Gletscher verlieren jährlich 335 Milliarden Tonnen Eis. Global gesehen hat in den vergangenen 30 Jahren der Massenverlust der Gletscher deutlich zugenommen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 08. April 2019 (17:05)
Tiere leiden unter der Gletscherschmelze
APA (Archiv/AFP)

Derzeit verlieren die Gletscher weltweit 335 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Diese Schmelze trägt jährlich zu einem Anstieg des Meeresspiegels um knapp einen Millimeter bei, wie ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Innsbrucker Glaziologen im Fachjournal "Nature" berichten.

Damit macht das geschmolzene Eis der Gletscher 25 bis 30 Prozent des aktuellen Anstiegs des globalen Meeresspiegels aus. "Weltweit verlieren wir etwa das Dreifache des in den gesamten europäischen Alpen gespeicherten Eisvolumens - jedes Jahr", so Michael Zemp von der Universität Zürich. Dieser Eisverlust aller Gletscher entspricht in etwa dem Massenverlust des grönländischen Eisschildes und übersteigt deutlich jenen der Antarktis. Weltweit verloren die Gletscher seit 1961 in Summe mehr als 9.000 Mrd. Tonnen Eis.

Die Wissenschafter unter der Leitung von Zemp haben für ihre Studie klassische Beobachtungen der Gletscher mit Satellitenmessungen kombiniert. Den Forschern stand dadurch eine bisher nicht da gewesene Anzahl an Messdaten bis zurück in die 1960er-Jahre zur Verfügung. Sie konnten dafür auch auf die umfassende Datenbank des "World Glacier Monitoring Service" zurückgreifen, in die Hunderte Forscher weltweit ihre Satellitenanalysen einbrachten. "Unsere Ergebnisse basieren somit nicht auf Prognosen oder numerischen Modellierungen", erklärte Fabien Maussion vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck.

Die Forscher konnten so Veränderungen der Eisdicke von mehr als 19.000 Gletschern weltweit rekonstruieren. Die Messungen an den einzelnen Gletschern gaben dabei Auskunft über die jährlichen Schwankungen, während die Satellitendaten es ermöglichten, den gesamten Eisverlust über mehrere Jahre oder Jahrzehnte zu bestimmen.

Die größten Beiträge zum Anstieg des Meeresspiegels leisteten dabei die Gletscher in Alaska, gefolgt von den schmelzenden Patagonischen Eisfeldern und den Gletschern in den arktischen Regionen. Die Gletscher in den europäischen Alpen, im Kaukasus und in Neuseeland verloren ebenso erhebliche Mengen an Eis, beim Anstieg des Meeresspiegels spielten sie aber aufgrund ihrer relativ kleinen Fläche nur eine untergeordnete Rolle.