Apotheken wollen "Erste Hilfe" leisten. Die österreichischen Apotheker wollen "im Einzelfall" nicht erhältliche Arzneimittel sogar im Ausland bestellen. Das sei "Erste Hilfe", hieß es Montagnachmittag in einer Aussendung der Standesvertretung. Bestritten wird, dass Apotheker für den österreichischen Markt bestimmte hochpreisige Arzneimittel aufkaufen und ins EU-Ausland exportieren, wie zuletzt von der Pharmaindustrie behauptet.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 07. Oktober 2019 (17:11)
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Apotheken-Vertreter wehren sch gegen Vorwürfe

Die Apothekerschaft versuche stets, den Patientinnen und Patienten weiterzuhelfen, das sei beruflicher Auftrag ebenso wie persönliches Anliegen, berichtet Apothekerkammer-Vizepräsident Christian Wurstbauer. Der Apothekerschaft werde von der Pharmaindustrie der "Schwarze Peter" zugeschoben. Die Industrie mache sie für etwas verantwortlich, was sie nicht verursacht hat und auch nicht beeinflussen kann", so Wurstbauer. Jedenfalls greife man für die Patienten gerne zum Besorgen sonst nicht erhältlicher Arzneimittel ein, im Einzelfall würden Apotheker die notwendigen Medikamente auch aus dem Ausland besorgen.

Der neue Präsident des Verbandes der österreichischen Pharmaindustrie (Pharmig), Philipp von Lattorff, auch Chef des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), hat hingegen vor kurzem gegenüber der APA erklärt: "Dass wir produktionsbedingt nicht liefern können, ist nur zu einem kleinen Teil für Probleme verantwortlich. Der größere Teil liegt im Export von Arzneimitteln. Großhändler und Apotheken machen sich ein Körberlgeld. Sie sammeln auf dem österreichischen Markt Arzneimittel ein und verkaufen sie in die EU." Im Grunde benötige man nur ein "gescheites Gesetz", um solche Exporte zu verhindern.

Diesen Vorwurf bezeichnete Apothekerkammer-Präsidiumsmitglied Susanne Ergott-Badawi als absurd: "In Österreich dürfen nur Großhändler Arzneimittel für den Export kaufen und verkaufen. Für Apotheken ist das nicht möglich. Außerdem: Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Apotheke lieber ein Medikament ins Ausland verkaufen soll und gleichzeitig die Patientinnen und Patienten unversorgt wegschickt."

Es gibt allerdings österreichische Apotheker, die auch Pharma-Großhandelskonzessionen haben. Bei extrem teuren Arzneimitteln, die vonseiten der Industrie einer Kontingentierung unterliegen - sie werden auch relativ selten verwendet -, können schon wenige Bestellungen durch Apotheken viel ausmachen, hieß es gegenüber der APA im Hintergrund. Mit klassischen öffentlichen Apotheken habe die Problematik nichts zu tun, betonte Apothekerkammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr. Es seien in den meisten Fällen die Hersteller: "Diese verfolgen vorrangig wirtschaftliche Interessen, anstatt ihrem Versorgungsauftrag gegenüber den Menschen nachzukommen."