Mangelhafte Versorgung bei chronischen Wunden?. Es gibt deutliche Hinweise auf eine mangelhafte Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden in Österreich. Eine bessere Kooperation von Spezialisten und die Verwendung der individuell am besten geeigneten Materialen wäre notwendig, hieß es bei einem Hintergrundgespräch der "Initiative Wund? Gesund!" in Wien.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 22. Juni 2018 (11:05)
Viele Menschen leiden an chronischen, schlecht heilenden Wunden
APA (Symbolbild)

Mitglieder und Partner der Initiative sind Vereinigungen und Institutionen, die sich mit dem Wundmanagement beschäftigen sowie Unternehmen aus der Medizintechnik-Branche. "Es gibt in Österreich rund 250.000 Menschen, die an chronischen, schlecht heilenden Wunden leiden. Etwa die Hälfte weniger als ein halbes Jahr, etwa die Hälfte länger als ein halbes Jahr. 80 Prozent der Patienten werden nach wie vor mit traditionellen Produkten versorgt", sagte Martina Laschet, Sprecherin der Initiative.

Laut der Wiener Gesundheitsökonomin Anna Vavrovsky dürften in Österreich jährlich 1,2 Milliarden bis 2,2 Milliarden Euro an Gesundheitskosten durch chronische Wunden entstehen. In den industrialisierten Staaten der Welt gehe man von drei bis 3,5 Prozent der Gesundheitsbudgets aus.

Die Ursachen für die Entstehung von chronischen Wunden liegen vor allem in drei Grunderkrankungen: Venenleiden (venöse Insuffienz) an den Beinen, periphere arterielle Verschlusskrankheit und Diabetes. Hinzu kommt der Dekubitus bei Bettlägerigen. Die Hausärzte müssten auf das Entstehen von schlecht heilenden Wunden aufmerksam werden. Die Grunderkrankung - zum Beispiel der Diabetes - müsse dann möglichst schnell optimal behandelt und ein effektives Wundmanagement betrieben werden, sagte Markus Duft, Chirurg und Obmann von "Wundmanagement Wien".

Das Problem liege darin, dass es zu einer Kooperation von Pflege, Hausarzt und Fachärzten kommen muss, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. "Es fehlt an allen Ecken und Enden - und an der Struktur", sagte der Chirurg. Es gebe keine staatlich geregelte Zusatzausbildung für die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden, keine Qualitätskontrolle und keine Registerdaten. Notwendig sei auch die Einrichtung von Versorgungszentren, in denen Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtungen - zum Beispiel ein Diabetologe und ein Chirurg - zusammenarbeiten könnten. Dies könnte nach dem Muster von Primärversorgungszentren im allgemeinmedizinischen Bereich erfolgen, meinte Duft.

Bei den Betroffenen handle es sich vor allem um betagte Menschen. Patienten mit chronischen Wunden hätten keine Lobby, hieß es bei dem Hintergrundgespräch.