Wegen Flugstreik wird fast jeder zweite Flug annulliert. Dem Pilotenstreik bei der Lufthansa fällt am Mittwoch fast jeder zweite Flug der Marke Lufthansa zum Opfer.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 22. November 2016 (14:32)
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5.400 Lufthansa-Piloten sind zum Streik aufgerufen worden

 Von den 876 streikbedingt gestrichenen Flügen seien 51 Interkontinentalverbindungen. Insgesamt seien rund 100.000 Passagiere betroffen, teilte die Lufthansa am Dienstag mit. Insgesamt kommt die Marke Lufthansa auf rund 1.800 Flüge pro Tag.

"2.124 von rund 3.000 geplanten Flügen der Lufthansa Group finden statt", heißt es in der Mitteilung. Darin sind allerdings auch Flüge von Konzerngesellschaften enthalten, die nicht bestreikt werden, wie zum Beispiel Brussels, Swiss oder AUA.

Die Piloten der Airline hatten den Streik am Dienstag angekündigt. Es handelt sich um den 14. Streik in der laufenden Tarifauseinandersetzung, in der zum ersten Mal im April 2014 gestreikt worden war. Dieses Mal geht es ausschließlich um die Tarifgehälter von rund 5.400 Piloten der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. 

Die Piloten verlangen Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte am vorigen Mittwoch erneut den Vorschlag des Unternehmens abgelehnt, in eine Schlichtung zu den offenen Gehaltsverhandlungen einzusteigen. Auch andere Tarifthemen wie die Übergangspensionen sind nach wie vor ungelöst. Der vorherige Tarifvertrag ist Ende April 2012 ausgelaufen, wirkt aber mit unveränderten Tarifgehältern fort.

"Lufthansa entschuldigt sich bei allen ihren Kunden, die von diesem Streik betroffen sind", heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Sonderflugplan für den Streikzeitraum sei zu Mittag auf der Internetseite LH.com aktiviert worden. "Lufthansa arbeitet mit allen Kräften daran, Kunden bestmöglich zu informieren und sie, wenn möglich, auf andere Airlines oder Verkehrsmittel umzubuchen."

Die VC bezifferte die von ihr verlangte jährliche Tarifsteigerung mit 3,66 Prozent. Diese Forderung liege unter den meisten Lohnforderungen anderer Gewerkschaften im vergleichbaren Zeitraum. "Die Lufthansa weist seit Jahren sehr gute Zahlen aus.

Nach dem Rekordergebnis im vergangenen Geschäftsjahr steuert der Konzern 2016 erneut auf ein hervorragendes Ergebnis zu. Dass der Konzernvorstand und der Aufsichtsrat dies genauso sehen, lässt sich an der Grundgehaltserhöhung des Vorstandes von bis zu 30 Prozent und der noch stärkeren Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge in den vergangenen Jahren ablesen", erklärte VC-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg.

Lufthansa hat nach eigenen Angaben ein Lohnplus von 2,5 Prozent für den 20 Monate längeren Zeitraum bis Ende 2018 angeboten. Das Unternehmen hatte vorige Woche versucht, den drohenden Pilotenstreik mit einer Schlichtung in letzter Minute abzuwenden. Neben der Gehaltsfrage sind auch andere Tarifthemen wie die Betriebsrenten und die Übergangsversorgung nach wie vor ungelöst.

Streik bei der Eurowings-Gruppe

Bei der Eurowings-Gruppe fiel schon am Dienstag wegen eines 15-stündigen Streiks der Flugbegleiter etwa jeder siebente Flug aus. Betroffen waren rund 4.100 Passagiere. An den beiden Streikorten Düsseldorf und Hamburg gelang es der Gewerkschaft Verdi nach eigener Zählung, 62 von 128 geplanten Flügen und damit fast die Hälfte zu verhindern.

Hintergrund sind die abermals gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Eurowings-Geschäftsführung über die Arbeitsbedingungen der rund 460 Beschäftigten der deutschen Eurowings-Teilgesellschaft. Nicht bestreikt wurden Maschinen der Schwestergesellschaften Germanwings und Eurowings Europe. Ver.di verlangt für die Flugbegleiter je sieben Prozent mehr Gehalt und Zulagen sowie eine bessere Anrechnung der Dienstzeiten am Boden und eine Beteiligung an den Bordverkäufen.

Bei der deutschen Eurowings konkurriert ver.di mit der Kabinengewerkschaft UFO um die Vorherrschaft und das Recht, einen Tarifvertrag abzuschließen. Auch die UFO hat bereits einen Streik bei Eurowings veranstaltet und führt dort ebenfalls Tarifverhandlungen.

UFO hat eine Dreier-Schlichtung vorgeschlagen, um zu einem einheitlichen Tarifergebnis zu kommen. Dies wird auch vom Unternehmen unterstützt. Doch ver.di scheint nach den Worten ihres Bundesvorstandsmitglieds Christine Behle dazu nicht bereit zu sein: "Als mitgliederstärkste Gewerkschaft bei Eurowings bestehen wir auf einen eigenständigen Tarifabschluss", erklärte sie zum Streikaufruf. Möglicherweise wird die Fluggesellschaft damit zum ersten Testfall des neuen Tarifeinheitsgesetzes.