Airline-Generalstreik wird angedroht. Die Gewerkschaft vida wehrt sich gegen die Arbeitsbedingungen bei den Billigfluglinien in Wien. Der auf Hochtouren laufende Preiskampf führe zu einer "Ausbeutungen des Airline-Personals", wie die Gewerkschaft am Mittwoch erklärte.

Von APA Red. Erstellt am 03. Juli 2019 (14:14)
APA
Starke Drohung in der Urlaubszeit

Über den Sommer soll mit den Betriebsräten aller in Wien stationierten Fluglinien über einen Generalstreik beraten werden.

"Die immer absurder werdende Kollektivvertragspolitik der Wirtschaftskammer für die Luftfahrtbranche - wohl mit Rückendeckung von WKÖ-Präsident (Harald, Anm.) Mahrer - könnte bald einen Generalstreik bei allen Airlines in Österreich provozieren", sagte Daniel Liebhart, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Luftfahrt.

Die vida fordert einen Branchen-Kollektivvertrag, der durch Mindeststandards für einen gerechteren Wettbewerb sorgen soll. Sie sieht die Wirtschaftskammer in der Verantwortung.

Diese würde - aus Sicht der Gewerkschaft - die KV-Verhandlungen für Level verschleppen und für Wizz Air sogar verweigern. Bleibe die WKÖ stur, sei ein Arbeitskampf derzeit eine realistische Option, wie es heißt.

"In der Luftfahrt sind Branchen-KVs unüblich"Christian Domany

Die WKÖ ließ sich von der Streikdrohung nicht beeindrucken. Der zuständige Funktionär Christian Domany, Vorsitzender der Berufsgruppe Luftfahrt, erklärte, die Aufregung der Gewerkschaft sei nicht nachvollziehbar. "In der Luftfahrt sind Branchen-KVs aufgrund der globalen Tätigkeit absolut unüblich. Auch in Frankreich und Deutschland gibt es diese nicht. Das Anliegen der Wirtschaft ist es, den Standort und damit die Arbeitsplätze zu sichern. Die Forderung der Gewerkschaft nach einem Branchen-KV würde dieses Ziel konterkarieren", erklärte Domany.

Die Kritik an den niedrigen Löhnen für Flugbegleiter wies Domany zurück: "Zu den Grundgehältern kommen pro Monat in der Regel noch mehrere hundert Euro an Zulagen." Domany forderte die Gewerkschaft auf, die Drohgebärden sein zu lassen und "sachlich und konstruktiv" zu bleiben, um "eine für alle Seiten gangbare und faire Lösung zu finden".

Aus Sicht der Wirtschaftskammer ist die Streikdrohung "weder im Sinne der Branche noch im Sinne der Tausenden Reisenden sein, die vor ihrem wohlverdienten Sommerurlaub stehen", so Domany.

Rückendeckung für die vida kommt hingegen vom Flugpersonal der Austrian Airlines. AUA-Pilot und Betriebsratschef Rainer Stratberger forderte, dass branchenweit eine "unterste Linie" eingezogen gehöre. Diese Mindeststandards gehörten in einen Branchen-Kollektivvertrag, sagte Stratberger zur APA.

Kritik gegen Wizz Air

Stratbergers Kritik richtete sich hauptsächlich gegen die ungarische Billigfluglinie Wizz Air, die für die Mitarbeiter in Wien Personalleasingfirmen aus anderen Ländern einsetze. Es sei daher auch unklar, wo Wizz Air Steuern und Abgaben abführe.

Für die Basis in Wien hat Wizz Air weder einen Betriebsrat noch einen Kollektivvertrag. Bei der IAG-Billigtochter Level gibt zwar einen Betriebsrat, die KV-Verhandlungen stecken derzeit jedoch nach 14 Gesprächsrunden fest. Bei Laudamotion gibt es sowohl einen Betriebsrat als auch einen Kollektivvertrag.

Rote Zahlen bei AUA

Die Lufthansa-Tochter AUA ist wegen des Preisdrucks zuletzt tief in die roten Zahlen gerutscht. Bei der AUA ist das Lohnniveau deutlich höher als bei den Billigfluglinien, weshalb das Mithalten bei den Ticketpreisen zu Verlusten führt.

AUA-Sprecher Peter Thier sagte auf APA-Anfrage: "Unsere Einschätzung ist, dass sich diese Drohung ganz deutlich an die Adresse der Billigflieger hier in Wien richtet." Wenn man über einen Branchen-KV spreche, dann müssten sich Wizz, Level und Co an der AUA orientieren und nicht umgekehrt, so der Sprecher.

Der Preiskampf am Flughafen Wien ist eine Folge der Pleite der einstigen deutschen Niki-Mutter Air Berlin. Nach den Insolvenzen im Jahr 2017 haben mehrere Billigflieger versucht, das Niki-Erbe anzutreten, woraufhin ein Match zwischen dem Platzhirschen AUA und einer Handvoll Billigfluglinien wie Laudamotion, Level, EasyJet, Vueling und Wizz Air ausbrach.

Die vida arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an einer "Krisenstrategie", um einen Branchen-KV auch gegen den Widerstand der Wirtschaftskammer durchzusetzen. "Die Diskussionen dazu reicht derzeit von einer sogenannten KV-Satzung (Allgemeinverbindlichkeitserklärung eines KV für eine Branche durch das Einigungsamt im Sozialministerium) bis hin zu einem Generalstreik aller Airlines mit Stationen am Flughafen Wien", so Liebhart. Das sind neben der AUA unter anderem Eurowings, Lauda und Level.

"Es ist uns bewusst, dass einige dieser Maßnahmen gerade in den Sommermonaten nicht überall auf Sympathien stoßen würden", so Liebhart. Er macht für die Streikdrohung den Wirtschaftskammer-Präsidenten persönlich verantwortlich.

Würde Mahrer eine WKÖ-Politik vorgeben, die einen Branchen-KV mit fairen Basisregeln für alle Luftfahrtunternehmen im Wettbewerb sowie gerechte Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten verfolge, bräuchten sich Gewerkschaft und Betriebsräte keine weiteren Gedanken mehr über einen Generalstreik oder ähnliches zu machen. "Aber der aktuellen Haltung der WKÖ und ihren absurden KV-Angeboten kann man eigentlich nur mit einem Arbeitskampf begegnen", meinte Liebhart.

"Die Gewerkschaft vida und auch alle Betriebsräte der Airlines mit Homebases am Flughafen Wien haben Verständnis für Wettbewerb, aber nur für einen Wettbewerb, der fair ist und nicht gezielt die Arbeitsbedingungen verschlechtert", erklärte Anton Fuszko, Vorsitzender des vida-Ausschusses Fliegendes Personal.

Er wirft der Wirtschaftskammer eine "Hungerlohnstrategie" vor. Bei Level sei die WKÖ etwa nicht bereit, die gewerkschaftliche Mindestforderung von 1.700 Euro brutto monatlich für Flugbegleiter zu akzeptieren. Derzeit liegt das Level-Grundgehalt laut Fuszko bei 1.261 Euro brutto im Monat.