Italien besann sich gegen England alter Stärken. Es war fast wie in den besten Tagen. Italiens Fußball hat den Glauben an seine Stärken am Samstag mit einem 2:1 im WM-Auftaktschlager gegen England zurückgewonnen. Die Italiener überzeugten in der Tropenhitze von Manaus zwar nicht mit einem Angriffsfurioso, dafür aber mit sehr guter Organisation und Ballkontrolle. Spielmacher Andrea Pirlo hatte auch mit 35 Jahren stets die Fäden in der Hand.

Erstellt am 15. Juni 2014 (11:49)

"Es war ein unglaubliches Spiel, eine Partie für die Ewigkeit", geriet Italiens Teamchef Cesare Prandelli ins Schwärmen. Dabei hatte sein Team lange Zeit brotlose Kunst geboten. Vor der Pause hatten die Italiener fast 70 Prozent Ballbesitz, die Engländer waren aber das gefährlichere Team. Prandelli blieb seiner Taktik treu, geduldig aus einer gesicherten Defensive zu agieren - mit Erfolg.

Die Italiener konnten sich auf die Torjägerqualitäten von Mario Balotelli verlassen. "Es ist ein einzigartiges Gefühl", sagte der exzentrische Stürmerstar nach seinem ersten WM-Treffer, der letztlich auch die Entscheidung brachte (50.). Ausgerechnet gegen England - jenes Land, in dem man sich in seiner Zeit bei Manchester City mehr für seine Eskapaden als für seine spielerische Klasse interessiert hatte.

"Sein Potenzial ist enorm. Er muss so weitermachen, wie er hier gespielt hat", sagte Prandelli über Balotelli. Dabei hatte der Trainer sogar einige Zeit überlegt, ob er den 23-Jährigen vom AC Milan wegen seines schwierigen Charakters und seines Hanges zur Selbstinszenierung überhaupt nach Brasilien mitnehmen soll. Es sollte sich auszahlen. "Balotelli zerfleischt England", schrieb die "Gazzetta dello Sport".

Im zweiten Gruppenspiel am Freitag gegen Überraschungstabellenführer Costa Rica (3:1 gegen Uruguay) könnten die Italiener bereits einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale machen. Dann sollte auch Startorhüter Gianluigi Buffon wieder zur Verfügung stehen. Der 36-Jährige von Juventus Turin musste wegen einer leichten Knöchelverletzung für das Auftaktspiel passen, wurde von Salvatore Sirigu aber gut vertreten.

Einziger leichter Unsicherheitsfaktor im Abwehrverbund war Gabriel Paletta. Der Italo-Argentinier vom FC Parma hatte in der Innenverteidigung den Vorzug gegenüber dem höher dekorierten Leonardo Bonucci (Juventus Turin) erhalten. Ansonsten funktionierte Prandellis Defensivkonzept. Besonders, da es bei mehr als 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit mit den Kräften zu haushalten galt. Die quirligen Engländer wirkten am Ende müde gespielt.

"Wir haben ein großartiges Spiel gemacht. Ich habe das Gefühl, England ist eines der stärksten Teams bei dieser WM", meinte Prandelli. "Sie haben vieles geändert und jetzt eine der stärksten Offensiven der WM. Daher bin ich mit dem Ergebnis so zufrieden."Überraschend war es ausgerechnet Balotelli, der auf die Euphoriebremse trat. "Wir müssen mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und uns auf das nächste Spiel konzentrieren", sagte der Matchwinner.