Pinturault schrieb mit PAR-Sieg Skigeschichte. Alexis Pinturault hat den Weltcup-Parallelbewerb der Herren in Lech/Zürs gewonnen und damit Skigeschichte geschrieben. Im Flutlicht-Finale setzte sich der Franzose am Freitagabend gegen den Norweger Henrik Kristoffersen durch und feierte seinen 30. Weltcupsieg. Pinturault ist damit auch der erste Skirennfahrer, der in gleich sechs unterschiedlichen Disziplinen gewonnen hat, sofern man City-Events als eigene Bewerbe zählt. Bester Österreicher wurde Adrian Pertl als Vierter.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 27. November 2020 (20:18)
Pinturault feierte 30. Weltcupsieg
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Der für die WM-Saison neu gestaltete Parallel-Bewerb war das erst zweite Saisonrennen der Alpinski-Herren in diesem Winter nach dem Riesentorlauf-Auftakt in Sölden im Oktober. Drei Österreicher hatten sich in Vorarlberg für das abendliche 16er-K.o.-Finale qualifiziert, in dem Pertl am weitesten kam. Vorarlbergs Lokalmatador Christian Hirschbühl wurde Achter, Dominik Raschner belegte Platz neun. Weiter geht es für die Herren am 5. und 6. Dezember mit zwei von Val d'Isere nach Santa Caterina verlegten Riesentorläufen.

Das neue Format mit nur noch 16 Läufern in der K.o.-Runde und Torabständen zwischen 16 und 20 Metern bei Verwendung von Riesentorlauf-Ausrüstung (außer Rennanzug) soll auch im Februar bei der WM zur Anwendung kommen. Zu den in der Vormittags-Qualifikation Ausgeschiedenen zählten auch die beiden ÖSV-Speed-Asse Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr, die es im Gegensatz zu Fabio Gstrein (19.), Roland Leitinger (20.) und Michael Matt (30.) nicht in die Top-30 und damit Punkteränge schafften. Aus internationaler Sicht überraschte, dass auch Sölden-Sieger Lucas Braathen als 18. am Abend nicht mehr dabei war.

Dafür drei Österreicher, davon als starker Quali-Vierter und ÖSV-Bester der 24-jährige Kärntner Pertl. Beim wegen Corona ohne Publikum stattfindenden Showdown unter Flutlicht musste sich zunächst nur Raschner gleich in Runde eins gegen Pinturault geschlagen geben, während Pertl gegen den Norweger Atle Lie McGrath und Hirschbühl gegen Aleksander Aamodt Kilde weiterkamen. Der nach Lauf eins gegen Kilde zurückliegende Hirschbühl trieb dabei den nach Sölden an Covid19 erkrankten Norweger im Retourlauf in einen Fahrfehler und warf damit den Weltcup-Gesamtsieger doch noch aus dem Bewerb.

Im Viertelfinale zog der Vorarlberger Lokalmatador allerdings gegen den Deutschen Alexander Schmid den Kürzeren und war damit aus dem Rennen um den Sieg. Nach Niederlagen gegen Semyel Bissig (SUI) und den Quali-Schnellsten Stefan Luitz aus Deutschland belegt er letztlich Platz acht.

Weiter kam hingegen Pertl. Der 24-jähriger Kärntner setzte sich in einem "toten Rennen" gegen den Schweizer Gino Caviezel allerdings nur dank besserer Laufzeit durch und unterlag dann im Halbfinale Kristoffersen. Im Kampf um Platz drei verlor Pertl gegen Schmid mit +0,25 Sekunden und verpasste damit seinen zweiten Weltcup-Podestplatz nach Rang cfdi im Februar-Slalom von Chamonix.

"Ich bin trotzdem sehr zufrieden, es ist richtig gut gegangen", freute sich Pertl im ORF-Fernsehen. "Es ist zwar schade, wenn man die Chance auf das große Finale und einen Platz auf dem Podium hat. Aber Alexis ist einer der Stärksten. Es ist keine Schande, gegen so einen zu verlieren."

In der Entscheidung kam es in der Zürser Flexenarena - einen Tag nach dem Sieg von Petra Vlhova im Damenbewerb - zum Giganten-Duell zwischen Pinturault und Kristoffersen, in dem der Franzose auf dem blauen Kurs zunächst einen Vorsprung von 0,16 Sekunden herausfuhr. In der Rückrunde ließ der 29-Jährige dann nichts mehr anbrennen. "Es war ein gutes Rennen von mir und ich habe gutes Skifahren gezeigt", sagte Pinturault, der nun in den Disziplinen Slalom, Riesentorlauf, Super-G, Alpine Kombination, City Event und Parallel (PAR) gewonnen hat.

Ein "Rekord", den der nun im Gesamtweltcup führende Franzose selbst ein wenig relativierte. "Ich hatte etwas Glück mit diesen sechs Disziplinen. Für mich sind City Events und Parallel das Gleiche", erklärte Pinturault. Er sei aber sowieso nicht wegen der Zahlen hier. "Sondern um zu attackieren und Spaß zu haben."

Lob gab es für das neue Parallelformat von beiden Finalisten. "Dieses jetzt ist schon viel besser als das vorher. Die Leistung zählt nun mehr als Glück", befand Pinturault. "Das ist ein guter Schritt in Richtung Zukunft." Ähnlich sah es Kristoffersen, der sich freilich weiterhin mehr sportliche Challenge statt Show wünscht, was auf den engen Parallel-Hängen aber wohl schwer möglich ist. Der Norweger deutete an, deshalb bei der WM auf einen Parallel-Start zu verzichten."Aber Chapeau für Lech, gut gemacht", lobte auch er.