Zwei Österreicher bei Amokfahrt verletzt. Nach der tödlichen Autofahrt in eine Menschenmenge in Heidelberg, bei der am Samstag zwei Österreicher leicht verletzt wurden, rätseln die Ermittler noch über das Motiv des Fahrers.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 26. Februar 2017 (13:46)

Der Festgenommene ist nach Angaben der Polizei vom Sonntag noch nicht vernehmungsfähig, aber außer Lebensgefahr. Der 35 Jahre alte Deutsche war von der Polizei mit einem Bauchschuss gestoppt und danach operiert worden.

Der Mann soll mit einem Mietwagen in die Gruppe der Passanten gefahren sein. Ein 73-Jähriger wurde getötet und zwei weitere Fußgänger verletzt. Beide Verletzten seien österreichische Staatsbürger, teilte Außenministeriumssprecher Thomas Schnöll am Sonntag der APA mit. Es handelt sich um einen Mann und eine Frau, die bereits seit mehreren Jahren in Heidelberg leben.

Die österreichische Botschaft stehe in Kontakt zu ihnen, hieß es aus dem Außenministerium. Beide seien wohlauf, sie seien ambulant versorgt worden und hätten leichte Prellungen erlitten. Zunächst war von einem verletzten 32-jährigen Österreicher berichtet worden, sowie von einer verletzten 29-jährigen Frau aus Bosnien-Herzegowina.

Der 35-Jährige flüchtete nach der Amokfahrt zu Fuß mit einem Messer, bis Polizisten ihn niederstreckten. Der Verdächtige kommt nach dpa-Informationen aus dem Raum Heidelberg und soll nicht polizeibekannt sein. Das Auto, das er für die Todesfahrt nutzte, ist laut Polizei ein Mietwagen mit Hamburger Kennzeichen. Ob der Mann die Absicht hatte, auf der Flucht mit dem Messer mehr Menschen zu verletzen, war einem Polizeisprecher zufolge nicht bekannt. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es nicht.

Nach den Schüssen auf den 35-Jährigen wird auch gegen den Polizeischützen ermittelt. Solche Überprüfungen finden nach einem Schusswaffengebrauch durch die Polizei grundsätzlich statt, wie ein Polizeisprecher sagte. Polizisten dürfen ihre Waffen nur in Extremsituationen einsetzen. Gründe sind meist Notwehr oder der Schutz eines Bedrohten. Das Schießen ist im Ernstfall aber auch erlaubt, wenn schwere Verbrechen oder die Flucht eines gefährlichen Täters nicht anders verhindern werden können. Der Gebrauch der Waffe sollte angedroht oder ein Warnschuss abgefeuert werden.

Im Fall von Heidelberg ist dies laut Polizei auch geschehen. Der 35-Jährige wurde mehrmals aufgefordert, sein Messer wegzulegen - das belegt auch ein verifiziertes Video, das auf Twitter zu sehen ist. In dem Video sind mehrere Polizeifahrzeuge und Beamte zu sehen, die ihre Waffe auf den mutmaßlichen Täter richten. Der 35-Jährige ist auf der Aufnahme nicht zu sehen. Nach den Aufforderungen, die Waffe wegzulegen, ist ein Schuss zu hören.

Die Polizei in Mannheim prüft auch, ob sie gegen beleidigende und anstößige Beiträge vorgehen kann, die nach der Todesfahrt auf Twitter verbreitet wurden. "Wir werden uns einzelne Meldungen anschauen und nach ihrem strafbaren Inhalt bewerten", sagte Polizeisprecher Norbert Schätzle. Die Pressestelle der Polizei hatte kurz nach dem Vorfall stundenlang mit Anfragen und ausfallenden Tweets aus dem In- und Ausland zu tun. Einige davon hat sie ungewöhnlich harsch von ihrem offiziellen Account aus beantwortet und so manchen Twitter-Nutzer zurechtgewiesen.