ÖFB-U21 will trotz "besonderem Erfolg" geerdet bleiben. Österreichs U21-Fußball-Nationalteam hat gleich bei der EM-Premiere ordentlich aufgezeigt.

Von APA Red. Erstellt am 18. Juni 2019 (08:53)
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Bei Coach Gregoritsch klappte es mit dem Am-Boden-Bleiben nicht ganz

Nach dem 2:0-Sieg gegen Geheimfavorit Serbien am Montag ist für die Mannschaft von Trainer Werner Gregoritsch in Italien vieles möglich. Das auch dank des Video Assistant Referees (VAR), der eine wichtige Rolle spielte und zwei gravierende Fehlentscheidungen des Schiedsrichterteams verhinderte.

"Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, ähnlich jenem eines Vaters, wenn sein Sohn die Matura gemacht hat", verlautete Gregoritsch. Wenn man das erste Mal an einer EM teilnehme und gleich das erste Spiel gewinne, sei das "natürlich ein besonderer Erfolg".

Dem konnte der im defensiven Mittelfeld aufgebotene Kapitän Philipp Lienhart nur zustimmen: "Der Sieg war enorm wichtig und ist sehr hoch einzuordnen. Gleich das erste EM-Spiel überhaupt zu gewinnen, macht die Sache noch viel schöner."

Besonders erfreut war man im ÖFB-Lager über das Zustandekommen des Sieges. "Die Mannschaft hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Die defensive Leistung war stark, wir waren kompakt und das Umschaltverhalten war auch gut. Es ist alles aufgegangen", resümierte Gregoritsch

Der zu Real Madrid wechselnde Luka Jovic konnte sich mit Ausnahme eines Lattenkopfballs (50.) kaum entfalten. "Wir haben Jovic stillgehalten, das war das Wichtigste", betonte Innenverteidiger Kevin Danso. Die vorbildhafte Defensivleistung war nicht nur ein Verdienst der Abwehr. Taktische Disziplin zeichnete das gesamte Team aus.

"Ich will nicht nur die Verteidigung loben, sondern auch wie die Spieler vorne angelaufen sind. Wir haben alles reingeworfen, die Räume gut eng gemacht und sehr gut verteidigt", erläuterte Lienhart. Steigerungsbedarf gab es nur in der Chancenverwertung. Xaver Schlager, Mathias Honsak oder Ivan Ljubic ließen Topmöglichkeiten aus. "Das einzige was man bemängeln kann, ist, dass wir drei oder vier Tore mehr machen müssen", war sich auch Gregoritsch bewusst.

Das könnte sich vielleicht noch rächen. Neben den drei Gruppensiegern steigt nur der beste Zweite auf. Zumindest dem zweiten Rang kam die ÖFB-Elf näher. "Wir werden jetzt nicht aus allen Wolken fallen und groß feiern. Wir müssen schauen, sehr geerdet zu bleiben", verlautete der 61-Jährige.

Die Spieler, die die schwere Verletzung von Hannes Wolf wegstecken müssen, waren sich dessen bewusst. "Wir müssen am Boden bleiben. Es warten noch extrem starke Gegner, wo wir wieder bei Null beginnen", sagte Sascha Horvath. Alexander Schlager sah die Ausgangslage vor dem Donnerstag-Duell mit den punktlosen Dänen wie vor der ersten Partie. "Wenn wir im nächsten Spiel nicht performen, können wir uns um diesen Sieg nichts kaufen", so der LASK-Tormann.

Die Brust der ÖFB-Spieler ist nach dem zweiten Topergebnis nach dem Test-3:1 gegen Frankreich jedenfalls noch breiter geworden. "Wir haben gesehen, dass wir mit den Großen mitspielen können, natürlich stärkt das das Selbstvertrauen", so Horvath. Er bereitete das 1:0 (37.) von Wolf mit einem Stangenschuss vor und sorgte nach Zuruf seines auf der Tribüne sitzenden Vaters mit einem flach im langen Eck versenkten Freistoß (78.) für die Entscheidung. "Es ist ein unbeschreibliches, geiles Gefühl", betonte der Mittelfeldspieler.

Es war sein zweiter Treffer im 20. Länderspiel, im Frühjahr im Innsbruck-Dress hatte er nicht getroffen. "Ich habe jetzt schon lange darauf warten müssen", so der 22-Jährige. Er kann sich in Italien den Frust von der Seele spielen. "Das letzte halbe Jahr war sportlich nicht gerade das beste für mich", erwähnte Horvath. Gregoritsch hat ihm aber das Vertrauen geschenkt. "Er hat immer an mich geglaubt", sagte der als "Man of the match" ausgezeichnete Horvath.

Ähnliche Vorstellungen sollen folgen, das ÖFB-Team hat Lunte gerochen. "Wenn wir so weitermachen, wird es für jeden Gegner schwierig, gegen uns Tore zu machen", sagte Danso. Zu hoffen ist, dass die Österreicher ihr Glück, dass man sich laut Horvath erarbeitet habe, noch nicht aufgebraucht haben und dass die technischen Hilfsmittel weiter so gut funktionieren. Der VAR war im Auftaktspiel entscheidend. Ein gepfiffenes Abseits beim Wolf-Tor wurde korrigiert, ein Foul von Vukasin Jovanovic an Wolf im Nachhinein mit der Roten Karte sanktioniert.

"Der Videoassistent wurde perfekt eingesetzt. Ich bin voll dafür, dass diese Kontrollsituation gegeben ist", schilderte Gregoritsch seine Sicht. Dem konnte Alexander Schlager nur zustimmen: "Es waren zwei ganz gerechte Entscheidungen, daran sieht man den Stellenwert des Videobeweis." Er hat daran Gefallen gefunden. "Wenn es dann ein Tor gibt, freust du dich umso mehr darüber." Nicht alle sind begeistert. "Für den Zuschauer zerstört es den Fußball, aber im Endeffekt hilft es auch extrem, wenn es so aufgeht", so Horvath.