Weiter heftige Kämpfe zwischen Israel & Palästinensern. Die Gewalt-Eskalation im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern findet kein Ende. Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser im Gazastreifen auf den Großraum Tel Aviv wurde am Samstag mindestens ein Mensch getötet. Eine Rakete schlug nahe der österreichischen Botschaft im Tel Aviver Vorort Ramat Gan ein, das Botschaftspersonal blieb jedoch unverletzt. Die israelische Armee griff unterdessen beim Beschuss des Gazastreifens ein Gebäude internationaler Medien an.

Von APA / NÖN.at. Update am 15. Mai 2021 (17:14)
Israels Armee greift Islamisten in Gaza an
APA/Reuters/dpa

Insgesamt schlugen nach Angaben der israelischen Polizei zwei Raketen in Ramat Gan ein. Ein 50 Jahre alter Mann wurde dabei nach Angaben von Sanitätern tödlich verletzt. In der Küstenmetropole Tel Aviv - Israels Wirtschaftszentrum - wurde am Samstag drei Mal kurz hintereinander Raketenalarm ausgelöst. Es waren in Tel Aviv immer wieder heulende Warnsirenen und Explosionen zu hören. Es war die achte Angriffswelle auf den Großraum Tel Aviv seit Dienstagabend. Auch in der Wüstenstadt Beersheba im Süden Israels sowie in Grenzorten zum Gazastreifen heulten in der Früh die Warnsirenen, wie das israelische Militär mitteilte.

Die israelische Armee griff unterdessen beim Beschuss des Gazastreifens am Samstag auch ein Gebäude internationaler Medien an. In dem Gebäude haben unter anderen der katarische Fernsehsender Al-Jazeera und die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) ihre Büros, wie Korrespondenten anderer Nachrichtenagenturen berichteten. Laut Reuters stürzte das Hochhaus unter dem Beschuss israelischer Raketen ein. Nach Angaben eines AP-Journalisten wurde der Eigentümer des Hochhauses von der israelischen Armee im Vorfeld "gewarnt". Es wurde deshalb nach Angaben von Augenzeugen bereits zuvor evakuiert.

Die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa teilte am Samstag mit, im Flüchtlingslager Shati im Westen von Gaza sei ein Haus getroffen worden. Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums zufolge seien dabei zehn Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet worden, darunter acht Kinder. Ein fünf Monate alter Bub überlebte den Angriff demnach.

Auch in Beit Lahia im Norden des Küstenstreifens sowie an anderen Orten wurden laut Wafa Zivilisten getötet. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe die Berichte. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden seit der Eskalation der Gewalt am Montag 140 Palästinenser im Gazastreifen getötet.

In der israelischen Stadt Beersheba wurde nach Polizeiangaben ein Haus durch Raketensplitter getroffen. Es gebe Sachschaden, aber keine Verletzten, hieß es. Auch die israelischen Küstenstädte Ashkelon und Ashdod wurden erneut angegriffen. Wie Israels Armee mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage acht Menschen ums Leben.

Der Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas war zu Wochenbeginn eskaliert. Militante Palästinenser beschießen Israel fortwährend mit Raketen - nach Angaben der israelischen Armee waren es zuletzt bereits 2.300. Israel reagiert mit massiven Angriffen in dem Küstengebiet.

Die USA bemühen sich unterdessen intensiv um Deeskalation im Gaza-Konflikt. Wie die US-Botschaft in Israel am Freitagabend mitteilte, landete der Spitzendiplomat Hady Amr auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. US-Außenminister Antony Blinken hatte ihn gebeten, sich mit Vertretern beider Seiten zu treffen.

Im dicht besiedelten Gazastreifen leben etwa zwei Millionen Menschen. Die Humanitäre Koordinatorin für die Palästinensergebiete, Lynn Hastings, erklärte, die Vereinten Nationen schätzten, dass wegen der andauernden Feindseligkeiten bereits rund 10.000 Palästinenser ihre Häuser im Gazastreifen hätten verlassen müssen.

Israel und Ägypten halten den Gazastreifen unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Die islamistische Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Sie hat die Zerstörung Israels zu ihrem Ziel erklärt.

Am Samstag ist Tag der Nakba (Katastrophe). Die Palästinenser gedenken dann der Vertreibung und Flucht Hunderttausender Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Es könnte zu neuer Gewalt kommen. In diesem Jahr fällt der Tag zusammen mit dem dritten Tag des Eid-al-Fitr-Festes, des sogenannten Zuckerfestes zum Ende des Ramadans.

Für Besorgnis in Israel sorgten zusätzlich zwei Vorfälle im Norden. Zwei Demonstranten aus dem Libanon kamen bei Zusammenstößen an der Grenze zu Israel ums Leben, einer von ihnen durch Panzerfeuer. Ein 21-Jähriger sei getroffen worden, nachdem er mit Dutzenden anderen am Freitag über den Grenzzaun auf israelisches Gebiet gelangt sei, berichtete die staatliche libanesische Agentur NNA. Laut Augenzeugen wurde er am Bauch getroffen und starb später im Krankenhaus. Ein zweiter Demonstrant wurde den Angaben nach angeschossen und erlag später seinen Verletzungen, wie Sicherheitskreise bestätigten. Die der mit Israel verfeindeten Hisbollah bestreitet dessen Tod jedoch.

Die israelische Armee teilte am Samstag mit, eine erste Untersuchung des Vorfalls habe ergeben, dass die Randalierer verdächtige Gegenstände zurückließen. Möglicherweise handle es sich dabei um Sprengkörper. Das Militär geht davon aus, dass die Libanesen einen Terroranschlag im Dorf Metula im Norden Israels verüben wollten. Zunächst hatte die Armee mitgeteilt, die Demonstranten hätten ihre Solidarität mit den Menschen in Gaza und Jerusalem gezeigt und palästinensische Flaggen mit Blick auf Metula geschwenkt. Das Militär bestätigte, auf die Beine der Verdächtigen geschossen zu haben.

Die UN-Friedensmission Unifil teilte mit, im Kontakt mit der israelischen und libanesischen Armee zu stehen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.