Ferrari nach Auftakt schon im Krisenmodus. Nach dem völlig verpatzten Start in die neue Formel-1-Saison befindet sich Ferrari schon im Krisenmodus. Sebastian Vettel ordnete für die kommenden Tage deshalb sofort Überstunden bei Ferrari an. "Da ist ein großes Potenzial im Auto, das wir entfesseln müssen", forderte der Deutsche nach Platz vier.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 18. März 2019 (11:39)
APA/dpa
Die Italiener sind noch nicht dort, wo sie hinwollen

Im fünften Ferrari-Jahr, das eigentlich zur Krönungsmesse für Vettel werden soll, hatte der 31-Jährige als abgeschlagener Vierter zum ersten Mal im roten Auto das Podium in Australien verpasst. "Radikal und grausam für die Scuderia: am Samstag im Qualifying geschlagen und im Rennen am Sonntag gedemütigt", schrieb Frankreichs Sportblatt "L'Equipe".

Der neue Teamchef Mattia Binotto ist schon nach dem ersten Grand Prix seiner Amtszeit als Krisenmanager gefragt. "Wir müssen zuhause jetzt die Daten analysieren. Wenn wir das Problem finden, dann können wir noch viel stärker zurückkommen", sagte der 49-Jährige. Wirklich beunruhigt wirkte der freundliche Herr Binotto, stets keck mit Lockenpracht und Gelehrtenbrille, bei seinen Ausführungen noch nicht.

Auch Vettel wollte vom Glauben an seine WM-Chance nicht abrücken. Im Vorjahr sei das Team in Australien ebenso unzufrieden mit dem Auto gewesen und habe die Probleme in den zwei Wochen bis zum nächsten Rennen in Bahrain behoben, betonte der 31-Jährige. Damals hatte er allerdings trotz der Sorgen im Albert Park gewonnen.

"Lass dich nicht von anderen zerbrechen, glaube an dich selbst"

Bestärkt durfte sich Vettel durch die Analyse von Mercedes-Teamchef Toto Wolff fühlen. Der Wiener wollte die Dominanz der Silberpfeile mit dem überragenden Sieger Valtteri Bottas vorerst nur als Momentaufnahme verstanden wissen. "Es ist schwer, bei diesen neuen Autos die punktgenaue Abstimmung zu finden. Sie haben eine falsche Abzweigung genommen, aber haben sicher kein grundsätzliches Problem", urteilte Wolff.

Wie unverhofft sich die Geschicke auf der Rennstrecke ändern können, beobachtete der 47-Jährige staunend auch im eigenen Team. Selten zuvor war der fünfmalige Weltmeister Lewis Hamilton von einem Stallgefährten so distanziert worden wie diesmal von Bottas. "Das ist ein bisschen wie ein Märchen. Lass dich nicht von anderen zerbrechen, glaube an dich selbst", sagte Wolff über den Finnen.

Im Vorjahr sieglos, in der zweiten Saisonhälfte durch seine Degradierung zum Hamilton-Helfer antriebslos - und nun der Mann der Stunde. "Es hat sich im Winter etwas verändert, wie ich das Leben generell und das Rennfahren sehe", erklärte Bottas. Bei Rallye-Ausflügen fand er seinen Fahrspaß wieder. Mit ein paar Drinks spülte er den Frust weg. Und dank des erhöhten Gewichtslimits musste Bottas vor Saisonbeginn auch nicht mehr hungern.

"Jedes Jahr lernt man als Mensch dazu, was hilft bei der Vorbereitung, wie man sich erholt, wie man trainiert, wie man reist. Ich habe versucht, alles für dieses Jahr zu optimieren, was möglich ist", erläuterte der 29-Jährige, der sich im Winter einen Bart stehen ließ. So mancher fühlte sich schon an das Jahr 2016 erinnert, als Nico Rosberg alle Kräfte bündelte und mit einer enormen Energieleistung das Mercedes-Titelduell gegen Hamilton gewann.

"Er hat immer das Tempo gehabt", sagte Vettel über Bottas, den vor dem Auftakt nur die wenigsten als ernsthaften WM-Anwärter auf der Rechnung hatten. Eher wurde spekuliert, wer den Finnen wohl demnächst im silbernen Cockpit ablösen würde. "Er ist ein echt netter Kerl, ich freue mich für ihn", versicherte Vettel.

Hamilton nahm die Schlappe äußerlich noch gelassen, zumal sein Silberpfeil wegen eines beschädigten Unterbodens lahmte. "Ich arbeite weiter hart an mir und komme beim nächsten Rennen gestärkt zurück", beteuerte der 34-jährige Brite. Offensichtlich war aber, dass auch der Champion auf der Rückreise von Australien einiges zum Grübeln hatte.