Schelling sieht nach Wahl eine Art Erleichterung. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sieht nach der Bundespräsidentenwahl in Österreich mit dem Sieger Alexander Van der Bellen "bei den meisten eine Art Erleichterung".

Von Redaktion, APA. Erstellt am 05. Dezember 2016 (11:54)
Dem Populismus ist damit noch nicht Einhalt geboten, warnt Schelling
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Die ehemalige unabhängige Hofburg-Kandidatin Irmgard Griss gratulierte Van der Bellen "herzlich" zum Wahlsieg und hofft auf einen Abbau der Polarisierung.

Vor Beginn der Eurogruppe am Montag in Brüssel sagte Schelling, dem Rechts- aber auch Linkspopulismus in der EU sei damit aber "noch kein Einhalt geboten". In Europa sollte auch nicht immer nur von Rechtspopulismus gesprochen werden. "Wir haben auch den Linkspopulismus und der Populismus generell ist an den Rändern in Europa sehr stark geworden". Österreich werde jetzt "in das Licht gerückt, wir hätten den Rechtspopulismus vorerst gebremst. Ja, es stimmt, (Norbert, Anm.) Hofer hat nicht gewonnen, aber in Summe ist dem Populismus damit noch kein Einhalt geboten", betonte der Minister.

Die Rezepte gegen den Populismus seien "extrem schwierig. Auch Zahlen, Daten Fakten nützen hier nur sehr eingeschränkt. Wenn man sich die Situation in Österreich anschaut, die hard facts, sind wir relativ gut unterwegs und trotzdem sind die Menschen unzufrieden. Das ist etwas, was wir durch Leistung wettmachen müssen. Aber ein bestimmtes Durchatmen ist jetzt erfolgt". Damit "haben wir auch die Möglichkeit, das was wir uns vorgenommen haben, bis Ende 2018 zu realisieren und ich hoffe, das gelingt".

Jedenfalls respektiere er das Wahlergebnis. "Van der Bellen hat die Wahl gewonnen. Der Volksentscheid ist zu respektieren. Der Respekt gilt auch Hofer, weil ein Jahr Wahlkampf außerordentlich ist, das findet so nicht statt. Aber von den Kollegen ist der Ausgang der Wahl eher positiv bewertet worden", so Schelling.

"Jetzt heißt es, die Polarisierung in Österreich wieder abzubauen und aufeinander zuzugehen", schrieb Ex-Präsidentschaftskandidatin Griss, die letztlich den früheren Grünen-Chef unterstützt hat, auf Facebook. Die herrschende Polarisierung im Land werde nicht von selbst verschwinden, man müsse viel tun, um die Spaltung zu überwinden, meinte Griss im Gespräch mit der APA. Es gelte, so wie es die Holocaust-Überlebende Gertrude in ihrem Video, das im Wahlkampf millionenfach angesehen wurde, getan hat, "das Gute in den Menschen" anzusprechen, meinte die ehemalige Höchstrichterin.

Griss wünscht sich auch einen aktiveren Bundespräsidenten: "Ich glaube, es ist notwendig, dass sich ein Bundespräsident zu wichtigen Themen zu Wort meldet."

Am Wahlausgang hat Griss "überrascht", dass der Stimmen-Unterschied zwischen den beiden Kandidaten "doch relativ groß" sei. Griss hatte im ersten Wahlgang im April immerhin knapp 19 Prozent erreicht. Auf die Frage, ob sie es wie der gescheiterte FPÖ-Bewerber Norbert Hofer in sechs Jahren noch einmal probieren will, reagierte Griss amüsiert. Sie sei über jeden Tag froh, an dem sie ihre Zeit etwa mit Lesen oder Nachdenken verbringen könne, meinte die 70-Jährige - Nachsatz: "Keine Ahnung, was die Zukunft bringt".