fünf Wochen bis zum Ende des meteorologischen Sommers 2019, aber schon jetzt steht fest: Wir erleben einen der heißesten Sommer der 253-jährigen Messgeschichte in Österreich. Ein Platz unter den Top 5 sei "ziemlich sicher", sagte Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Der Trend zu einem immer wärmeren Klima hält auch in Österreich an. Zählt man 2019 mit, dann liegen unter den zehn wärmsten Sommern der 253 Jahre zurückgehenden Aufzeichnungen sieben Sommer aus den 2000er-Jahren. Ohne 2019 lautet die Reihung derzeit: 2003, 2015, 2017, 2018, 1992, 1811, 2012, 1994, 2013, 1807.

Am Freitag ist es in ganz Österreich noch sehr heiß mit 30 bis 37 Grad. Das Wochenende wird laut ZAMG unbeständiger, schwül und warm. Am Sonntag liegen die Höchsttemperaturen zwischen 23 Grad am Bodensee und 31 Grad am Neusiedler See.

Hitzewellen dürften sich nach jüngsten Studien angesichts des von Menschen verursachten Klimawandels in Zukunft häufen und verstärken. In den Fachmagazinen "Nature" und "Nature Geoscience" veröffentlichte Forschungsarbeiten zeigen, dass der weltweite Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte in der jüngeren Menschheitsgeschichte beispiellos ist. Demnach gab es in den vergangenen 2.000 Jahren noch nie einen so schnellen und weitverbreiteten Anstieg der Temperatur wie zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Die Studien widerlegten damit die Argumente von Klimaskeptikern, wonach es in der Geschichte der Erde immer wieder wärmere und kältere Perioden gab. Der Klimaexperte Mark Maslin vom University College London erklärte, Klimawandelleugner könnten nicht mehr argumentieren, die derzeit beobachtete Erderwärmung sei Teil eines "natürlichen Klimazyklus". Während es in der Vergangenheit regionale und örtliche Klimaveränderungen gegeben habe, habe der Ausstoß von Treibhausgasen durch menschliche Aktivitäten einen weltweiten Effekt.