Orthodoxes Kloster kommt doch nach St. Andrä. Großer Erfolg für die Befürworter des Projektes in St. Andrä und für die Diözese Eisenstadt: Das erste Orthodoxe Kloster Österreichs wird doch am ursprünglich geplanten Standort gebaut. 

Von Wolfgang Millendorfer. Update am 11. Dezember 2017 (16:40)
zVg
Im Vorjahr wurde das Projekt im Landhaus in Eisenstadt präsentiert. Im Bild (v.l.): SPÖ-Geschäftsführer Christian Dax, Abt Paisios Jung, Bischof Ägidius J. Zsifkovics, Landeschef Hans Niessl,
      Metropolit Arsenios Kardamakis und der Leiter des bischöflichen Sekretariats, Dominik Orieschnig.

 

Ein Brief von St. Andräs neuem Bürgermeister Andreas Sattler (ÖVP) sorgte für die überraschende Wende beim geplanten Bau des Orthodoxen Klosters. Nachdem das Projekt für Diskussionen und eine Volksabstimmung gesorgt hatte, trat die Orthodoxe Kirche vom Bau zurück.

Das Schreiben des Bürgermeisters gab nun für Metropolit Arsenios Kardamakis den Ausschlag, das erste Orthodoxe Kloster doch am ursprünglich geplanten Standort zuzusagen, der von Bischof Ägidius Zsifkovics und der Diözese Eisenstadt gestiftet wurde. 

Die Entscheidung wurde am Montag bekannt - Arsenios Kardamakis, der orthodoxe Metropolit von Austria und Exarch von Ungarn, schrieb in einem Brief an die Gemeinde, dass er vom "Willkommensgruß der Bevölkerung" an die orthodoxe Kirche "menschlich sehr bewegt" sei und bedankte sich "für diesen starken Ausdruck des Willkommenseins".

Bürgermeister sieht "großen Nutzen" für St. Andrä

St. Andräs Bürgermeister Andreas Sattler (ÖVP) zeigt sich über die Entscheidung des Metropoliten „persönlich sehr erfreut“, wie er gegenüber der BVZ erklärt: „Heute ist das Schreiben am Gemeindeamt eingelangt. Wir haben aktiv das Gespräch mit der orthodoxen Kirche gesucht. Projekte diesen Ausmaßes können für eine Gemeinde wie St. Andrä einen großen Nutzen haben, sowohl wirtschaftlich als auch touristisch. Es ist erstrebenswert, so ein Projekt in den Ort zu holen.“

Für die nun doch erfolgte positive Wende war laut Diözesansprecher Dominik Orieschnig ohne Zweifel das klare Bekenntnis des neuen Bürgermeisters  für das Klosterprojekt ausschlaggebend. 

Bischof ist "hocherfreut von der positiven Wende"

Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics zeigte sich in einer ersten Reaktion hocherfreut von der positiven Wende: "Ich freue mich sehr, dass dem Geist des Dialogs, der Begegnung und des geschwisterlichen Aufbaus einer Stätte des Friedens und Glaubens zum Durchbruch verholfen wurde. Ich freue mich sowohl für meine Mitbrüder von der orthodoxen Kirche als auch für die Menschen von St. Andrä, die einem einzigartigen und ungemein bedeutsamen Projekt für die Ökumene eine Heimat geben werden. Das ist ein großer Tag für die Ökumene, für das Händereichen der christlichen Konfessionen, für St. Andrä als ein Ort, der dank dieser Entscheidung nur als Gewinner in die Zukunft gehen kann, und für die Diözese Eisenstadt, die dadurch dem uns gegebenen Auftrag des heiligen Papstes Johannes Paul II. bei seinem Burgenlandbesuch 1988, im Herzen Europas stets eine christliche Brücke in den Osten zu sein, auf überaus konkrete Weise nachkommt.“

Für Metropolit Arsenios steht fest, dass das "Kloster ein sichtbares Zeichen des Glaubens in der Welt sein soll und auch eine Erinnerung an die Möglichkeit eines jeden Menschen, zu Gott umzukehren. Es soll den orthodoxen Christen Österreichs spirituelles Zentrum und Wallfahrtsort sein und damit ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs der ganzen Welt ein starkes Symbol für ein Europa des Glaubens, des Geistes, des Friedens und der Versöhnung".

Niessl befürwortet Gründung in St. Andrä

Er sei schon bisher ein Befürworter des Projekts gewesen, sagte Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) am Montag zum neuen Anlauf der Errichtung eines griechisch-orthodoxen Klosters in St. Andrä am Zicksee. Als Demokrat akzeptiere er die (im Juni abgehaltene, Anm.) Volksabstimmung "natürlich zu 100 Prozent", stellte Niessl in Eisenstadt vor Journalisten fest.

Gefragt, ob er mit neuerlichen Widerständen aus der Bevölkerung rechne, meinte der Landeshauptmann, die Demokratie sei so entwickelt, dass man Volksbefragungen ernst nehmen müsse: "Die Menschen haben sich festgelegt und damit ist der Weg vorgezeichnet."

Standortgegner: "Keine Freude" mit Entscheidung

Die Entscheidung stößt jedoch nicht nur auf Wohlwollen. Die Gegner des Standortes erklärten am Montag, "keine Freude" mit dem Entschluss zu haben. Sie wollen nun weitere rechtliche Möglichkeiten prüfen. Auch der Naturschutz soll eingebunden werden.

Die grundsätzliche Einstellung habe sich nicht geändert, erklärte Gerhard Mauersics von der Liste "Miteinander" (MIT), die seit der Gemeinderatswahl im Oktober mit zwei Mandataren im Gemeinderat vertreten ist. Er betonte erneut, dass man nicht gegen das Kloster, sondern gegen den Standort sei. Dieser sei "kein geeigneter Platz". Auf das Angebot an den Bürgermeister, einen anderen Standort zu finden, habe es keine Rückmeldung gegeben, bestätigte Mauersics einen Online-Bericht der Tageszeitung "Kurier".