"Bedeutende Festnahme" nach U-Bahn-Anschlag. Die britische Polizei hat im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag auf eine U-Bahn in London vom Freitag einen Verdächtigen festgenommen. Das teilte Scotland Yard am Samstag mit.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 16. September 2017 (12:44)
U-Bahn-Station "Parsons Green" nach Anschlag wieder geöffnet
APA/dpa/ag.

 Den Angaben zufolge handelte es sich bei dem Festgenommenen um einen 18-jährigen Mann aus der Region um die südostenglische Küstenstadt Dover.

"Wir haben heute in der Früh eine bedeutende Festnahme im Zuge unserer Ermittlungen gemacht", sagte der Anti-Terror-Ermittler Neil Basu. "Obwohl wir zufrieden mit den gemachten Fortschritten sind, gehen die Ermittlungen weiter und das Gefahren-Niveau bleibt kritisch."

Nach dem Anschlag von Freitag früh hatten die Ermittler eine Großfahndung nach Verdächtigen eingeleitet. In einer U-Bahn war mitten im Berufsverkehr an der Station Parsons Green im Westen der britischen Hauptstadt ein Sprengsatz detoniert. 29 Personen wurden verletzt, niemand davon schwer. Todesopfer waren nicht zu beklagen, auch weil die selbst gebastelte Bombe offenbar nicht richtig explodierte.

Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag für sich. Ein Kämpfer des Islamischen Staates habe die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Freitagabend im Internet. In einer weiteren Nachricht hieß es, dass es "Soldaten des Kalifats" gelungen sei, mehrere Sprengsätze zu platzieren, von denen einer 30 Menschen getroffen habe. Das Schlimmste komme jedoch noch, hieß es über die üblichen Kanäle, über die der IS auch in der Vergangenheit schon Anschläge für sich reklamiert hatte.

Die Bombe in London explodierte gegen 08.20 Uhr mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Die Station Parsons Green liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadion des Fußballclubs FC Chelsea. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer "Feuerwand" beziehungsweise einem "Feuerball" in der Bahn.

Großbritannien ist damit bereits zum fünften Mal in diesem Jahr Ziel eines Anschlags geworden. Bei vier früheren Anschlägen in London und Manchester in diesem Jahr waren insgesamt 36 Menschen ums Leben gekommen, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten.

Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester ausgerufen worden. Dort waren 22 Menschen getötet worden.

Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben. Acht Menschen kamen bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge ums Leben. Ein Mann starb bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in London.