Türkei beschoss erneut syrisches Kurden-Gebiet Afrin. Nach der Entsendung syrischer Regierungstruppen in die Kurden-Region Afrin hat die türkische Armee ihre Angriffe auf das Gebiet fortgesetzt, um die Kurdenmiliz YPG zu schwächen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 21. Februar 2018 (13:43)
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Türkei forciert ihre Angriffe in Afrin

Syriens Regierungstruppen wiederum setzten ihre massiven Angriffe auf das Rebellengebiet Ost-Ghouta fort. Aktivisten zufolge wurden mindestens zehn Zivilisten getötet. 

Bei Artilleriebeschuss der Stadt Afrin seien in der Nacht auf Mittwoch sechs Menschen verletzt worden, darunter vier Kinder, meldeten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die kurdische Nachrichtenseite Hawar News. Nach Angaben der Menschenrechtsaktivisten flogen türkische Jets in der Früh zudem Luftangriffe.

Ein syrischer Diplomat bezeichnete den Militäreinsatz der Türkei in der Region Afrin als Aggression und drohte Gegenmaßnahmen. "Das ist ein Angriff auf die Souveränität Syriens", sagte der Botschafter in Russland, Riad Haddad, der Agentur Interfax am Mittwoch. Seine Regierung werde mit allen Mitteln dagegen vorgehen.

Die türkische Armee hatte vor rund einem Monat eine Offensive auf Afrin begonnen. Das Gebiet im Norden Syriens wird von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Die Türkei sieht in der YPG den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Am Dienstag rückten syrische Regierungstruppen in das Gebiet ein, die die Kurden im Kampf gegen die Türkei unterstützen sollen. Die YPG und Syriens Regierung sind beide Gegner der Türkei. Allerdings haben sie im syrischen Bürgerkrieg ein zwiespältiges Verhältnis zueinander. Während sie wie nun in Afrin teilweise miteinander kooperieren, kam es anderenorts zu Zusammenstößen.

Neben der Entsendung von Truppen nach Afrin setzt die syrische Regierung ihre massiven Angriffe auf das Rebellengebiet Ost-Ghouta fort. Neben mindestens zehn toten Zivilisten forderten die Angriffe laut der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte auch noch rund 200 Verletzte. Ost-Ghouta sei aus der Luft und mit Artillerie beschossen worden. Dabei seien aus Hubschraubern auch Fassbomben abgeworfen worden, die wegen ihrer verheerenden Sprengkraft und Splitterwirkung von der UNO geächtet sind.

Vermutlich hätten auch russische Flugzeuge Angriffe geflogen, meldete die oppositionsnahe Stelle weiter. Bereits in den vergangenen drei Tagen waren demnach bei heftigen Angriffen auf Ost-Ghouta mehr als 250 Zivilisten getötet und rund 1.200 verletzt worden. Es war eine der schwersten Angriffswellen auf das Gebiet seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. "Wir warten nur darauf, bis wir an der Reihe sind zu sterben", sagte ein Einwohner.

Die Kampfhandlungen und schwere Bombardierungen zwingen die Hilfsorganisation Care dazu, Hilfslieferungen für Tausende von Menschen im belagerten Ost-Ghouta einzustellen. "Wenn jetzt kein Waffenstillstand erreicht wird, stehen wir vor einer humanitären Katastrophe. Die Lage in Ost-Ghouta ist so kritisch wie noch nie zuvor", sage Marten Mylius, Care-Nothilfekoordinator für den Nahen Osten.

Die SOS-Kinderdörfer melden, dass auch Mitarbeiter der Hilfsorganisation an Ort und Stelle unter Beschuss geraten waren. "So schlimm wie jetzt war es noch nie! Es ist derzeit viel zu riskant, unsere Arbeit zu verrichten, alle sind angewiesen, sich in den Kellern zu verbarrikadieren", berichtete eine Helferin, die nur knapp eine Bombenexplosion überlebte, laut Aussendung. Die SOS-Kinderdörfer betreiben in unmittelbarer Nähe der umkämpften Gebiete ein Nothilfezentrum.

Ost-Ghouta ist die letzte Oppositionsbastion nahe der Hauptstadt Damaskus und wird seit Monaten von syrischen Regierungstruppen belagert. Rund 400.000 Menschen sind fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Die syrische Regierung will die Kontrolle über das Gebiet zurückerlangen.

Care und SOS-Kinderdörfer forderten eine sofortige Waffenruhe, hieß es weiter. Gleichzeitig bekräftigte Care den Aufruf der Vereinten Nationen zu einer 30-tägigen Aufhebung der Belagerung, damit humanitäre Organisationen Hunderttausende Menschen mit lebensrettender Hilfe erreichen können.