Landeshauptmann Wallner in mehrwöchigem Krankenstand

Aktualisiert am 22. Juni 2022 | 16:13
Lesezeit: 5 Min
Wallner muss pausieren
Wallner muss pausieren
Foto: APA/DIETMAR STIPLOVSEK
Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) tritt ab sofort einen mehrwöchigen Krankenstand an. Dies geschehe auf dringenden ärztlichen Rat, hieß es am Mittwochvormittag in einer Aussendung der Landespressestelle. Die Belastungen der vergangenen Monate hätten zu körperlichen Beschwerden Wallners geführt. Ein Rücktritt stehe nicht im Raum, hieß es aus dem Büro des Landeshauptmannes auf APA-Anfrage.
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Mediale Spekulationen in diese Richtung seien falsch, so Wallners Sprecher Simon Kampl. Ziel des Krankenstandes sei es, dass Wallner danach "in alter Stärke und Frische" wieder zurückkehren könne, bestätigte auch Florian Themeßl-Huber, Leiter der Landespressestelle. Das Regierungsprogramm werde inzwischen planmäßig fortgeführt.

Die Aufgaben des Landeshauptmannes werden während seines Krankenstandes ordnungsgemäß von der Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink übernommen. Dazu gehört auch der Vorsitz in der Landeshauptleutekonferenz, den Vorarlberg noch bis Ende Juni innehat. Als ÖVP-Landesparteichef wird Wallner bis zu seiner Rückkehr von Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher vertreten.

Schöbi-Fink kündigte an, dass die Regierungsarbeit ohne Unterbrechung weitergehen werde. Die Koalitionsregierung sei ein gut eingespieltes Team und voll geschäftsfähig. Dass die Statthalterin den Landeshauptmann nötigenfalls vertritt, ist in der Geschäftseinteilung der Vorarlberger Landesregierung klar geregelt. Die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, das Amt der Landeshauptfrau auf längere Sicht auszuüben, stellt sich für Schöbi-Fink nicht: Wallner sei im Krankenstand, werde gesund werden und wiederkommen. Etwas anderes stehe nicht zur Diskussion.

Die 61-jährige Oberländerin Schöbi-Fink war von 2000 bis 2015 Stadträtin unter anderem für Bildung und Soziales in ihrer Geburtsstadt Feldkirch, ab 2015 war sie dort Vizebürgermeisterin. 2018 wurde sie Bildungslandesrätin, nach der Landtagswahl 2019 auch Landesstatthalterin als erste Frau in Vorarlberg überhaupt. Zuvor war die Doktorin der Germanistik Lehrerin in Rankweil und Journalistin beim ORF, auch als Moderatorin der Nachrichtensendung "Vorarlberg heute". Schöbi-Fink ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Auf der Facebook-Seite Wallners war am Mittwochmittag eine längere Stellungnahme zu lesen, in der es neben den bereits in der Aussendung der Landespressestelle bekanntgegebenen Informationen hieß: "Ich werde danach mit voller Kraft ins Amt zurückkommen und auch weiterhin für Vorarlberg Verantwortung tragen. Danke für Euer Verständnis und die bereits zahlreich eingetroffenen Genesungswünsche!"

Auch ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner ging von einer Rückkehr Wallners aus: "Ein Krankenstand beinhaltet, dass man danach zurückkehrt, wenn man sich erholt hat." An Wallners Situation werde ersichtlich, dass die "mediale Vorverurteilung" gesundheitliche Folgen hinterlasse. "Das geht nicht spurlos vorüber", so Sachslehner. Traurig sei, dass dies mittlerweile zum politischen Alltagsgeschäft gehöre.

Die vergangenen Monate seien von ungewöhnlichen Anstrengungen geprägt gewesen, hieß es in der Aussendung des Landes - einerseits die langwierige Krisenbewältigung, andererseits auch die Vorwürfe rund um die Causa Wirtschaftsbund, die Wallner stets dezidiert zurückwies.

Der grüne Regierungspartner zeigte sich betroffen von Wallners Erkrankung und schickte in einer Aussendung Genesungswünsche: "Wir wünschen dem Landeshauptmann alles, alles Gute und eine rasche Genesung. Insbesondere wünschen wir auch der Familie und den Angehörigen viel Kraft für die schwierige Zeit", so die grüne Doppelspitze Daniel Zadra und Eva Hammerer. Wallner müsse sich jetzt "zu 100 Prozent auf seine Genesung und Gesundheit konzentrieren können. Wir tun alles, um dazu einen Beitrag zu leisten." Sie seien überzeugt, dass die Abläufe in der Landesregierung weiter reibungslos funktionieren würden.

Auch Bundeskanzler Karl Nehammer sandte seinem Parteikollegen die besten Wünsche: "Die Belastungen in der Spitzenpolitik sind oftmals unglaublich hoch und für die Gesundheit eine schwere Belastung. Ich wünsche Markus Wallner beste und vollständige Genesung und dass er sich die Zeit nimmt, die er braucht, um wieder zu Kräften zu kommen und seine Arbeit als Landeshauptmann für das Land Vorarlberg wieder aufzunehmen. Die Gesundheit steht über allem, auch in der Politik."

Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wünschte Wallner ebenfalls "eine möglichst rasche und vollständige Genesung, damit er kraftvoll in die politische Arbeit für seine Heimat zurückkehren kann". Sie nahm Wallners Erkrankung zum Anlass, "um an alle zu appellieren, wieder respektvoller miteinander umzugehen".

Auch FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi wünschte dem Landeshauptmann gesundheitlich alles Gute, sah allerdings den Krankenstand Wallners als "ersten Schritt zur Seite". Die "Handlungsunfähigkeit der Landesregierung" erreiche damit eine neue Dimension, "unser Land ist in Wahrheit führungslos", so Bitschi. Es gelte nun, mit vereinten Kräften fürs Land zu arbeiten, "wir werden hier unseren Beitrag sehr verantwortungsbewusst leisten." FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl teilte mit, er wünsche Wallner persönlich für seine Gesundheit alles Gute, sieht aber ebenfalls einen Rückzug Wallners auf Raten.

NEOS-Klubobfrau Sabine Scheffknecht wünschte Wallner "von Herzen gute Besserung" Es sei wichtig, zwischen dem Menschen und dem politischen System zu unterscheiden: "Das System ÖVP krankt. Dieses System gehört geändert. Trotzdem ist es schlimm, wenn Menschen - speziell auch gesundheitlich - darunter leiden."