Air Berlin sucht nach der Insolvenz Sanierungsplan. Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin gehen die Sanierungsbemühungen für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft weiter. Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf von Teilen der Airline. Dabei arbeitet er nach Unternehmensangaben nun mit einem Generalbevollmächtigten zusammen, dem Düsseldorfer Juristen Frank Kebekus.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 16. August 2017 (14:47)
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Pilotengewerkschaft schließt negative Auswirkungen nicht aus

Als Sachwalter überwacht der Rechtsanwalt Lucas Flöther aus Halle für die Gläubiger das Verfahren. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes noch für etwa drei Monate gesichert. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit schloss negative Effekte im Flugbetrieb jedoch nicht aus. Ihr Vorstand Markus Wahl sagte der "Saarbrücker Zeitung" zugleich: "Ganz grundsätzlich kann ich nur dafür werben, dass die Kunden der Fluggesellschaft ihr Vertrauen schenken." Mit der deutschen Regierung stehe ein potenter Kreditgeber im Hintergrund.

Die Stiftung Warentest wies darauf hin, dass die Tickets gültig bleiben und Flüge weiterhin buchbar seien. "Sollte Air Berlin den Flugbetrieb doch irgendwann einstellen und der Flug auch nicht von einer anderen Airline übernommen werden, erhalten Kunden wahrscheinlich nur wenig oder nichts vom Ticketpreis zurück", warnte die Stiftung. Entschädigungsansprüche nach Flugstreichungen oder Verspätungen blieben zwar bestehen. "Ob die Airline aber solche Forderungen der Passagiere zahlen kann, hängt davon ab, wie es mit Air Berlin weitergeht", hieß es.

Vorstandschef Winkelmann macht den Mitarbeitern Hoffnung auf den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. "Ich glaube, trotz Insolvenz mein Ziel zu erreichen und einen Großteil der Jobs zu sichern. Das kriegen wir hin", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Der Schritt sei unvermeidlich gewesen. "Eine Insolvenz ist immer eine schlechte Nachricht, das ist kein zynisches Spielchen, das wir hier treiben", fügte er hinzu. "Die Zukunftsfrage von Air Berlin wird nun zügig gelöst. Wer Teile haben will, muss jetzt bieten." Die Gespräche mit möglichen Partnern seien "sehr weit gediehen".

Air Berlin verhandelt mit der Lufthansa und Insidern zufolge auch mit Easyjet über eine Übernahme von Unternehmensteilen. Dabei geht es vor allem um die Start- und Landerechte (Slots) an Flughäfen wie Berlin und Düsseldorf. Die deutsche AUA-Mutter Lufthansa will nach der Insolvenz der Air Berlin so viele der Air-Berlin-Jets übernehmen wie möglich, nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Onlineausgabe) ist von bis zu 80 Flugzeugen die Rede. Die Lufthansa wolle damit ihre Billigsparte Eurowings vergrößern. An tatsächlichen Unternehmensteilen von Air Berlin habe sie hingegen kein Interesse.

Die insolvente Fluggesellschaft betreibt derzeit eine Flotte von rund 140 Flugzeugen. 38 davon, mitsamt der dazugehörigen Besatzungen, fliegen bereits seit Februar für die Lufthansa (fünf davon bei der Lufthansa-Tochter AUA). Als ausgemacht gelte, dass diese geleasten Jets in irgendeiner Form von der Lufthansa übernommen werden. Es bleibe also eine Flotte von etwa 100 Maschinen bei Air Berlin und ihrer österreichischen Tochter Niki, die neu verteilt werden sollen.

Mit übernommene Air-Berlin-Mitarbeiter können zwar damit rechnen, dass sie auch in Zukunft einen Arbeitsplatz haben, müssen sich aber auf erhebliche Gehaltseinbußen einstellen. Sowohl die Lufthansa-Tochter Eurowings als auch Easyjet zahlen teilweise deutlich weniger als Air Berlin. Unklar sei zur Zeit, wie mit den Mitarbeitern von Niki bei einer Übernahme verfahren werde, schreibt das Blatt. Denn derzeit sei sogar umstritten, wem Niki eigentlich gehört: Air Berlin oder ihrem bisherigen Hauptaktionär Etihad.

Auch der Reisekonzern Thomas Cook interessiert sich für Teile der insolventen Fluggesellschaft. Thomas Cook und die Ferienflug-Tochter Condor stünden für eine "aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit", sagte ein Thomas-Cook-Sprecher am Mittwoch. Air Berlin und die Tochter Niki befördern bereits einen Teil der Gäste von Thomas Cook in den Urlaub. "Thomas Cook und Condor sind bereit, eine aktive Rolle bei möglichen Auffanglösungen zu spielen."

Die deutsche Bundesregierung hat unterdessen die Kritik von Ryanair an der Hilfe für die insolvente Fluglinie Air Berlin zurückgewiesen. "Die Vorwürfe von Ryanair, es handle sich um einen inszenierten Insolvenzantrag, sind abwegig", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Mittwoch.

Für die gesamte Regierung sei die Erklärung des Air-Berlin-Hauptaktionärs Etihad am Freitagabend überraschend gewesen, dass die gemachten Zusagen nicht mehr fortgeführt würden. Die Bundesregierung sei erst von Air Berlin über die Entwicklung informiert worden und habe deshalb sehr schnell eine Entscheidung treffen müssen. "Wir gehen davon aus, dass sie beihilferechtlich konform ist", sagte die Sprecherin mit Blick auf den gewährten Übergangskredit von 150 Millionen Euro.

Für die kommende Woche seien Gespräche mit der EU-Kommission in Brüssel geplant. Wenn der deutsche Bund nicht eingesprungen wäre, hätte Air Berlin direkt nach dem Insolvenzantrag keine Flüge mehr durchführen können. Damit hätten Zehntausende Urlauber keinen Rückflug mehr gehabt.