Privatkindergärten kämpfen mit Abmeldungen. Während sich die Schulen seit Beginn der Coronapandemie im On/Off-Modus befinden und es in Phasen des Fernunterrichts nur bei Bedarf Betreuung für die Unter-14-Jährigen gibt, herrscht an den Kindergärten abgesehen vom ersten Lockdown im Frühjahr 2020 weitgehend Normalbetrieb. Teilweise wurden allerdings Kinder abgemeldet oder besuchen den Kindergarten seltener oder gar nicht, dazu kommen Mehrkosten durch die Pandemie. Das belastet die Finanzen der Wiener Privatkindergärten.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 07. April 2021 (11:47)
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Bei den Kinderfreunden fehlen im Kindergarten 20 Prozent der Kinder, vor allem bei den Unter-Dreijährigen. Die Gründe für die Abmeldungen und Abwesenheiten sind vielfältig, wie eine Sprecherin gegenüber der APA berichtet: Bei manchen gebe es etwa Angst vor Ansteckung, vor allem wenn im näheren Umfeld gefährdete Angehörige leben. Dadurch würden die Kinder später in den Kindergarten eintreten und die Familien versuchen, den Spagat von Homeoffice und Kinderbetreuung zu schaffen.

Andere würden die Wiederaufnahme des Jobs nach der Karenz verschieben oder hätten den Job verloren. Als erste Bildungseinrichtung, in der die Kinder Strukturen, Normalität und Förderung erleben, wäre der Kindergartenbesuch jedoch wichtig, betont die Sprecherin. Durch Impfungen und regelmäßige Tests der Pädagoginnen sei auch bereits ein wesentlicher Schritt Richtung Normalität geglückt.

Bei den Kinderfreunden werden die Kinder teilweise ganz abgemeldet, die Kindergärten fallen also um die Elternbeiträge um. Teilweise bleiben sie zwar angemeldet, kommen aber nicht mehr. In diesem Fall gibt es nur maximal vier Wochen lang trotz Abwesenheit Fördermittel der Stadt. "Mit den Corona-Sonderfinanzierungen der Stadt Wien können wir das aber als Träger bewerkstelligen", betont man bei der SPÖ-Vorfeldorganisation.

Mehr als 6.300 Kinder und Jugendliche besuchen in Wien einen Kindergarten oder Hort der St. Nikolausstiftung, im Vergleich zum Vorjahr werden derzeit 100 Kinder weniger betreut - trotz der verhältnismäßig geringen Zahl ein "hoher finanzieller Verlust", wie die pädagogische Leiterin Susanna Haas betont. Es gebe zwar Zusagen der Stadt Wien, etwa Eltern- oder Essensbeiträge finanziell auszugleichen. Für die Trägerorganisation bleibe unterm Strich dennoch "wesentlich weniger Fördergeld, um die Kosten für Gehälter, Miete, Instandhaltung etc. zu bezahlen".

Neben der Angst vor Ansteckung gebe es wohl auch finanzielle Motive, die Kinder während der Pandemie nicht in Betreuung zu schicken, vermutet Haas. Manche Eltern könnten die Elternbeiträge (derzeit zehnmal pro Jahr 50 Euro) aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht mehr bezahlen und andere wollen nicht mehr bezahlen, weil sie ihr Kind wegen der Pandemie vorerst noch zuhause betreuen.

Bei Kinder in Wien (KIWI) ist die Gesamtauslastung relativ gleich geblieben, nur bei den Betriebskindergärten und Horten ist laut Geschäftsführung die Zahl der Kinder um rund zwei Prozent zurückgegangen. Durch die Platzsicherung der Stadt Wien und die Übernahme von Hort- und teilweise Essensbeiträgen habe das allerdings nur "minimale finanzielle Auswirkungen".

Anders schaut es bei den durch die Pandemie entstandenen Zusatzkosten wie erhöhte Krankenstände, Quarantäne, Über- und Mehrstunden bzw. die Corona-Prämie aus. Hier habe man zwar durch Einsparungen und Verschiebung von Sanierungen und Investitionen gegensteuern können. Aber: "Es muss klar sein, dass alle rückgestellten Sanierungen/Investitionen in den nächsten Jahren nachgeholt werden müssen und es hier zu einer finanziellen Mehrbelastung aller Träger kommen wird." Es gebe deshalb einen ständigen Austausch mit der Stadt, dass die Fördersätze für die privaten Träger erhöht werden.