Thunberg auf UNO-Jugendklimagipfel in New York erwartet. Nach ihrer Rede vor Zehntausenden Menschen bei den Klimaprotesten in New York wird die Aktivistin Greta Thunberg am Samstag beim Jugendklimagipfel der Vereinten Nationen erwartet.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 21. September 2019 (07:45)
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Zehntausende Menschen bei Klimaprotesten in New York

Nach UNO-Angaben wird bei dem Treffen, das dem Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs am Montag vorgeschaltet ist, mit etwa 700 Teilnehmer gerechnet - die 16-jährige Thunberg wird voraussichtlich auch sprechen.

Bei der Veranstaltung sollen die Jungdelegierten Vorschläge für den Kampf gegen den Klimawandel erarbeiten. Die entwickelten Maßnahmen sollen den Staats- und Regierungschefs danach unterbreitet werden.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen nimmt am Samstag in New York am "Youth Climate Summit" teil. Das 75-jährige Staatsoberhaupt begleitet dabei die 17-jährige Salzburger Schülerin und "FridaysForFuture"-Aktivistin Anika Dafert. Am Montag ist Österreich beim Klimagipfel durch Van der Bellen und Umweltministerin Maria Patek vertreten.

Thunberg hatte am Freitag in New York die weltweiten Klima-Demonstrationen als "Welle der Veränderung" gefeiert. "Wir sind nicht nur ein paar junge Leute, die die Schule schwänzen, oder ein paar Erwachsene, die nicht zur Arbeit gegangen sind - wir sind eine Welle der Veränderung. Zusammen sind wir nicht aufzuhalten", sagte die 16-Jährige am Freitagnachmittag (Ortszeit) unter Jubel und Applaus der Zuhörer im Battery Park an der Südspitze Manhattans.

"Wenn Sie zu der kleinen Gruppe von Menschen gehören, die sich von uns bedroht fühlen, dann habe ich sehr schlechte Nachrichten für Sie, denn das hier ist nur der Anfang. Es wird Veränderungen geben, ob Sie es mögen oder nicht." Den Organisatoren zufolge waren rund 250.000 Menschen zu der Demonstration in New York gekommen, das Bürgermeisteramt der Stadt sprach von rund 60.000.

Rund um den Globus gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße. In Österreich beteiligten sich beim Auftakt der internationalen Klimaschutzwoche "Week for Future" am Freitag rund 720 Gemeinden mit Aktionen.

In Paris gingen einem Bericht des Nachrichtensenders Franceinfo zufolge rund 10.000 Menschen auf die Straße, in der belgischen Hauptstadt Brüssel nach Angaben der Polizei etwa 15.000. In London waren es laut den Veranstaltern sogar 100.000 - Schätzungen der Polizei lagen zunächst nicht vor. In Deutschland waren in Dutzenden Städten mehr als 570 Aktionen und Demonstrationen angemeldet.

Auch unter anderem in Johannesburg, in Delhi und in Athen gab es Demonstrationen. Allein in Australien folgten rund 300.000 Menschen dem Protestaufruf, wie die Veranstalter mitteilten.

Sogar in der meist von Terroranschlägen heimgesuchten afghanischen Hauptstadt Kabul gingen mehrere Dutzend Jugendliche für den Klimaschutz auf die Straße. Der kleine Demonstrationszug wurde von Soldaten mit Schnellfeuergewehren geschützt. In sozialen Medien wird die afghanische Regierung dazu aufgerufen, mehr gegen die Luftverschmutzung zu tun. "Wenn wir Terrorangriffe, Autobomben oder Schüsse aus dem Hinterhalt überleben, bringt uns diese Luftverschmutzung um", ist zu lesen.

Thunberg sprach bei der Demonstration in New York von einem "historischen Tag". "Das ist der größte Klimastreik der Geschichte, und wir sollten alle so stolz auf uns sein, denn wir haben das zusammen geschafft." Thunberg sprach von rund 250.000 Teilnehmern allein in New York. Viele der Demonstranten waren Teenager. Die rund 1,1 Millionen Schüler der US-Ostküstenmetropole hatten von ihren Schulen die Erlaubnis erhalten, für die Teilnahme an dem Protest dem Unterricht fernzubleiben.

Bei der Demonstration trug die 16-Jährige dasselbe Schild mit der Aufschrift "Schulstreik für das Klima", das sie bei ihren Protestaktionen immer bei sich hat. Andere Demonstranten in New York hielten Schilder mit Slogans wie "Es gibt keinen Planeten B" oder "Gib der Erde eine Chance". Auch der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio marschierte mit. Für die internationale Streikwoche, die nun begonnen hat, haben Aktivisten Proteste in mehr als 2.900 Städten in über 160 Staaten angekündigt.

