Rekordtief bei tödlichen Verkehrsunfällen im Jahr 2020

In den vergangenen sechs Jahrzehnten ist die Zahl der Unfälle mit Personenschaden auf Österreichs Straßen deutlich gesunken, belegt eine 60 Jahre umfassenden Analyse der Statistik Austria, die am Freitag vorgestellt wurde.

Erstellt am 19. November 2021 | 12:51
Statistiker analysierten Unglücke mit Personenschäden aus 60 Jahren
Statistiker analysierten Unglücke mit Personenschäden aus 60 Jahren
Foto: APA

Sind im Rekordjahr 1972 noch fast 3.000 Menschen tödlich verunglückt, waren es im Jahr 2020 nur noch 344 und damit erstmals weniger als eine Person am Tag. Auch die Zahl der Verunglückten ging stark zurück: 205 pro Tag waren es 1972, 104 pro Tag 2020.

Insgesamt verunglückten seit 1961 rund 3,5 Millionen Menschen in Österreich im Straßenverkehr, mehr als 85.000 Menschen starben dabei. 33 Prozent der Verstorbenen waren im Jahr 1961 noch Fußgängerinnen und Fußgänger, 30 Prozent waren mit einem einspurigen Kraftrad und nur 23 Prozent mit einem Pkw unterwegs. Im Jahr 2020 ergibt sich ein anderes Bild: 15 Prozent der Verkehrstoten waren Fußgänger, 23 Prozent Menschen auf einspurigen Krafträdern und 42 Prozent Pkw-Insassen. Stark gesunken ist die Zahl der getöteten Kinder bis 14 Jahre. 240 waren es 1968, im vergangenen Jahr erreichte man einen Tiefstand von zwei Kindern, die im Straßenverkehr ums Leben kamen - eine Reduktion um 99 Prozent.

Dem Rückgang an Verkehrsunfällen mit Personenschaden steht ein kontinuierliches Mehr an Kraftfahrzeugen gegenüber. 7,1 Millionen gab es 2020 in Österreich, verglichen mit 2,5 Millionen 1972. Besonders stark stieg die Anzahl der Pkw von rund 500.000 im Jahr 1961 auf mehr als fünf Millionen im Jahr 2020. Dafür, dass die Unfälle mit Personenschaden dennoch zurückgingen, macht die Statistik Austria "Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen, Gurten- und Sturzhelmpflicht, Kindersicherung und die Senkung des Alkohollimits, aber auch Verbesserungen bei der Verkehrs- und Fahrzeugtechnik, der Notfallmedizin und Lenkerausbildung sowie das Beseitigen von Unfallhäufungsstellen" ebenso wie eine verstärkte Überwachung verantwortlich.

Bis Donnerstag (18. November) starben laut ÖAMTC heuer 314 Menschen bei Verkehrsunfällen. Davon waren fünf Prozent im Lkw, zehn Prozent zu Fuß, 14 Prozent auf dem Fahrrad, 27 Prozent auf einem motorisierten Zweirad und 40 Prozent im Pkw unterwegs. Die tödlichen Verkehrsunfälle sind damit seit 2011 um 34 Prozent zurückgegangen. Der Automobilclub sieht allerdings Handlungsbedarf bei den Radfahrern: Um zehn Prozent stieg die Zahl der getöteten Radler seit 2011, mehr als die Hälfte von ihnen fuhr heuer auf einem E-Bike.

Sicherheitssysteme, die etwa Airbags und ABS umfassen, stehen Radfahrern nicht zur Verfügung, hieß es in einer Aussendung des ÖAMTC. "Aufgrund der Pandemie hat sich der Trend verstärkt, mehr Wege mit dem Rad zurückzulegen. Daher ist es wichtig, weiterhin sichere Radinfrastruktur zu errichten, mehr Bewusstsein für das Tragen eines Helmes zu schaffen und die Handhabung eines E-Bikes zu trainieren", sagte ÖAMTC-Verkehrsexperte Felix Etl. Radfahrer und Fußgänger - die schwächsten Gruppen im Straßenverkehr - müssten geschützt werden.