Greenpeace protestiert bei Coca-Cola-Werk in Edelstal. Greenpeace hat Dienstagvormittag im Coca-Cola-Abfüllwerk im burgenländischen Edelstal mit einer anschaulichen Aktion gegen den Einsatz von Wegwerfplastik protestiert. Die Aktivisten seilten sich mit einem Transparent vom Gebäude ab und ließen symbolisch tausende Coca-Cola-Plastikflaschen von der Fassade des Werks in die Umwelt strömen.

Von APA / NÖN.at und Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 28. Januar 2020 (13:26)
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Greenpeace-Aktion beim Coca-Cola-Werk in Edelstal
Greenpeace-Aktion beim Coca-Cola-Werk in Edelstal
Mitja Kobal, Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation fordert, dass Coca-Cola seinen Verpackungsmüll drastisch reduziert und im Einzelhandel auf ein Mehrwegsystem umsteigt. Im ersten Schritt solle der Konzern bis Ende 2020 seine Produkte in zwei Flaschengrößen als Mehrwegflaschen anbieten.

"Coca-Cola ist der weltweit größte Plastikverschmutzer. In Österreich hält der Konzern mehr als die Hälfte des Limonadenmarktes. Mit dieser Größe und Macht muss das Unternehmen endlich seinen Müllberg reduzieren und eine Trendwende hin zu Mehrwegflaschen einleiten", fordert Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich. Bis zu 300.000 Flaschen verlassen stündlich das Coca-Cola-Werk in Edelstal. Insgesamt produziere Coca-Cola mehr als ein Viertel des PET-Mülls in ganz Österreich.

Greenpeace-Aktion beim Coca-Cola-Werk in Edelstal
Greenpeace-Aktion beim Coca-Cola-Werk in Edelstal
Mitja Kobal, Greenpeace

Plastikmüll in der Natur bedrohe unzählige Tiere und wandert über Flüsse auch in unsere Meere: So lande stündlich eine Lkw-Ladung an Plastik im Meer. Zusätzlich verursache die Produktion und Entsorgung von Plastik einen enormen CO2-Ausstoß und heize damit die Klimakrise an.

Doch anstatt Verantwortung für die Umweltauswirkung seiner Produkte zu übernehmen, kämpfe Coca-Cola hinter der Kulissen weltweit gegen Umweltgesetze an, kritisiert Greenpeace. Der gestern veröffentlichte Greenpeace-Bericht "Die Akte Coca-Cola" (http://bit.ly/Coca-Cola-Report) zeige auf, "wie das Unternehmen systematisch gegen Pfand- und Mehrwegsysteme lobbyiert und umweltschädliche Geschäftsmodell Wegwerfplastik weiter vorantreibt", kritisieren die Umweltschützer.

Coca Cola bot Aktivisten Getränke an

Die Aktion ist mittlerweile beendet, die Aktivisten wurden seitens Coca Cola nicht an ihrem Aktionismus gehindert. Es gab keine Eskalation, im Anschluss wurden - laut Coca-Cola-Aussendung - sogar Getränke angeboten und es entwickelte sich ein guter inhaltlicher Austausch der Argumente.

Werksleiter Patrick Redl (links) mit Raphaela Fremuth (beide Coca-Cola HBC Österreich) 
Werksleiter Patrick Redl (links) mit Raphaela Fremuth (beide Coca-Cola HBC Österreich) 
Coca-Cola

Außerdem bot Coca-Cola mit einem Augenzwinkern Unterstützung an, den von Greenpeace mitgebrachten Plastikmüll fachgerecht bei Pet2Pet in Müllendorf zu entsorgen.  

Philipp Bodzenta, Unternehmenssprecher Coca-Cola Österreich, betont: „Wir sind uns unserer Verantwortung hinsichtlich der Plastik-Thematik bewusst."

Aus diesem Bewusstsein heraus habe man sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Eine Welt ohne Abfall. Einige der wichtigen Ziele würden sogar über den EU-Vorgaben und Zielen  liegen (z. B. 100% Sammelquote bis 2030, Anteil an recyceltem Material). Man sei offen für das beste Sammelsystem, einschließlich eines Pfandsystems auf Einwegverpackungen, das helfe, das Ziel bis 2030 zu erreichen.

"Hand aufs Herz: Keine Verpackung ist perfekt, alle Verpackungsarten haben bestimmte Auswirkungen auf die Umwelt", so Bodzenta. "Wir glauben an eine Kreislaufwirtschaft. Plastik sollte, wie jede Verpackung, niemals als Abfall sondern als wertvoller Rohstoff betrachtet und dementsprechend behandelt werden. Eine 100% recycelbare Flasche ist somit keine Einwegflasche. Das Letzte, was wir wollen, ist, dass unsere Plastikflaschen an Stränden, im Meer oder auf Mülldeponien landen. Aus diesem Grund organisieren und unterstützen wir international und lokal Clean-Up Programme wie hier in Österreich unsere Initiative ‚Wir räumen auf: Miteinand!‘."