Dringender Forschungsbedarf bei Borkenkäfern. Die Borkenkäfer setzen den Wäldern in Europa und Nordamerika zu. Allein in Mitteleuropa waren sie 2018 für 40 Mio. Kubikmeter Schadholz verantwortlich. Dabei ist über den Lebenszyklus der Käfer und ihre Populationsdynamik noch relativ wenig bekannt.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 01. Juli 2019 (12:21)
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Noch viele Wissenslücken über Lebenszyklus und Populationsdynamik

Massenausbrüche von Borkenkäfern dauern nach Angaben der Forscher meist einige Monate bis Jahre an, anschließend gehen die Populationen plötzlich wieder deutlich zurück. "Wir versuchen mit vielen aufwändigen Maßnahmen, unsere Wälder vor Borkenkäfern zu schützen. Doch was die starken Populationsschwankungen bei den Borkenkäfern eigentlich auslöst, darüber wissen wir sehr wenig", erklärte der österreichische Biologe Peter Biedermann von der Universität Würzburg, Erstautor der nun veröffentlichten Arbeit.

Über Borkenkäfer "wissen wir sehr wenig", so Biedermann

Für ihn ist es dringend notwendig, eine wissenschaftliche Basis zu schaffen, damit Forstwirtschaft und Politik künftig effizienter auf Ausbrüche von Borkenkäfern reagieren können. So müsste etwa geklärt werden, ob es ein praxistauglicher Ansatz sein kann, bei Massenvermehrungen einfach gar nicht einzugreifen, so Biedermann. Im Nationalpark Bayerischer Wald mit seinen natürlichen Wäldern habe man beobachtet, dass Borkenkäferpopulationen auch ohne Bekämpfung nach einigen Jahren zusammengebrochen sind.

Auch der Klimawandel macht nach Ansicht der Forscher ein vertieftes Wissen über den Lebenszyklus speziell der Fichtenborkenkäfer nötig. Denn Klimaextreme wie zunehmend trockene und heiße Sommer würden die Wirtschaftswälder weiter schwächen. Als weitere Einflussfaktoren auf die Populationsgröße nennen die Wissenschafter natürliche Feinde, Krankheitserreger, die Konkurrenz innerhalb der eigenen Art sowie mit anderen Arten, Landschaftsstrukturen, der Baumbestand, die Widerstandsfähigkeit der bevorzugten Wirtsbäume, Temperatur und Niederschlag. Welche Rolle diese für die Populationsdynamik von Waldinsekten spielen, sei allerdings weitgehend unbekannt.

Angesichts dieses Mangels an Wissen schlagen die Autoren vor, die weltweit vorhandenen Daten zu bündeln, Wissenslücken zur Populationsdynamik des Fichtenborkenkäfers und anderer Waldinsekten zu identifizieren und auf dieser Grundlage zentrale offene Fragen zum Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren durch neue Datenerhebungen zu beantworten. In einem zweiten Schritt müssten Erkenntnisse daraus in experimentellen Feldstudien getestet werden, um Handlungsempfehlungen abzuleiten. Wissenschafter sehen daher dringenden Forschungsbedarf und fordern im Fachjournal "Trends in Ecology and Evolution" mehr Untersuchungen.