Erstellt am 19. Januar 2017, 20:14

von APA Red

Barrow neuer Präsident Gambias. Trotz des anhaltenden Machtkampfs mit dem abgewählten gambischen Präsidenten Yahya Jammeh ist Wahlsieger Adama Barrow als neuer Staatschef des westafrikanischen Landes vereidigt worden.

Der neue gambische Präsident Adama Barrow  |  APA/dpa/ag.

Barrow musste den Amtseid am Donnerstag allerdings in der gambischen Botschaft im Senegal ablegen. Unterdessen sind Truppen des Nachbarlandes Senegal in Gambia einmarschiert, um Barrow zu unterstützen.

Die senegalesischen Truppen hätten am Donnerstagnachmittag die Grenze überquert, teilte ein Armeesprecher am Abend in Dakar mit. Zuvor hatte der UNO-Sicherheitsrat in New York eine Resolution zum Eingreifen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in Gambia beschlossen.

Wahlsieger Adama Barrow forderte bei seiner Angelobung, die im Staatsfernsehen übertragen wurde, alle Gambier sollten nun zusammenstehen, um dem Land zu einem Neuanfang zu verhelfen. Seine Regierung werde sich für Reformen und eine Stärkung der Demokratie einsetzen, erklärte er. Barrow verlangte von den gambischen Streitkräften, sich ihm als rechtmäßigen Präsidenten nicht zu widersetzen. Soldaten, die bewaffnet außerhalb der Kasernen gefunden würden, "werden als Rebellen betrachtet werden". Die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union sprachen Barrow bei der Zeremonie ihre Unterstützung aus.

Der seit 22 Jahren mit harter Hand regierende Jammeh will auch trotz des Ablaufs seiner Amtszeit am Mittwoch nicht abtreten. Daher kann Barrow zunächst nicht zurück nach Gambia. Sollte Jammeh nicht weichen, droht eine afrikanische Eingreiftruppe, ihn notfalls mit Gewalt abzusetzen. Die militärische Eingreiftruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) hatte vor einem Einmarsch in Gambia noch auf ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates gewartet.

Das mächtigste UNO-Gremium gab am Donnerstag der ECOWAS Rückendeckung. Per Resolution unterstützte der Rat Wahlsieger Adama Barrow als neuen Staatschef des westafrikanischen Landes. Zugleich drückte der Rat der ECOWAS seine "volle Unterstützung" dafür aus, sicherzustellen, dass der Wille des Volkes in Gambia umgesetzt werde. Die von Gambias Nachbarland Senegal eingebrachte Resolution wurde einstimmig verabschiedet.

Die Straßen in Gambias Hauptstadt Banjul waren am Donnerstag angesichts der angespannten Lage menschenleer. Zehntausende Gambier sind seit Beginn der Krise bereits in den benachbarten Senegal geflohen.

Vor Barrows offizieller Amtsübernahme hatten sich Polizeichef Ousman Sonko und Generalstabschef Ousman Badgie darauf verständigt, keine Befehle mehr von Jammeh anzunehmen, wie ein ranghoher gambischer Geheimdienstmitarbeiter erklärte. Sie seien nur noch dem neuen Präsidenten verpflichtet. Die gambischen Streitkräfte verfügen verschiedenen Quellen zufolge nur über etwa 800 bis 1.000 Soldaten. Jammeh hatte zuletzt den Notstand ausgerufen, um im Amt zu bleiben.

Die frühere britische Kolonie Gambia gehört einem UNO-Index zufolge zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Neben der Landwirtschaft ist in dem Staat mit etwa zwei Millionen Einwohnern der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Europäische Reiseveranstalter hatten am Mittwoch damit begonnen, Strandurlauber in ihre Heimatländer zurückzubringen.