Arbeitnehmer fordern 4,5 Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaften Pro-GE und GPA haben die Herbstlohnrunde mit der Forderung nach 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Metallindustrie eingeläutet. Zuvor hatte die Zuckerindustrie mit einem Plus von einem Prozent plus einer Einmalzahlung von 100 Euro den Kollektivvertrag (KV) für ein halbes Jahr fixiert. Die Arbeitgeber der Metalltechnischen Industrie zeigten sich ob der Forderung der Arbeitnehmer entrüstet, dies sei überzogen und verantwortungslos.

APA / NÖN.at Aktualisiert am 24. September 2021 | 07:44
Vor der Forderungsübergabe war die Stimmung auf Verhandlerseite gut
Vor der Forderungsübergabe war die Stimmung auf Verhandlerseite gut
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Wobei die Verhandler auf Gewerkschaftsseiten - Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA) - noch einen Korb mit weiteren Forderungen für den Arbeitgeber-Obmann Christian Knill hatten. Dabei geht es um Zulagen für die 2. und 3. Schicht bzw. für die Nachtarbeit. Diese sollen künftig verdreifacht (auf 1,50 Euro pro Stunde) bzw. verdoppelt (auf 5 Euro pro Stunde) werden. Gleitzeitguthaben sollen selbstbestimmt in ganzen Tagen konsumiert werden dürfen.

Außerdem fordern die Gewerkschaften eine überdurchschnittliche Erhöhung der Lehrlingseinkommen. Derzeit befinden sich rund 8.000 Lehrlinge in der Metallindustrie in Ausbildung. Ein Lehrling im ersten Jahr erhält bisher 749 Euro, dies soll auf 1.000 Euro steigen.

Pro-GE-Chef Wimmer sprach heute von einer "außergewöhnlich guten Lage" in der Industrie, die Auftragsbücher seien voll und die Produktivität um 3,3 Prozent gestiegen. Dazu käme eine "horrende Inflation", daher brauche es nun einen "ordentlichen Reallohnzuwachs". Er betonte, dass die Kollektivverträge der Metaller auch weiterhin eine "Schneepflugfunktion" haben, also richtungsweisend für andere Branchen sind. Die Eisenbahner in der Gewerkschaft vida haben sich heute solidarisch mit den Metallern erklärt und fordern über alle Branchen hinweg deutlich spürbare Reallohnerhöhungen.

Arbeitgeber-Obmann Knill zeigte sich in einer ersten Reaktion verärgert. "Die Forderungen sind vollkommen überzogen, das ist verantwortungslos", meinte er nach der Forderungsübergabe. Er sprach vor Journalisten von einer "Zumutung", die Arbeitsplätze gefährde. "Die Gewerkschaften agieren, als gäbe es kein Gestern und kein Morgen. Dabei müssen wir bedenken, dass wir erst seit wenigen Monaten eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte hatten, mit einem enormen Einbruch in der Produktion von fast elf Prozent", rechnete Knill vor.

Der erste KV-Verhandlungstermin mit der Metalltechnischen Industrie ist der 29. September. Zur Ausgangslage: Die Jahresinflationsrate der vergangenen zwölf Monate, die neben dem Produktivitätszuwachs die Verhandlungsbasis für den jährlichen Kollektivvertrag (KV) bildet, lag bei 1,89 Prozent. Aktuell beträgt die Teuerungsrate 3,2 Prozent. Im Vorjahr wurde bei einer Jahresinflationsrate von 1,4 Prozent mit einem KV-Plus von 1,45 Prozent abgeschlossen. Der Mindestlohn in der Metallindustrie liegt bei 2.000 Euro brutto. Die 1.200 Betriebe der Metalltechnischen Industrie beschäftigen nach Eigenangaben über 134.000 Mitarbeiter.