Soldaten bekämpfen Flammen im brasilianischen Regenwald. Nach der internationalen Kritik am Zögern der brasilianischen Regierung im Kampf gegen die verheerenden Feuer im Amazonasgebiet greift nun das Militär ein. Sechs von den Bränden betroffene Bundesstaaten haben bereits um Unterstützung der Streitkräfte gebeten, wie die brasilianische Regierung bekanntgab.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 25. August 2019 (07:27)
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Soldaten helfen bei den Löscharbeiten

Zwei Löschflugzeuge vom Typ Hercules starteten am Samstag von Porto Velho im Bundesstaat Rondonia aus zu ihren Einsätzen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Auf Videos war zu sehen, wie die Piloten über den Waldbrandgebieten Tausende Liter Wasser abwarfen. Darüber hinaus stehen Zehntausende Soldaten zur Unterstützung bereit.

Die Soldaten können ab sofort in Rondonia, Roraima, Para, Tocantins, Acre und Mato Grosso bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern helfen. Insgesamt stünden in der Region rund 44.000 Soldaten zur Verfügung, sagte Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva. Präsident Jair Bolsonaro hatte den Einsatz des Militärs zuvor per Dekret erlaubt. Es wurde jedoch nicht verlautbart, wie viele Soldaten zunächst eingesetzt würden.

"Der Einsatz wird vor allem in der Verhütung und Verfolgung von Umweltverbrechen sowie der Unterstützung bei den Löscharbeiten bestehen", sagte Azevedo. Umweltminister Ricardo Salles bat die Bundesstaaten um Hilfe: "Wir wissen, dass viele nur begrenzte Kapazitäten haben, aber wir können diese Aktion ohne die örtliche Unterstützung nicht durchführen."

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu. Insgesamt wurden über 72.000 Brände registriert. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Umweltschützer werfen dem rechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Wegen seiner umstrittenen Umweltpolitik geriet Bolsonaro zuletzt international in die Kritik. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte das Thema wegen der globalen Bedeutung des Regenwaldes für den Klimaschutz auf die Tagesordnung beim G-7-Gipfel in Biarritz und nahm die ganze Welt in die Pflicht. "Das Amazonasgebiet ist unser Gemeingut", sagte er. Einige europäische Länder stellten die Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur und der EU in Frage. Erst Ende Juni war nach jahrelangen Verhandlungen eine politische Einigung über den Aufbau der größte Freihandelszone der Welt erzielt worden.

Auch in den Nachbarländern Bolivien, Peru und Paraguay wüten zahlreiche Brände, wie auf Satellitenbildern der US-Raumfahrtbehörde NASA zu sehen war. Die bolivianische Regierung setzte am Wochenende einen sogenannten Supertanker im Kampf gegen die Flammen ein. Die umgebaute Boeing 747 eines US-Unternehmens unterstütze die Löscharbeiten in der Region Chiquitanía im Osten des Landes, teilte Präsident Evo Morales mit. Das Flugzeug kann rund 75 000 Liter Wasser abwerfen.

"Wir planen vier Löscheinsätze pro Tag", sagte Boliviens Verteidigungsminister Javier Zavaleta der Zeitung "La Razón". "Wir werden den Kampf gegen das Feuer gewinnen." In Bolivien sollen über 700 000 Hektar Land betroffen sein. "So etwas gab es hier noch nie", sagte Martín Carrillo vom Bürgerkomitee der Ortschaft Roboré. "Seit 40 Tagen kämpfen wir schon gegen die Brände."

Auch in Europa lodern die Flammen: Wegen eines Waldbrands sind auf der griechischen Insel Samos mehrere hundert Touristen aus ihren Hotels und von Stränden in Sicherheit gebracht worden. Das Feuer im Osten der Insel sei nicht sehr groß, sagte Insel-Bürgermeister Christodoulos Sevastakis am Samstag dem Fernsehsender Skai. "Aber es ist in der Nähe von Hotels."

Dem Bürgermeister zufolge wurden rund tausend Touristen aus verschiedenen Hotels geholt und in die Stadt Pythagorion gebracht. Diese sei nicht bedroht. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ANA wurden zudem mehrere dutzende Menschen von der Küstenwache mit Booten von zwei Stränden in Sicherheit gebracht.