Drohungen: Kim will Trump "teuer bezahlen" lassen. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat US-Präsident Donald Trump nach dessen scharfer Drohung als geistesgestörten Greis verunglimpft und massive Vergeltung angekündigt. "Ich werde den geistig umnachteten, senilen Amerikaner sicher und endgültig mit Feuer bändigen", erklärte Kim in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA am Freitag verbreiteten Mitteilung.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 22. September 2017 (07:16)
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Der nordkoreanische Machthaber nannte Trump "geistesgestört"

Sein Außenminister Ri Yong-ho sagte laut einem Bericht der südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap, er halte es für möglich, dass sein Land den Test einer Wasserstoffbombe auf dem Pazifischen Ozean erwägen könnte. Eine Rede des Ministers bei der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung wird für Samstag erwartet.

Trump hatte Nordkorea am Dienstag mit "totaler Vernichtung" gedroht. In Anspielung auf Kims Raketentests sagte er: "Der Raketenmann ist auf einer Selbstmordmission für sich selbst und sein Regime." Am Donnerstag ordnete der US-Präsident per Dekret neue Sanktionen gegen Nordkorea an. Auch die Botschafter der Europäischen Union einigten sich nach Angaben von Diplomaten auf weitere Strafmaßnahmen.

Kim sagte, Trumps Äußerungen seien "die grimmigste Kriegserklärung in der Geschichte". Sie hätten ihn aber nicht eingeschüchtert und würden ihn auch nicht aufhalten, betonte Kim. Er sei vielmehr überzeugt, den richtigen Pfad gewählt zu haben, und dass er diesem Weg bis zum Schluss folgen müsse. Trump werde für seine Rede vor den Vereinten Nationen "teuer bezahlen". Jetzt, da der US-Präsident ihn und sein Land "vor den Augen der Welt" beleidigt habe, ziehe Nordkorea ernsthaft in Erwägung, eine "harte Gegenmaßnahme auf höchstem Niveau in der Geschichte" auszuüben.

Auf die Frage, welche Schritte Kim konkret gemeint haben könnte, sagte Außenminister Ri laut Agentur Yonhap vor Journalisten in New York, er wisse nicht genau, was der nordkoreanische Machthaber vorhabe. Er glaube aber, dass der Test einer Wasserstoffbombe in einem bisher nicht dagewesenen Ausmaß auf dem Pazifik in Betracht gezogen werden könne.

Die erneute Eskalation der gegenseitigen verbalen Drohungen belastete die Börsen in Fernost. Die Berichte über einen möglichen Wasserstoffbombentest hätten dem Markt "einen kleinen Schock" verpasst, sagte Anlagestratege Takuya Takahashi von Daiwa Securities. Die französische Sportministerin Laura Flessel sagte, ihr Land werde nicht an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea teilnehmen, wenn die Sicherheit der Athleten nicht garantiert werden könne. Austragungsort ist Pyeongchang nur 80 Kilometer von der demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea entfernt.

Trump hatte bei seinem ersten Auftritt vor der UNO-Vollversammlung in New York gedroht, die USA würden Nordkorea notfalls mit einem Militärangriff "völlig zerstören", falls Pjöngjang im Streit um sein Atom- und Raketenprogramm nicht einlenke. Diese Drohung löste heftige Reaktionen und Kritik auch unter Verbündeten aus.

Selbst Simbabwes umstrittener Langzeitpräsident Robert Mugabe attackierte Trump scharf. "Einige von uns waren peinlich berührt, wenn nicht gar verängstigt von der scheinbaren Rückkehr des biblischen Giganten Goliath", sagte der 93-Jährige am Donnerstag bei der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung. Mugabe richtete sich auch direkt an Trump und sagte: "Bitte blasen Sie ihre Trompete doch auf eine musikalische Art und Weise in Richtung der Werte der Einheit, des Friedens, der Kooperation, des Zusammenhalts und des Dialogs."

Beim Thema Klimawandel griff Mugabe Trump erneut direkt an. "Wir können nicht stumm bleiben, wenn eine wirtschaftliche Großmacht der Welt - und das ist das Amerika von Mr. Trump - oder irgendein anderer Staat sich entscheidet, das Pariser Klimaschutzabkommen zu verlassen." Mugabe ist in Simbabwe seit 1980 an der Macht und will bei der nächsten Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr erneut kandidieren.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der Deutschen Welle: "Ich bin gegen eine solche Drohung." Sie halte "jede Art von militärischer Lösung für absolut unangemessen" und setze stattdessen auf diplomatische Bemühungen. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel stellte einen Zusammenhang mit Trumps gleichzeitiger Drohung her, das Atom-Abkommen mit dem Iran aufzukündigen. Sollten die USA aus der Vereinbarung mit dem Iran aussteigen, hätte dies "verheerende Signalwirkung" für den Nordkorea-Konflikt, erklärte Gabriel im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kritisierte sowohl die martialischen Drohungen Trumps als auch die "abenteuerliche Politik" Pjöngjangs."Die militärische Hysterie führt nicht nur in die Sackgasse, sondern auch zur Katastrophe", warnte er. Sein chinesischer Amtskollege Wang Yi bekräftigte, Verhandlungen seien "die einzige Lösung".

Trump verkündete am Donnerstag eine Serie von neuen Sanktionen gegen ausländische Unternehmen, die Geschäfte mit dem ostasiatischen Land machen. Bestraft werden können etwa Banken, die Transaktionen mit Nordkorea tätigen oder ermöglichen. Die US-Konten dieser Institutionen können gesperrt werden. US-Finanzminister Steve Mnuchin sagte, ausländische Finanzinstitute müssten sich nun entscheiden, ob sie Geschäfte mit den USA oder mit Nordkorea machen wollten.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in begrüßten die Entscheidung Trumps. "Wir begeben uns auf eine neue Stufe des Drucks", sagte Abe. Japan unterstütze diesen Schritt "von Herzen". Auch Moon sagte, sein Land werde seine eigenen Schritte mit denen der USA eng abstimmen. Er betonte jedoch auch, es gehe seinem Land nicht um einen Kollaps des Nachbarstaates. Seoul und die Weltgemeinschaft unternähmen alles nur Mögliche, um den Atomkonflikt mit Pjöngjang friedlich beizulegen.

Trump bewertete es auch als großen Fortschritt, dass die chinesische Zentralbank inzwischen begonnen habe, ihre Transaktionen mit dem Nachbarland zurückzufahren. Er dankte dem chinesischen Staatschef Xi Jinping für diesen "kühnen Schritt". China spielt als der mit Abstand größte Handelspartner Nordkoreas eine Schlüsselrolle in den Bemühungen, das Land zum Einlenken zu bewegen.

Auch die EU einigte sich auf neue Strafmaßnahmen gegen Nordkorea. Dazu gehören nach Angaben von Diplomaten ein vollständiges Verbot von Investitionen und Ölexporten sowie die Belegung weiterer nordkoreanischer Vertreter mit Einreise- und Vermögenssperren. Die EU will die neuen Sanktionen im Oktober verabschieden. Diese Grundsatzentscheidung trafen die für Sicherheitsfragen zuständigen EU-Botschafter am Donnerstagabend, wie es aus EU-Diplomatenkreisen hieß.