Syriens Armee droht Konfrontation mit türk. Soldaten. Die syrische Regierung will der Kurdenmiliz YPG einem Medienbericht zufolge im Kampf gegen die Türkei rasch militärische Hilfe leisten. Regierungsnahe Milizen würden innerhalb weniger Stunden in der umkämpften Region Afrin eintreffen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Montag.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 19. Februar 2018 (18:37)
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Türkei griff im Jänner militärisch in Syrien ein

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu reagierte auf die Kooperation zwischen YPG und syrischer Armee mit der Drohung, türkische Soldaten würden auch gegen syrische Truppen vorgehen. Sollten sie kommen, um die YPG zu vertreiben, sei das kein Problem, sagte Cavusoglu in der jordanischen Hauptstadt Amman: "Wenn sie kommen, um die YPG zu verteidigen, dann kann niemand und nichts uns oder die türkischen Soldaten stoppen."

Die Türkei ist im Jänner in das Nachbarland einmarschiert, um die aus ihrer Sicht terroristische YPG zu bekämpfen und eine Sicherheitszone an der Grenze zu schaffen. Die auch von den USA unterstützte YPG hat sich an die Regierung von Präsident Bashar al-Assad mit der Bitte um Militärhilfe gewandt und am Sonntag bekanntgegeben, dass sie ihre Kräfte mit den Regierungstruppen bündeln wolle. Die syrische Armee werde Grenzposten in der Region Afrin stationieren, sagte der ranghohe Kurdenvertreter Badran Jia Kurd der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vereinbarung sei zunächst rein militärisch. Ein anderer Kurdenführer sagte, die Übereinkunft solle noch am Montag verkündet werden. Es könne aber sein, dass dies durch Druck von außen verhindert werde.

Das Verhältnis der syrischen Regierung zu den Kurden im Norden des Landes ist ambivalent. In dem Bürgerkrieg haben beide Seiten direkte militärische Zusammenstöße weitgehend vermieden und zeitweise gemeinsam gegen Extremistengruppen gekämpft. Unterschiedliche Vorstellungen haben sie über die Zukunft Syriens. Assad will das gesamte Land wieder unter seine Kontrolle bringen. Die Kurden beherrschen inzwischen aber große Gebiete im Norden des Landes und wollen diese nicht aufgeben.

Geeint sind sie aber im Widerstand gegen die Türkei. Diese betrachtet die YPG als terroristische Organisation mit Verbindungen zur Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die für Autonomie der Kurden in der Türkei kämpft. Die YPG wird auch von den USA unterstützt, die sie für den Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) ausrüsten. Bei der YPG und den mit ihr verbündeten Milizen sind auch US-Soldaten und -Berater tätig. Damit könnte es in Nordsyrien zu einer direkten Konfrontation zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA kommen.

Die YPG sieht ihre Bündnisse pragmatisch. "Wir können mit jeder Seite kooperieren, die uns eine helfende Hand reicht im Lichte der barbarischen Verbrechen und des internationalen Schweigens dazu", sagte Kurdenführer Jia Kurd angesichts der türkischen Invasion. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die syrische Armee kurdischen Kämpfern erlaubt, auf dem Weg nach Afrin von ihr kontrolliertes Gebiet zu durchqueren. Eine politische Annäherung an die syrische Regierung sieht die YPG in der militärischen Kooperation ausdrücklich nicht.

Indes kamen bei neuen Luftangriffen und Artilleriebeschuss auf das syrische Rebellengebiet Ost-Ghouta nahe der Hauptstadt Damaskus Aktivisten zufolge mindestens 44 Zivilisten ums Leben. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Montag zudem mindestens 250 Verletzte. Die zivilen Rettungshelfer der Weißhelme erklärten über Twitter, allein bei einem Luftangriff auf Wohngebiete in dem Ort Hamoryah (Hamuriyah) seien 20 Menschen getötet worden.

In der syrischen Provinz Idlib bekämpfen syrische Truppen mit Unterstützung der russischen Armee Rebellen unter Führung der extremistischen Nusra-Front, einem Ableger der Al-Kaida. Kriegsbeobachter berichten immer wieder über zahlreiche zivile Opfer in dem Kampf. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies am Montag Forderungen aus dem UNO-Sicherheitsrat zurück, die Offensive in Idlib einzustellen. Solche Forderungen würden lediglich dieser "terroristischen Struktur" helfen, wurde Lawrow von der Nachrichtenagentur RIA zitiert. Westliche Staaten sollten ihre Einflussmöglichkeiten nutzen, um deren Mitglieder zu disziplinieren. Andernfalls werde die Gruppe vernichtet.