Hannes Varga: Der Berufsfischer vom Neusiedler See. Hannes Varga ist einer von 14 hauptberuflichen Fischern am Neusiedler See. Der BVZ hat er von seinem Arbeitsalltag erzählt.

Von Norbert Aichhorn. Erstellt am 15. Februar 2020 (06:22)
Tradition verpflichtet. Familie Varga aus Gols hat sich der Fischerei verschrieben. Hannes Varga (Bild) tritt in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters, das Restaurant in Gols führt er aber nicht weiter.
zVg/Varga

37 Jahre lang war das Fischrestaurant Varga ein Treffpunkt für Feinschmecker im Bezirk Neusiedl. Im Oktober letzten Jahres entschlossen sich Emmerich und Silvia Varga, das Restaurant zu schließen und die wohlverdiente Pension anzutreten. Die drei Gästezimmer werden aber weiterhin an Touristen vermietet.

Sohn Hannes wollte den Restaurantbetrieb nicht übernehmen. Er hatte von Anfang an andere berufliche Vorstellungen. „Ich durfte schon als Kind mit meinem Vater zum Fischen mit auf den See fahren“, erzählt Hannes begeistert. Die Liebe dazu entstand schon früh für den bald 30-Jährigen, für ihn war die Weiterführung der Fischerei in mittlerweile vierter Generation selbstverständlich.

„Das Frühaufstehen macht mir nichts aus. Schließlich soll der Fang ja am selben Tag verarbeitet werden“Für Berufsfischer gilt: Frühaufsteher machen den besten Fang

„Das Frühaufstehen macht mir nichts aus. Schließlich soll der Fang ja am selben Tag verarbeitet werden“, weiß Hannes.

Schon sein aus Fertörakos stammender Urgroßvater Matthias Haas war Berufsfischer. Er hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Gols niedergelassen, wo das jetzige Restaurantgebäude errichtet wurde.

Das Fischereigewerbe wurde innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben und immer aktiv betrieben. „Ich bin einer von 14 Berufsfischern, die am Neusiedler See fischen dürfen“, erklärt Hannes Varga die aktuelle Organisation.

Er ist Mitglied der Genossenschaft der Berufsfischer des Neusiedler Sees. Diese organisiert die Anpachtung des Sees und sorgt für die ordnungsgemäße Befischung.

Abgefischt wird am See mittels Reusen, Zugnetzen und Stellnetzen. „Mit einer klassischen Angel hat das Berufsfischen nichts zu tun“, erklärt Hannes, „das wäre viel zu zeitaufwendig.“

Tradition verpflichtet. Familie Varga aus Gols hat sich der Fischerei verschrieben. Hannes Varga tritt in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters, das Restaurant in Gols führt er aber nicht weiter.
zVg/Varga

Sportfischer bekommen bei Familie Varga gegen Vorlage einer gültigen Fischereikarte jederzeit eine Tageskarte ausgestellt. Die Genossenschaft hat eigene Kontrollorgane bestellt, die die Sportfischer kontrollieren dürfen. „Schwarzfischen“ wird nicht toleriert.

Gefangen werden von Anfang März bis Saisonende im Dezember Zander, Wels, Karpfen, Hechte und Aale. Im Jänner und Februar ist Pause, da regeneriert sich der Fischbestand, um auch in der nächsten Saison Erträge zu liefern. „Entgegen der landläufigen Meinung gibt es keine Forellen im See. Das Wasser ist dafür zu warm und auch zu trüb“, erklärt Emmerich Varga.

Während der Saison wird täglich ausgefahren, außer bei Sturmwarnung, denn Sicherheit hat Vorrang.

Am See noch keine Berufsfischerinnen

Etwa 3.500 Kilogramm Fische werden in einem durchschnittlichen Jahr gefangen, direkt im Betrieb verarbeitet und an die Gastronomie und an Privatkunden verkauft. „Wir könnten viel mehr verkaufen, als wir fangen“, bemerkt Emmerich mit einem Schmunzeln, „die Nachfrage ist steigend.“

Für seinen Sohn Hannes ist 2020 das erste Jahr, in dem er mit der Fischerei als alleiniger Umsatzträger wirtschaftlich erfolgreich sein will. Jeden Freitag wird direkt ab Hof verkauft.

„Ich bin gerne auf dem See, für mich ist’s der schönste Arbeitsplatz. Mir liegt das im Blut. Leider gibt’s noch keine Berufsfischerinnen, aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden“, wünscht er sich für die Zukunft.