"Hunderttausende Anmeldungen" für Eintrittstests. Der Montag bringt quasi das Comeback der Eintrittstestungen. Nach der Bekanntgabe, dass für dann wieder mögliche Friseurbesuche und die Inanspruchnahme körpernaher Dienstleister ein maximal 48 Stunden alter negativer Corona-Test nötig ist, habe es "Hunderttausende zusätzliche Anmeldungen bei den Teststraßen in Österreich gegeben", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Rande einer Pressekonferenz am Donnerstag. Das sei genau das, "was wir grundsätzlich wollen".

Von APA . Erstellt am 04. Februar 2021 (15:45)
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne)
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Damit erreiche man "eine hohe Sicherheit" in jenen Bereichen, in denen es zu einem engeren Kontakt komme. An den bisherigen Massentests hätten eher solche Personen teilgenommen, die sich ohnehin an Maßnahmen halten und vorsichtiger sind. Mit den Zugangstestungen komme man nun "in die Breite", und das sei "ja das Ziel", konstatierte Anschober.

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) und der Seniorenbund machten in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass das Vorlegen eines negativen Corona-Tests für einen Friseur- oder Fußpfleger-Besuch viele ältere Menschen zum Verzweifeln brächte. Dieses Prozedere sei "besonders für Seniorinnen und Senioren eine große Herausforderung", meinte Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec. Sie regte in einer Aussendung Corona-Selbsttests direkt bei den Dienstleistern an: "Die Eintrittstests vor Ort sind in den Schulen zugelassen, wieso sollte das bei Dienstleistern nicht auch funktionieren?"

"Um zu einem Test zu kommen, müssen in vielen Landesteilen Österreichs enorme Strecken zurückgelegt werden", gab PVÖ-Generalsekretär Andreas Wohlmuth in einer Presseaussendung zu bedenken. Wohlmuth belegte das mit konkreten Beispielen. Vom Ort Unterlaussa (Bezirk Steyr-Land/OÖ) müssten die Menschen rund 70 Kilometer nach Steyr, 66 Kilometer nach Garsten oder rund 44 Kilometer nach Waidhofen an der Ybbs zum Testen fahren. Öffentliche Verkehrsverbindungen gebe es keine, so dass Betroffene ohne fahrbaren Untersatz kaum an einen Corona-Test kämen. Vom Ort Karlstift (Bezirk Gmünd/NÖ) dauere die Busfahrt zur Teststraße nach Weitra 30 Minuten, nach Gmünd 45 Minuten.

"Dazu kommt, dass die Teststraßen nicht täglich geöffnet haben. Auch eventuelle Wartezeiten in der Schlange bei den Teststraßen sind einzukalkulieren", meinte Wohlmuth. Das sei für die ältere Generation nicht zumutbar: "Für einen 15-minütigen Herrenhaarschnitt beim Friseur im Ort muss man eine Fahrt kreuz und quer durchs Land für ein Testergebnis in Kauf nehmen. Diese undurchdachte Vorgehensweise beweist, wie realitätsfern die Bundesregierung agiert." Der PVÖ forderte daher, entweder kostenlose Tests auch in allen Apotheken, bei allen niedergelassenen Ärzten und dezentralen Labor-Instituten anzubieten oder "Gratis-Wohnzimmer-Test" für ältere Menschen anzubieten und diese als "Eintrittstickets" für körpernahe Dienstleister anzuerkennen.

Seniorenbund-Präsidentin Korosec bezeichnete die kostenpflichtige Testung in der Apotheke als "ungerecht". Die Tests würden zwischen 20 und 40 Euro kosten, die Fahrtspesen eingerechnet könnten sich das viele Senioren nicht leisten.