Norbert Hofer muss wieder ungewollt ran. Zum zweiten Mal muss wohl der Pinkafelder Norbert Hofer ran, obwohl er das gar nicht wollte. Ob die Nachfolge von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache genauso erfolgreich sein wird wie seine Präsidentschaftskandidatur, werden die kommenden Monate zeigen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 18. Mai 2019 (14:40)
Wolfgang Millendorfer
Nobert Hofer

Dass Hofer jetzt zum Einsatz kommt, ist logisch. Hofer gilt als das seriöse Gesicht der FPÖ, auch wenn er seit seiner nur knapp gescheiterten Hofburg-Kampagne polarisiert.

Der Pinkafelder ist insofern ein ungewöhnlicher Freiheitlicher, als ihm radikale Töne nach außen fremd zu sein scheinen. Stets mit sanftem Lächeln auf den Lippen gibt er den netten Nachbarn von nebenan, den man jederzeit als Urlaubsbetreuung für Haus, Hof und Hund engagieren würde.

So lebt Hofer auch, in einem einfachen Haus in seiner Heimatgemeinde Pinkafeld im Burgenland, mit seiner zweiten Frau und einer Teenager-Tochter. Drei weitere Kinder hat er aus einer früheren Beziehung.

Hofers Hobby ist das Fliegen, was keine Selbstverständlichkeit ist. Denn der gelernte Flugzeugtechniker erlitt als junger Mann bei einem Paragleiter-Absturz schwerste Verletzungen und ist auch heute noch auf den Stock angewiesen. Dass er überhaupt so mobil ist, hat er eiserner Selbstdisziplin zu verdanken.

Lange galt Hofer auch aus eigener Betroffenheit als besonders engagierter Behindertenpolitiker, in den vergangenen Jahren widmete er sich verstärkt Verkehrsthemen, weshalb er auch nach dem Regierungseinzug der Freiheitlichen auf eigenen Wunsch nicht ins Sozial- sondern ins Infrastrukturressort einzog.

Dieses lenkte er nach Meinung der meisten Beobachter souverän, selbst die üblichen Umfärbungen bei Regierungswechseln sorgten für wenig Aufsehen, da Hofer offenbar auf Kräfte setzte, die sich tatsächlich auskennen. Freilich: Den Titel des Verkehrssicherheitsministers hat er sich nicht gerade erworben, setzte Hofer doch neben dem Thema E-Mobilität auf Vorhaben wie höhere Tempolimits und Rechtsabbiegen bei Rot.

Politisch wichtiger war ohnehin Hofers Zweitjob als Regierungskoordinator, wo er sich für die ÖVP als zuverlässiges Bindungsglied zum Koalitionspartner erwies. Nicht umsonst haben die Freiheitlichen gerade Hofer der Volkspartei als Nachfolger von Heinz-Christian Strache offeriert.

Dabei ist die Beziehung der beiden eine sehr enge. Bei der Abspaltung des BZÖ blieb der burgenländische Hoffnungsträger, der schon mit 24 Stadtparteiobmann in Eisenstadt war, zur Überraschung vieler bei der FPÖ und half führend bei deren Wiederauferstehung mit. Nicht wenige in der Partei interpretierten das weniger als strategische denn als ideologische Entscheidung. Hofer ist bei aller Freundlichkeit nämlich ein echter Ideologe und auch Autor des freiheitlichen Parteiprogramms. Bei der Schülerverbindung Marko-Germania zu Pinkafeld ist er Ehrenmitglied.

Einschlägig besonders auffällig war er freilich selten, was ihn zum idealen Kandidaten für das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten nach dem höchst umstrittenen Martin Graf machte. Selbst die Parteien links der Mitte konnten mit Hofers objektiver Amtsführung gut leben. Als er jedoch gegen seinen eigenen Willen in die Hofburg-Wahl geschickt wurde, begann ein leichter Image-Wandel. Hofer schlug sich in der epischen Wahlschlacht zwar so gut, dass er fast ins höchste Amt im Staat gelangt wäre, doch zeigte sich, dass er auch ein anderes Gesicht hat ("Sie werden sich noch wundern...").

Letztlich war es für ihn egal, Hofer hat sich damals eine treue Fanbasis aufgebaut, die zumindest bis Freitag gewillt war, ihn bei seinem angekündigten zweiten Anlauf Richtung Hofburg zu tragen. Dass diese Chancen Stand heute drastisch gesunken sind, wird Hofer auch selber wissen. Andererseits ist er wohl der einzige, der die von ihrem Chef ins Chaos gestoßene FPÖ wieder konsolidieren könnte.

Zur Person: Norbert Hofer, geboren am 2. März 1971, in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern, gelernter Flugzeugtechniker, 1995 Stadtparteiobmann von Eisenstadt, 1996 Landesparteisekretär im Burgenland, 1997 Gemeinderat in Eisenstadt, 2005 stv. Bundesparteiobmann, seit 2006 Nationalratsabgeordneter und FPÖ-Behindertensprecher, ab Oktober 2013 Dritter Nationalratspräsident, ab 2017 Infrastrukturminister (und Regierungskoordinator)