Vorbereitungen für das nächste Semester laufen bereits. Vielfach ohne Zeugnis hat am Freitag in Wien und Niederösterreich der letzte Schultag vor den Semesterferien geendet. Gleichzeitig laufen an den Schulen trotz Unsicherheit über den tatsächlichen Starttermin die Vorbereitungen für den nach den Ferien geplanten Schichtbetrieb auf Hochtouren. An den meisten Einrichtungen wurden bereits die "Schichtpläne" samt Gruppeneinteilungen erstellt. Zum Teil wurden auch schon die Schularbeitstermine für das nächste Semester mitgeteilt.

Von APA / NÖN.at. Update am 29. Januar 2021 (13:59)
Zeugnisse werden diesmal nur wenige abgeholt
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Die Schulnachrichten (sie sind eigentlich kein Zeugnis, sondern nur eine Information über den Leistungsstand, Anm.) werden heuer grundsätzlich nicht am letzten Schultag vor den Semesterferien verteilt, sondern an den ersten beiden Tagen des neuen Semesters (8. und 9 Februar in Wien/NÖ bzw. 15. und 16. Februar in den restlichen Ländern). So soll ein großer Andrang an den Schulen vermieden werden.

Ausgenommen sind nur die sogenannten Übergangsklassen - also jene, die im kommenden Schuljahr häufig in einen neuen Schultyp wechseln. Das sind die vierte, achte und neunte Schulstufe. In diesen Klassen kann auf Wunsch der Schüler die Schulnachricht bereits heute übergeben werden. Sie wird benötigt, um sich etwa beim Wechsel von der Volksschule in eine AHS-Unterstufe oder von einer AHS-Unterstufe in eine berufsbildende höhere Schule (BHS) anzumelden. Die Anmeldefristen beginnen dafür bereits unmittelbar nach den Ferien.

Inoffiziell kommen aber viele Schüler trotzdem schon heute zu ihrem Zeugnis bzw. zumindest zu ihren Noten. So haben einige Schulen etwa angekündigt, zumindest jenen Kindern, die derzeit ohnehin zur Betreuung in den Klassen sind, die Schulnachrichten mitzugeben. An manchen werden den Eltern zunächst einmal inoffiziell per Mail die Noten mitgeteilt oder ein Scan der Schulnachricht übermittelt - das offizielle Papier folgt dann nach den Ferien.

Ob der Unterricht tatsächlich wieder nach den Semesterferien startet, ist nach wie vor nicht fix. Darüber wird erst Anfang kommender Woche entschieden - sollte er das tun, dann allerdings für die Kinder an Volksschulen, AHS-Unterstufen, Mittelschulen und Polytechnischen Schulen im Schichtbetrieb. Dafür werden nach aktuellem Stand an den Schulen für Kinder bis 14 Jahren die Klassen in zwei Gruppen geteilt. Diese haben dann wechselweise einen Tag Schule und einen Hausübungstag. Die Schule selbst kann zwar entweder ganz oder für einzelne Klassen eine andere Schichtabfolge festlegen, braucht dafür allerdings die Zustimmung der Bildungsdirektion.

Für die Oberstufen gibt es diese Vorgabe nicht. Sie sollen nach den Ferien eine Art Mischung aus Distance Learning und Präsenzunterricht anbieten. Einerseits sollen sie weiter im derzeit geltenden "ortsungebundenen Unterricht" bleiben, allerdings in Gruppen oder Klassen an einzelnen oder mehreren Tagen an die Schulen zurückkehren. Dabei sollen allen Schülern "aktiv Präsenzphasen unter Beachtung der derzeit geltenden Hygienebestimmungen sowie des Prinzips der Ausdünnung angeboten werden", heißt es in einem Erlass. De facto entscheiden damit die Oberstufenschulen selbst, wie sie den Präsenzunterricht organisieren. Das entspreche auch dem Wunsch der Direktorenvertretung, so die Sprecherin der AHS-Direktoren, Isabella Zins, zur APA.

An den Pflichtschulen werde die Rückkehr im Schichtbetrieb zu großen organisatorischen Herausforderungen führen, erwartet der Leiter der ARGE Lehrer in der GÖD, Paul Kimberger (FCG). Vor allem an Volksschulen finde schon jetzt trotz Umstellung auf Fernunterricht de facto Vollbetrieb statt, weil so viele Eltern ihre Kinder für Betreuung angemeldet hätten, sagt er zu APA. Laut Bildungsministerium war vorige Woche rund ein Viertel der Unter-14-Jährigen zumindest tageweise zur Betreuung angemeldet, wobei laut Kimberger vor allem in einigen Volksschulklassen bis zu 80 Prozent der Kinder anwesend waren. Für ihn sei "nicht nachvollziehbar", wie ab 8. bzw. 15. Februar ein Schichtbetrieb eingerichtet werden soll, bei dem es zu keiner Vermischung der Gruppen kommt, und gleichzeitig für eine große Zahl an Schülern Betreuung angeboten werden soll. "Entweder wir senken die Betreuungsquoten oder wir brauchen mehr Personal", so Kimberger.

In Wien versucht man diese Probleme mit standortspezifischen Projekten zu lösen - etwa durch Gruppenteilungen und die Nutzung außerhalb der Schule gelegener Räumlichkeiten für die Betreuung der Kinder. Konkret wird etwa an einer Volksschule in der Josefstadt auf Räume im benachbarten Musischen Zentrum ausgewichen. Dadurch wird die Zahl der Kinder im Schulhaus reduziert. An einer Volksschule in Hietzing gibt es kleinere Gruppen durch mehr Freizeitpädagogen. "Keines der Projekte ist flächendeckend für jede Schule in Wien geeignet. Aber für jede Schule, die eine große Zahl an Kindern in der Betreuung hat, kann und soll eine individuelle Lösung gesucht werden", so Bildungsdirektor Heinrich Himmer in einer Aussendung.

Nachschärfungen verlangt Kimberger bei den in den Schulen angebotenen Antigenschnelltests: Wenn der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden soll, müssten sich alle Personen an den Schulen - Schüler, Lehrer und übriges Personal - zwei Mal pro Woche testen lassen, fordert er. Derzeit höre er immer wieder Berichte, wonach ein guter Teil der Eltern der Testung nicht zustimmt. Schüler über 14 Jahre, die sich nicht testen lassen wollen, sollten eine FFP2-Maske tragen müssen, wie sie für diese Gruppe auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht ist. Derzeit gilt für alle Schüler über zehn und Lehrer eine Maskenpflicht an den Schulen, auch während des Unterrichts. Für Oberstufenschüler könnten FFP2-Masken allerdings grundsätzlich Pflicht werden, derzeit findet dazu die Abstimmung zwischen Bildungs- und Gesundheitsministerium statt.