Austria siegt im "Play-off-Vorspiel" gegen Hartberg. Sie stritten, freuten sich, zitterten und jubelten am Ende doch: Die Profis der Wiener Austria haben sich in einem für ihre Ambitionen wichtigen Spiel mit dem erhofften Sieg gegen einen unbeliebten Gegner belohnt. Das verdiente 3:1 gegen Hartberg beförderte die Wiener am Dienstagabend an den Steirern vorbei auf Platz eins der Qualifikationsgruppe. Für beide Mannschaften dürfte es ein Vorgeschmack auf das Europacup-Play-off in knapp zwei Wochen gewesen sein.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:00)
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Bei je vier Zählern Vorsprung auf die SV Ried stünden sowohl die Austria, als auch Hartberg mit Siegen in der vorletzten Runde der Quali-Gruppe in der entscheidenden Phase um das letzte zu vergebende Ticket für die internationale Bühne. Die Violetten haben am Samstag Schlusslicht St. Pölten zu Gast, Hartberg den Vorletzten Admira. TSV-Trainer Markus Schopp erwartete eine "spannende Kiste" bis zum letzten Spieltag. Am 24. Mai trifft dann der Erste der Quali-Gruppe auf den Zweiten, ehe es in Hin- und Rückspiel (27. bzw. 30. Mai) gegen den Fünften der Meistergruppe geht.

Für Schopp war die Niederlage in Wien-Favoriten eine mehr als ärgerliche. "Die Enttäuschung ist groß, weil es eine riesengroße Chance war, ein Statement zu setzen. Aber scheinbar waren wir dafür nicht bereit", sagte der Gäste-Coach. Vor allem der Auftritt in der ersten Spielhälfte war für Hartberger Verhältnisse äußerst schwach. Für Torhüter Rene Swete, den Besten der Steirer an diesem Abend, war er gar "skandalös". "Das war teilweise Arbeitsverweigerung von uns als gesamte Mannschaft", sagte er auf Sky.

Dass die Partie in der ersten halben Stunde wie auf einer schiefen Ebene Richtung Hartberger Gehäuse lief, erstaunte. Die Steirer hatten der Austria im Saisonverlauf davor drei Niederlagen zugefügt. Wie Schopp anmerkte, sehe er die beiden Teams grundsätzlich auf gleicher Höhe. Das "Thema", dass die nunmehrige Niederlage Spuren hinterlasse, sehe er nicht.

Die Austria zitterte bis zu ihrem dritten Treffer in der Nachspielzeit um die drei Zähler, durfte nach schwachen Vorstellungen in den vergangenen beiden Spielen jedoch wieder einen Erfolg auskosten. Peter Stöger wurde die Rückkehr nach seiner Corona-Infektion versüßt. Der Cheftrainer sah eine der besseren Vorstellungen seiner Schützlinge, wie er zufrieden bilanzierte. Dezidiert nahm Stöger wieder das große Ziel ins Visier, das er vor seinem Abschied noch erreichen will.

"Jetzt ist es wichtig, zu zeigen, dass diese Gruppe, mit all diesen Fragezeichen rundherum, alles unternimmt, um in den Europacup zu kommen. Auch weil nach dem Altach-Spiel (1:2, Anm.) wieder Fragen kamen, wie wichtig das der Mannschaft noch ist", erklärte Stöger mit Blick auf die auslaufenden Verträge von einigen Austrianern. Dazu kamen in den vergangenen Wochen auch mehrere am Coronavirus erkrankte Akteure. Eine Frage zu seiner persönlichen Zukunft - zuletzt wurde Stöger als Coach des ungarischen Traditionsclubs Ferencvaros Budapest gehandelt - wich der 55-Jährige aus.

Zur Aufklärung, wie es bei der Austria weitergeht, konnte indes Neo-Vorstand Gerhard Krisch wenig beitragen. In seinem ersten Interview seit Beginn seiner Tätigkeit mit 1. Mai blieb Krisch auf Sky vage. "Natürlich sind die Rahmenbedingungen herausfordernd. Wir diskutieren Strukturen intern permanent", merkte er an. Für die Entscheidungen im sportlichen Bereich - gesucht werden Trainer und Sportchef - sei eine Sondierungsgruppe ins Leben gerufen worden. Diese stellt sich aus mehreren Gremien des Clubs zusammen. Wirtschaftlich verfolge man beim überschuldeten Verein ein langfristiges Programm, so Krisch: "Wir wollen die Austria nachhaltig stabilisieren."

Stabile Leistungen auf dem Spielfeld will Stöger sehen. Nebenschauplätze wie den Disput zwischen dem 21-jährigen Dominik Fitz und dem zwölf Jahre älteren Markus Suttner um die Ausführung eines Freistoßes wischte er weg. Fitz traf besagten Freistoß zum 2:0. "Durch die Diskussion hat er sich die Latte selbst hoch gelegt", meinte Stöger zur Szene. Er sei okay, wenn jüngere Spieler Verantwortung übernehmen. Suttner gab Fitz nach seinem Treffer noch Worte mit. Nach der Partie war auch der Ex-Teamspieler bemüht, keine Baustelle aufzumachen. "Ich habe lieber Emotionen dabei und ärgere mich, als wenn ich herumrenne und mir ist alles egal", hielt Suttner fest.