Absturz in Äthiopien bringt Boeing in Bedrängnis. Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien gerät der US-Hersteller Boeing unter Druck. Die chinesische Luftfahrtaufsicht CAAC hat den heimischen Fluggesellschaften am Montag angeordnet, ihre Maschinen des Boeing-Typs 737 Max vorerst nicht mehr einzusetzen. Auch Ethiopian Airlines und Indonesien erteilten allen baugleichen Maschinen ein Startverbot.

Von APA Red. Erstellt am 11. März 2019 (14:08)
APA/ag./dpa
Bei dem Unglück kamen 157 Menschen ums Leben

Ethiopian Airlines erklärte zum Startverbot des Typs Boeing 737 Max 8: "Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen." Zudem müssen alle Maschinen vom baugleichen Typ Boeing 737 Max 8, die indonesischen Fluggesellschaften gehören, bis auf Weiteres am Boden bleiben, wie das Verkehrsministerium in Jakarta mitteilte. Insgesamt gibt es in dem südostasiatischen Land elf dieser Maschinen.

Ein Boeing-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu Chinas Entscheidung ab. Der Flugzeughersteller kündigte allerdings an, dass er die für Mittwoch in Seattle geplante Feier zur Vorstellung des neuen Modells 777x wegen des Unglücks verschieben werde. Man konzentriere sich nach dem Absturz der Maschine vom Typ 737 Max 8 darauf, die betroffene Fluglinie zu "unterstützen", hieß es. Zugleich betonte ein Sprecher, dass es bei der Auslieferung des neuen Großraumflugzeugs keinerlei Verzögerung gebe. Der Ultralangstreckenflieger setzt wie die Unglücksmaschine auf eine Spritspar-Technologie und soll etwa Flüge von Deutschland nach Australien ohne Tankstopps ermöglichen.

Bei dem Unglück in Äthiopien kamen alle 157 Menschen an Bord ums Leben. Über die Ursache wurde bisher nichts bekannt. Es ist bereits der zweite Absturz einer Maschine dieses erst seit 2017 ausgelieferten Boeing-Modells 737 Max 8 binnen fünf Monaten. Am 29. Oktober 2018 war ein Jet der Lion Air kurz nach dem Start in Jakarta ins Meer gestürzt. Die Unglücksursache wird noch untersucht.

Die CAAC sprach von einer gewissen Ähnlichkeit der Fälle. So seien beide Maschinen während der Startphase abgestürzt. Der Behörde zufolge haben chinesische Fluggesellschaften 96 Maschinen vom Typ 737 Max in Betrieb. Die CAAC will nun Boeing und die US-Behörden kontaktieren. Ein US-Regierungsvertreter nannte es unklar, auf Basis welcher Informationen die Volksrepublik den Beschluss getroffen habe. Ein ähnliches Vorgehen der US-Behörden sei nicht geplant. Die Sicherheitsbilanz des 737 Max in den USA sei glänzend.

Nach dem Absturz in Indonesien hatten Luftfahrtexperten kritisiert, Boeing habe die Fluggesellschaften und Piloten nicht ausreichend über ein neues System gegen Strömungsabrisse informiert. Kritisiert wurde auch das Piloten-Training für das neue Modell.

Allerdings hätte die Lion-Air-Maschine laut einem vorläufigen Untersuchungsbericht der indonesischen Behörden wegen gravierender technischer Mängel nicht starten dürfen. Die Maschine hatte demnach Probleme mit den Geschwindigkeitsmessern und den AOA-Sensoren, die Daten zum Auftrieb eines Flugzeugs liefern. Der endgültige Untersuchungsbericht steht noch aus.

Der Luftfahrtexperte Kurt Hofmann sieht nach dem neuerlichen Absturz einer fast fabriksneuen Boeing 737 Max 8 in Äthiopien eine "sehr dramatische Situation" für die gesamte Luftfahrtbranche. Es könnte sein, dass bald eine Diskussion über ein weltweites Flugverbot losgetreten wird, sagte Hofmann am Montag in den Ö3-Nachrichten. "Jede Fluglinie fragt sich: Was ist das Problem?"

350 Flugzeuge des Typs seien in Betrieb, aber "über 5.000 wurden bestellt", so Hofmann. Die Situation sei insofern "sehr dramatisch", als es sich "um eine neue Flugzeugtype handelt, eine neue Generation, und ein zweites Flugzeug dieses Typs binnen ein paar Monaten auf nahezu ähnliche Weise abstürzt", sagte Hofmann mit Blick auf das Unglück einer baugleichen Maschine in Indonesien Ende Oktober.

Die Ermittlungen zur Ursache des Flugzeugabsturzes in Äthiopien liefen indes am Montag auf Hochtouren weiter. In Kürze sollen auch Experten von Boeing und der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB nach Äthiopien reisen. Unter den 157 Opfern waren auch drei Ärzte aus Oberösterreich, die beruflich nach Sansibar unterwegs waren, wie es vom Außenministerium hieß. Zudem kamen mindestens 19 Mitarbeiter der Vereinten Nationen ums Leben. Die UNO setzte daher am Montag die Flaggen auf halbmast.

Der Aktienkurs von Boeing brach indes ein. Die Titel des Konzerns gaben am Montag vor Handelsbeginn an der New Yorker Wall Street im vorbörslichen elektronischen Handel um mehr als zehn Prozent nach.