Neue TU in Oberösterreich am JKU-Campus

Aktualisiert am 21. Januar 2022 | 17:44
Lesezeit: 4 Min
Die TU wird am Campus der JKU ihren Platz haben
Die TU wird am Campus der JKU ihren Platz haben
Foto: APA/THEMENBILD
Die geplante Technische Universität (TU) für Digitalisierung und digitale Transformation in OÖ wird in Linz am Campus der bestehenden Johannes-Kepler-Uni (JKU) ihren Platz finden. In den ersten drei Semestern sollen alle Studierenden gemeinsam die Grundlagen der Digitalisierung erlernen. Aufbauend auf dieses "common core"-Bachelorstudium erfolgt die Spezialisierung in den Studienrichtungen Digital Creativity, Digital Entrepreneurship, Digital Systems und Digital Engineering.
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Im Sommer 2020 hatte der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) überraschend die Gründung einer neuen TU in Oberösterreich verkündet. Kritiker hatten zu Beginn vor allem die Frage gestellt, warum man eine eigene Uni brauche, wo es doch die JKU mit technisch-naturwissenschaftlichem Fokus und neu aufpoliertem Campus gebe. Nun sollen die beiden Universitäten räumlich zusammenrücken, aber als eigenständige Hochschulen nebeneinander entstehen. Inhaltlich wolle man aber mit allen in Linz ansässigen Universitäten und Hochschulen, mit der Wirtschaft, der Industrie, NGOs und der Kunst kooperieren. Bildungsminister Martin Polaschek, Landeshauptmann Thomas Stelzer, Wissenschaftslandesrat Markus Achleitner (alle ÖVP) und der Leiter der wissenschaftlichen Konzeptgruppe Gerhard Eschelbeck präsentierten am Freitag die Eckpunkte der Technischen Universität.

Sieben Forschungsschwerpunkte wurden demnach formuliert: Creativity (Kreativität), Future Entrepreneurship (zukünftiges Unternehmertum), Autonomous Systems (autonome Systeme), Data (Daten), Digital Sustainability Management (Digitales Nachhaltigkeitsmanagement), Regulation and Digitalisation (Regulierung und Digitalisierung) sowie Sociotechnology and Societal Implications (Soziotechnologie und gesellschaftliche Implikationen). Die Arbeitssprache ist Englisch. Besonderen Wert will man auf Praxisorientierung - alle Studierende sollen vom ersten Tag an in reale Projekte eingebunden sein - sowie auf Interdisziplinarität und Internationalität legen.

Vor allem diese neuen Denkansätze werden "nicht nur die Uni-Landschaft in Österreich bereichern", sondern durch die Internationalität werde diese TU eine "Strahlkraft weit über unser Land hinaus" haben, zeigte sich Polaschek überzeugt. Der Minister kündigte an, dass der Bund anfangs "jährlich 20 Millionen Euro und dann 25 Millionen Euro" für die TU im Budget habe, so dass "eine Planungssicherheit" geben sei. Neue Gebäude werde es aber vorerst nicht geben. Es werde ein "Huckepack-Modell", dies heißt man werde sich erst einmal in Räumlichkeiten der JKU einmieten.

Die Notwendigkeit dieser neuen Hochschule sieht Stelzer darin, dass "die Digitalisierung so schnell in der Entwicklung ist, da muss man einfach vorne dabei sein, das gilt besonders für Österreich und Oberösterreich". Achleitner unterstrich die Besonderheit, dass die Uni "auf den drei Säulen Forschung, Lehre und Unternehmertum" stehe.

Zentrale Punkte der TU präsentierte dann Eschelbeck. Die "Digitalisierung als Werkzeug, heutige Probleme zu lösen", sei Ausgangspunkt der Überlegungen der Konzeptgruppe gewesen. Außerdem sei es Absicht, mit der TU jene anzusprechen, die möglicherweise nicht ein traditionelles Studium gewählt hätten. Das Studium werde ab dem ersten Semester sehr praxisorientiert sein.

2023/24 soll die TU ihre Tore öffnen, der vollständige Studienbetrieb wird aber erst 2024/25 gestartet. Im Vollausbau sollen 5.000 Studierende hier lernen. Neben dem Campus soll es auch Pop Up-Außenstellen in und um Linz sowie eine Drehscheibe ("The Hub") geben, wo Start-ups ihre Ideen und die TU ihre Innovationen präsentieren. Mit "Get Inspired"-Events will man der Wissenschaftsskepsis entgegenwirken.

Aktuell wird am TU-Errichtungsgesetz gearbeitet, das bis zum Sommer 2022 in Kraft treten soll. Bis spätestens Herbst 2022 wird ein Gründungskonvent aus neun Mitgliedern eingerichtet, der als strategisches Organ in der Gründungsphase agieren soll. Für die Verwaltungsabläufe wird eine Errichtungsgesellschaft gegründet.

JKU-Rektor Meinhard Lukas freute sich über die "wegweisende Entscheidung der Politik". Er habe von Anfang an vorgeschlagen, "die TU OÖ am Campus der JKU zu errichten. Die Formel 'Zwei Universitäten, ein Campus' hat jetzt auch die Politik überzeugt", hieß es in einer Aussendung.

In Wels zeigte man sich über die Entscheidung enttäuscht, die TU auf dem JKU Campus anzusiedeln. Oberösterreichs zweitgrößte Stadt hatte dem Bund ein "Angebot zur Unterbringung der Universität in Bahnhofsnähe gemacht hat" und hätte eine Kooperation mit der Fachhochschule vorgehabt, teilte Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) in einer Aussendung mit. Nun wolle er versuchen, Kooperationsprojekte mit der neuen Uni zu entwickeln, "um zumindest teilweise IT-Know-how nach Wels zu bekommen".