Niederländer feiern Robben und van Persie. Mit ihrem Sturmwirbel gegen den hoffnungslos überforderten Titelverteidiger Spanien haben Arjen Robben und Robin van Persie die Niederlande auf einen Schlag in den Kreis der WM-Topfavoriten aufsteigen lassen. Vor dem Turnier in Brasilien bestenfalls als Außenseiter genannt, steht der Vize-Weltmeister nach der Gala zum WM-Auftakt plötzlich weit oben auf der Kandidatenliste.

Erstellt am 15. Juni 2014 (11:43)

"Die ganze Welt hat dieses Spiel gesehen. Die Begeisterung über Oranje ist wieder ein Stück größer geworden", sagte der überragende Robben. Mit jeweils zwei Toren schoss sich das Traumduo in die orangefarbenen Geschichtsbücher. Beide haben nun als erste Niederländer überhaupt bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften getroffen. "Wir haben eine Mannschaft besiegt, die sechs Jahre lang die Welt regiert hat", fasste Kapitän van Persie die Bedeutung des "historischen Triumphes" ("De Telegraaf") zusammen.

In der Nacht nach dem in jeder Hinsicht bemerkenswerten 5:1 in der Final-Revanche von 2010 war bei den meisten Niederlande-Profis an Schlaf kaum zu denken. "Ich war noch so voller Adrenalin, ich bin erst sehr spät eingeschlafen", gab Van Persie zu. Am Tag nach der Sternstunde von Salvador ließen es die Helden daher ruhig angehen. Beim Training am Samstag betätigte sich der Legionär von Manchester United im Jugendzentrum des brasilianischen Traditionsclubs CR Flamengo als Kinderanimateur. Bondscoach Louis van Gaal hatte die Familien zum Auslaufen eingeladen, das für die Elftal zu einer Art Triumphmarsch wurde.

Bei den ersten Übungseinheiten in Brasilien hatte die unweit des Trainingsplatzes auf einem Berg thronende Christus-Statue nahezu alleine zugeschaut, wie van Gaal dem Europameister von 1988 sein neues 5-3-2-System einzuimpfen versuchte. Nun versammelte sich fast die komplette Weltpresse, um live von ihrer Suche nach dem niederländischen Erfolgsgeheimnis zu berichten.

Van Gaal scheint es bei seiner WM-Premiere 13 Jahre nach dem schmachvollen Scheitern in der Qualifikation für die Titelkämpfe in Japan und Südkorea gelungen zu sein, um die beiden Ausnahmefußballer Robben und van Persie eine Formation zu bilden, die aller Skepsis in der Heimat zum Trotz doch mit den Besten mithalten kann. "Der Plan von van Gaal ist voll aufgegangen", lobte Van Persie seinen derzeitigen und zukünftigen Coach.

Der ehemalige Trainer von Bayern München war unmittelbar nach dem in der Höhe sensationellen Erfolg vor Stolz fast geplatzt, nach einer kurzen Nacht im pompösen Hotel Caesar Park Ipanema hielt der 62-Jährige die Zügel aber bereits wieder streng in der Hand. Während Robben dem Treiben auf dem Rasen auf einer blauen Kühlbox sitzend zuschaute und Van Persie mit den Kids der Spieler ein kleines Kleinfeld-Spielchen organisierte, nahm Van Gaal das Treiben der Reservisten gewissenhaft unter die Lupe.

"Wir haben noch nichts erreicht", meinte der Bondscoach und lag damit auf einer Linie mit seinen Superstars. "Wir müssen aufpassen, dass die Euphorie nicht zu groß wird", meinte Robben, "lasst uns mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben." Als nächster Gegner warten am Mittwoch in Porto Alegre die kampfstarken Australier.