Standortsuche für Sternenpark im Burgenland. Eine dicke Wolkendecke ist oft nicht das einzige Hindernis, im städtischen Gebiet ist es aufgrund der grellen Straßen- und Gebäudebeleuchung schier unmöglich, Sternschnuppen zu beobachten. Die Lichtverschmutzung ist gewaltig, selbst im Burgenland, aufgrund naher Großstädte. Je weiter südlich aber, desto dunkler - und dort wird auch die Einrichtung eines "Dark Sky Parks" überlegt.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 12. September 2021 (06:00)
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sripfoto, Shutterstcok.com

Der oberösterreichische Naturpark Attersee-Traunsee hat als erste österreichische Region die offizielle Anerkennung als Sternenpark errungen. Im Burgenland erwägt man ähnliches. "Was die Lichtverschmutzung betrifft, muss sich das Gebiet eignen. Da sind wir auf das Mittel- und Südburgenland beschränkt", erklärte Thomas Böhm von der ARGE Naturparke Burgenland.

Konkretes Interesse angemeldet haben die beiden Naturparke Raab-Örség-Goricko und Geschriebenstein-Írottkõ. Zum einen gelte es, bewusstseinsbildende Maßnahmen zu setzen, zum anderen um touristische Angebote, so Böhm. Mit den Gemeinden und Sehenswürdigkeiten in dem Gebiet soll über die Beleuchtungssituation und Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen werden. "Wir werden schauen, was wir im Herbst in die Gänge bringen können", meinte Böhm.

Als erster Schritt sollen in den beiden Regionen Lichtmessungen durchgeführt werden. Und hier kommt Stefan Wallner ins Spiel. "Das allerschlimmste sind Werbemaßnahmen, weil das in alle Richtungen strahlt", stellte der an der Universität Wien tätige Astrophysiker aus Eisenstadt fest. Selbst zwar keine großen urbanen Stätten, ist das Burgenland was die Lichtverschmutzung betrifft dennoch in einer schwierigen Situation.

Nordburgenland durch ungarisches Projekt am See "chancenlos"

Im Nordburgenland wäre der Nationalpark Neusiedler See prädestiniert gewesen für einen "Dark Sky Park", Wallner verweist jedoch auf das auf ungarischer Seite geplante touristische Megaprojekt: "Mit der Hafenstadt in Ungarn wird sich das erledigt haben." Das Nordburgenland ist mit der Nähe zu Wien, Bratislava und Sopron ohnehin schon gut ausgeleuchtet, die Zentren Neusiedl am See und Parndorf mit den großen Shoppingzentren tragen das übrige bei.

Für die Lichtverschmutzung sorgen in allen Städten die öffentliche Beleuchtung wie Straßenlaternen, Werbe- und Gebäudebeleuchtung sowie die Privaten. Ein Positivbeispiel im Burgenland ist laut Wallner die Landeshauptstadt. Eisenstadt habe die Straßenbeleuchtung umgestellt: "Diese leuchtet nur nach unten, nicht einmal seitlich. Außerdem wurde auf warmweiße LED umgestellt. Viele Gemeinden stellen auf kaltweiße LED um, die blauweiße Farbe ist aber gefährlich für Tiere und Menschen."

Was ist so gefährlich am Licht? Wallner gibt zu bedenken, dass 70 Prozent aller Säugetiere nachtaktiv sind. Die Lichtverschmutzung führe bei Tieren zu Orientierungsverlust, Verhaltensveränderungen und Artensterben. Bei angestrahlten Bäumen in Parks reduziere sich aufgrund der permanenten Photosynthese die Lebenszeit. Und auch Menschen, die in lichtverschmutzten Städten leben, seien von gewissen Krankheiten stärker betroffen.

Blauweißes Licht, wie es auch Bildschirme abstrahlen, rufe Aktivitäten im Gehirn hervor und verhindere die Melatoninausschüttung, die für guten Schlaf sorgt. "Wenn es die Ausschüttung nicht gibt, gibt es gesundheitliche Konsequenzen", warnte der Astrophysiker. 30 Minuten vor dem Schlafengehen sollten daher Handy und Fernseher ausgeschaltet werden.