Arbeitsmarkt wegen Corona weiter im Krisenmodus. Der heimische Arbeitsmarkt ist aufgrund der Coronapandemie weiterhin im Krisenmodus. Seit dem Arbeitslosenrekord Mitte April mit 588.000 Jobsuchenden sind die Zahlen zwar kontinuierlich wieder gesunken. Ende September waren aber noch knapp 409.000 Personen ohne Job - das waren um 22 Prozent mehr als vor einem Jahr. In Corona-Kurzarbeit befanden sich noch 295.000 Beschäftigte.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 01. Oktober 2020 (15:16)
Arbeitsmarkt ist wegen Corona extrem angespannt
APA (Symbolbild)

"Obgleich die Lage am Arbeitsmarkt damit weiter höchst angespannt bleibt, verkleinert sich der Abstand zum Vorjahr wie schon in den Vormonaten (Ende August:. +92.000) weiter", kommentierte AMS-Vorstand Johannes Kopf die aktuellen Arbeitsmarktzahlen. "Die leider neuerlich notwendig gewordenen gesundheitspolitischen Maßnahmen zeigen sich bisher erfreulicherweise nicht in einer 'zweiten Welle' beim Anstieg der Arbeitslosigkeit."

Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) ortet einen positiven Trend am heimischen Arbeitsmarkt, nach dem coronabedingten Tiefpunkt im Frühjahr. "Die Monatszahlen im September zeigen, dass sich der Arbeitsmarkt im Sommer solide entwickelt hat", so Aschbacher. Im Vergleich zum Vormonat habe es "einen weiteren Rückgang der krisenbedingten Arbeitslosigkeit" gegeben. Gegenüber Ende August sank die Arbeitslosigkeit per Ende September um 24.986 Personen (-6,7 Prozent) und die AMS-Schulungsteilnahmen stiegen um 21,4 Prozent (+10.929), geht aus Zahlen des Arbeitsministeriums hervor.

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung belief sich in Österreich auf 8,4 Prozent, das war um 1,7 Prozentpunkte höher als im September 2019. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten ging im Vergleich zum Vorjahresmonat laut vorläufiger Prognose um 0,9 Prozent auf 3,806 Millionen zurück. Die Anzahl der sofort verfügbaren Stellen schrumpfte um 18,6 Prozent auf 67.119.

Den stärksten Anstieg bei den Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmern im September im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnete Tirol (+41,6 Prozent), den niedrigsten Kärnten (+11,5 Prozent). In Vorarlberg lag das Plus bei den Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern Ende September bei 26,5 Prozent und in Salzburg bei 26,3 Prozent. Deutliche Zuwächse verzeichneten auch Wien (+23,5 Prozent), die Steiermark (+22,2 Prozent), Oberösterreich (+21,8 Prozent), das Burgenland (+19,5 Prozent) und Niederösterreich (+16,7 Prozent).

Nach Branchen gab es den massivsten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu September 2019 in den Bereichen Verkehr und Lagerwesen (+42 Prozent), Beherbergung und Gastronomie (+36,9 Prozent) und am Bau (+31 Prozent). Etwas niedriger fiel das Arbeitslosenplus bei der Herstellung von Waren (+25 Prozent) und im Handel (+24,6 Prozent) aus. Die verhältnismäßig niedrigste Zunahme verzeichneten das Gesundheits- und Sozialwesen (+19,3 Prozent) sowie die Arbeitskräfteüberlassung (+17,6 Prozent).

Positive Nachrichten gab es am Lehrstellenmarkt. Ende September standen 8.805 sofort verfügbare Lehrstellen 8.406 Lehrstellensuchenden gegenüber. Die Lehrstellensituation sei somit Ende September ähnlich der des Jahres 2019, hieß es aus dem Arbeitsministerium. In Wien und Niederösterreich würden jedoch weiterhin deutlich mehr Jugendliche eine Lehrstelle suchen als offene Lehrstellen angeboten werden, in Oberösterreich, Salzburg und Tirol gebe es hingegen deutlich mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende.

Die Opposition und Arbeitnehmervertreter fordern von der türkis-grünen Regierung mehr Engagement im Kampf gegen die hohen Arbeitslosenzahlen. "Noch nie gab es in der Zweiten Republik in einem September so viele arbeitslose Menschen wie heute", so SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. "Beim Bekämpfen der wirtschaftlichen Corona-Folgen wurden im Frühjahr viele Fehler gemacht", kritisierte Rendi-Wagner. Die Regierung müsse "jetzt endlich ins Handeln kommen und alles tun, was möglich ist, um Jobs zu retten". FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch forderte den Rücktritt von Arbeitsministerin Aschbacher, weil diese "mit ihrer Aufgabe mehr als überfordert" sei. Belakowitsch warnte vor einem "bevorstehenden Tsunami" am Arbeitsmarkt im Winter und plädierte erneut für eine "sektorale und temporäre Schließung des Zuzugs in den österreichischen Arbeitsmarkt". NEOS-Sozial- und Arbeitsmarktsprecher Gerald Loacker verwies darauf, dass vor allem junge Menschen "weiterhin besonders von Jobverlusten und fehlenden Einstiegschancen betroffen" seien. Die Wiedereingliederung der Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt müsse weiterhin mit voller Kraft forciert werden, so Loacker. "Vor allem die Jungen brauchen eine Perspektive."

"Bei einem Verhältnis von sechs Arbeitssuchenden auf eine offene Stelle, kann es sich nicht ausgehen, dass alle einen Job finden", so die Leitende ÖGB-Sekretärin Ingrid Reischl. Es brauche "endlich konkrete Maßnahmen zur Schaffung von Jobs. Die ÖGB-Vertreterin forderte "echte Stiftungslösungen, mit denen Menschen umgeschult und in neue Jobs vermittelt werden, und nicht nur eine Aufstockung des AMS-Förderbudgets, wie von der Bundesregierung angekündigt". AK-Präsidentin Renate Anderl drängt auf mehr Geld für die Arbeitsmarktpolitik bei den laufenden Budgetverhandlungen des Bundes. "Unser Ziel muss sein, im Jahr 2021 wieder das Niveau vor Corona zu erreichen. Dafür muss Geld da sein. Die Kosten des Nichtstuns seien "weitaus höher".