Erstellt am 20. Januar 2017, 06:00

von APA Red

Donald Trump legt in Washington den Amtseid ab. Der Tag ist gekommen: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

"Trump-Day" in Washington  |  APA/dpa

 Hunderttausende werden sich schon in der Früh in der Hauptstadt Washington einfinden, um seinem Ablegen des Amtseides um kurz vor 12.00 Uhr mittags (18.00 MEZ) beizuwohnen. Ebenfalls Hunderttausende Menschen wollen dagegen demonstrieren.

Trump kündigte am Vorabend an, als Präsident die vielfältig gespaltenen USA zusammenbringen zu wollen. "Wir werden Amerika für alle Amerikaner groß machen, für jedermann", sagte der 70-jährige Immobilienmilliardär am Donnerstagabend (Ortszeit) zum Abschluss eines Konzerts vor dem Lincoln-Memorial.

Es habe eine Bewegung angefangen, wie es sie auf der Welt noch nicht gegeben habe, sagte Trump vor Tausenden begeisterten Anhängern. Man wolle nun echten Wandel im Land. "Diese Reise hat vor 18 Monaten begonnen", erklärte der Republikaner. "Ich bin nur der Botschafter. Ich liebe Euch."

Auch am Vorabend der Amtsübernahme nahm Trump stark Bezug auf die Ankündigungen aus seinem Wahlkampf. Er wiederholte Slogans zu Arbeitsplätzen, der Mauer nach Mexiko, zu den Themen Handel und Militär. "Ich verspreche, dass ich hart arbeiten werde", sagte er.

Am Nachmittag hatte Trump einen Kranz auf dem Soldatenfriedhof in Arlington niedergelegt. Vizepräsident Mike Pence war an seiner Seite. Begleitet wurde Trump auch von seiner Familie. Nach einem Empfang verbrachte Trump die Nacht im Blair House, dem offiziellen Gästehaus des US-Präsidenten gegenüber dem Weißen Haus.

Trump beginnt den offiziellen Teil des Tages am Freitag mit einem Gottesdienst, danach empfangen Barack und Michelle Obama das Ehepaar Trump im Weißen Haus. Am Kapitol beginnen währenddessen die Feierlichkeiten, zu denen insgesamt zwischen 700.000 und 900.000 Menschen erwartet werden.

Trump wird den Amtseid vor dem Obersten Verfassungsrichter der USA ablegen, John Roberts. Er wird auf zwei Bibeln schwören: auf seine eigene und - wie Obama - auf die des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln. Eine Parade führt Trump dann vom Kapitol zum Weißen Haus. Der offizielle Teil des Tages endet für den neuen Präsidenten mit dem Besuch dreier Bälle.

Nachdem Trump mit seiner Familie am Donnerstag bei dem Konzert eingetroffen war, sang er bei einem patriotischen Lied lautstark und fröhlich mit. In der Menge vor dem Memorial gab es viele begeisterte Anhänger, die von weither angereist waren. "Wie so viele hier bin ich stolz, Amerikaner zu sein und das Land wieder groß zu machen", rief ein Trump-Fan.

Der Schauspieler Jon Voight hatte zuvor in einer kurzen Ansprache vor dem Lincoln-Memorial mit schweren Anschuldigungen an Trump-Gegner irritiert. Ihnen und den Medien warf er ein Sperrfeuer der Propaganda vor - aber Gott habe alle Gebete der Trump-Anhänger erhört.

Es gab aber auch bereits am Donnerstag Proteste gegen Trump. In New York demonstrierten Tausende Menschen gemeinsam mit Stars wie Alec Baldwin und Robert De Niro. "Trump ist ein schlechtes Beispiel für dieses Land, für diese Stadt", sagte Schauspieler De Niro von einer Bühne zu den Demonstranten. Auch die Schauspieler Mark Ruffalo und Julianne Moore, der Regisseur Michael Moore und der Bürgermeister der Millionenmetropole, Bill de Blasio, waren unter den Demonstranten.

Auch in der schwer gesicherten Hauptstadt Washington sind für Freitag mehrere Demonstrationen geplant, unter anderem zur Gleichheit von Schwarzen und Weißen und zu den Rechten von Homosexuellen. Den Höhepunkt der Proteste wird es aber am Samstag geben. Dann werden zu einer Demonstration 200.000 Menschen erwartet.

Der Immobilienunternehmer Trump war im Sommer 2015 in den Wahlkampf eingestiegen. Als Lachnummer gestartet, dominierte er trotz Dauerkritik Debatten und Vorwahlen und wurde schließlich im Sommer 2016 Kandidat. Gegen alle Erwartungen setzte Trump sich bei der Wahl am 8. November gegen die Demokratin Hillary Clinton durch.

Trump hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Seine Anhänger versprechen sich von ihm neue Jobs, eine Rückbesinnung auf Amerika und eine radikale Abkehr von der Agenda Barack Obamas. Gegner und Kritiker fürchten Trumps Naturell, Haltung und Einstellungen.