Die Salzburger Schülerin Anika Dafert, die Bundespräsident Van der Bellen nach New York begleitet, gab sich auf dem Flug zum "Big Apple" kämpferisch: "Politiker sollten eigentlich auch Aktivisten sein, sie müssen endlich aktiv werden."

Obwohl sich die Vertreterin der "Fridays-for-Future-Bewegung" natürlich freut, dass sie ausgewählt wurde, gemeinsam mit dem fast 60 Jahre älteren Staatsoberhaupt zum UNO-Großereignis zu reisen, fand sie am Weg nach New York auch strenge Worte für die Politiker-Kaste. Trotz ihrer Jugend hat sie nämlich schon eine traurige Erfahrung gemacht: "Es fehlt oft der politische Wille, etwas anzupacken."

So habe UNO-Generalsekretär Antonio Guterres jenen Staats- und Regierungschefs der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, die am Montag beim offiziellen UNO-Klimagipfel im Vorfeld der UNO-Generaldebatte dabei sein werden, doch eine "Hausaufgabe" aufgetragen: "Dass von jedem Land ein klarer Plan mitgebracht wird, sodass man bis Mitte des Jahrhunderts global auf Netto-Null kommt bei den Treibhausgasen. Was für Österreich ja heißt, dass das früher sein müsste. Wegen unseres historischen CO2-Fußabdrucks."

Doch habe es Österreich bisher nicht geschafft, einen "Nationalen Energie- und Klimaplan" zu erstellen, wie er von der EU eigentlich vorgesehen wäre. "Das ist doch ziemlich kritisch, dass wir nach New York gar keinen Plan mitnehmen", ärgerte sich die junge Radstädterin, die sich an und für sich gerade im beginnenden Maturastress ("Ich habe meine Vorwissenschaftliche Arbeit im Flieger mit") befindet. Dabei hätten Wissenschafter für Österreich ja sogar schon Pläne erstellt, die sogar über die EU-Ziele hinausgehen würden. "Man müsste die Pläne nur umsetzen."

Sie habe in den vergangenen Wochen und Monaten mit mehreren der wichtigsten Politikerinnen und Politikern in Österreich geredet, berichtete Anika Dafert im Gespräch mit der APA. Irgendwann würden dann aber immer dieselben Argumente kommen: "Dafür bin ich nicht zuständig. Das kann ich nicht ändern." Da würden sich für sie und ihre Aktivisten-Kolleginnen und -Kollegen schon einige Fragen stellen, meinte die 17-Jährige: "Wer kann es dann ändern? Wer kann in seinem Amt wirklich etwas machen? Wer ist dafür zuständig und übernimmt aktiv die Verantwortung und sagt: 'Das machen wir jetzt!'?"

So gesehen könnten sich die Erwachsenen in der Politik ein Beispiel an den "Fridays-for-Future"-Jugendlichen nehmen, glaubt Anika und nannte sich selbst als Beispiel: "Ich habe in Salzburg immer wieder geschaut, ob es schon Klimastreiks gibt. Und es hat nichts gegeben. Da habe ich gesagt: 'Dann mach's eben ich!'"

Immerhin würden Politiker ja dafür bezahlt, dass sie Dinge umsetzen sollen. Problematisch sei aber auch, dass diese oft nur so weit denken würden, "wie der Zeitraum ist, wo sie gewählt werden könnten." Doch müssten Politiker auch "zeitlich über den Tellerrand schauen". Nachsatz: "Weil es um unsere Zukunft geht."

Vom Jugend-Klimagipfel am Samstag in New York, bei dem Van der Bellen am Nachmittag im Rahmen eines "Intergenerational Dialogue" bei einer Podiumsdiskussion auch Fragen aus dem Publikum beantworten wird, wünscht sich Anika, dass "sich die jungen Leute" aus aller Welt "vernetzen". "Ich erhoffe mir, dass ich mit viele anderen Aktivisten ins Reden komme, dass ich Kontakte kriege und dass wir gegenseitig Ideen austauschen, was wir konkret machen können."

Der Tatsache, dass die "Fridays-for-Future"-Bewegung mit ihren freitägigen Schulstreiks von manchen auch kritisch beäugt wird, ist sich Anika bewusst. "Manche sagen, wir sollten lieber in die Schule gehen oder etwas arbeiten." Doch halte sich die Kritik in Grenzen. Zudem sei sie oft auch darauf zurückzuführen, dass viele Leute gar nicht wüssten, "was wir genau machen." Sie seien dann oft erstaunt, "wie gut wir uns auskennen." Dabei würden sich die Jugendlichen auch aus eigenem Antrieb weiterbilden. Und zwar im Rahmen der Aktion "Das streikende Klassenzimmer", wie Anika berichtete. "Da laden wir Wissenschafter zu den Streiks ein, damit sie Vorträge halten."