Tiroler Bergrettung verzeichnet steigende Einsätze

Erstellt am 05. August 2022 | 12:42
Lesezeit: 3 Min
Allein im Juli über 400 Rettungsaktionen
Allein im Juli über 400 Rettungsaktionen
Foto: APA/THEMENBILD
Die Bergrettung Tirol hat im Zeitraum Mai bis Juli 2022 mit konstant ansteigenden Einsatzzahlen zu kämpfen gehabt. Im Juni mussten die großteils freiwillig tätigen Bergretter zu 327 Einsätzen ausrücken, im Juli waren es 419 Einsätze. Zum Vergleich: Im Juni und Juli 2021 war man 251 bzw. 380 Mal im Einsatz gewesen. "Der Berg wird offenbar als Sportgerät wahrgenommen und man ist nicht ausreichend vorbereitet", nannten die Bergrettungs-Akteure Gründe für diese Entwicklung.
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Auf "Biegen und Brechen" gehe am Berg jedenfalls gar nichts, richtete Stefan Hochstaffel, der Bundesverbandspräsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes und stellvertretende Landesleiter der Bergrettung Tirol, am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz einen Appell an tendenziell leichtsinnige Bergbegeisterte. Es gelte etwa die Unterschiede zwischen einem Marathon-Lauf im Tal und den sportlichen Gegebenheiten am Berg genauestens zu beachten, so Hochstaffel.

Statistisch gesehen waren es im Zeitraum Mai bis Juli 2022 zu 55,67 Prozent deutsche Staatsbürger, bei denen die Tiroler Bergrettung eingreifen und Hilfestellung leisten musste. Auf dem zweiten Platz dieser Statistik befinden sich Österreicher mit 29,80 Prozent, abgeschlagen die Niederländer mit 2,76 Prozent. "Die Oststaaten werden wieder weniger und spielen statistisch kaum mehr eine Rolle", ergänzte Hochstaffel. Die Hauptunfallfaktoren über alle Nationalitäten hinweg waren dabei Stürze (267) und medizinische Notfälle (91). Am öftesten müssen die Bergretterinnen und Bergretter wegen Unfällen bei Wanderungen (346) und beim Mountainbiken (193) ausrücken.

Die steigenden Einsatzzahlen stellen die Bergrettung jedenfalls vor Herausforderungen. "Solche Zahlen gab es noch nie", strich Hermann Spiegl, Landesleiter der Bergrettung Tirol, heraus. Die Herausforderung sei jetzt, zumal auch im August nicht mit fallenden Zahlen zu rechnen sei, das "alles an den Hotspots noch zu schaffen". Dieses Pensum mit freiwilligen Leuten abzudecken, sei schwierig, derzeit aber noch bewältigbar, so Spiegl. Man würde deshalb auch Bergretter aus den umliegenden Ortsstellen in die jeweiligen Einsätze einbinden.

Nachwuchsprobleme bei den derzeit rund 3.200 aktiven Bergrettern in Tirol habe man indes nicht, versicherte Christian Eder, der als Landesausbildungsleiter fungiert. "Dazu trägt auch die einheitliche Ausbildung in unserem Ausbildungszentrum bei, durch die alle Bergretter immer auf dem gleichen Stand sind", so Eder. Die Bergretterinnen und Bergretter seien jedenfalls "sehr motiviert und leistungsbereit", wie Spiegl zu den Ausführungen von Eder noch ergänzte.