Macron versprach Wiederaufbau von Notre-Dame bis 2024. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron will die von einem Großbrand schwer beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufbauen.

Von APA Red. Erstellt am 16. April 2019 (20:55)
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Zahlreiche religiöse und künstlerische Schätze konnten gerettet werden

"Wir werden Notre Dame noch schöner wiedererrichten", sagte Macron in einer sehr kurzen Fernsehansprache am Dienstagabend. Nach dem Großbrand kämpften Experten und Behörden indes um die Sicherung des 850 Jahre alten Gebäudes.

Die Struktur der gotischen Kirche war zwar weitgehend stabil, allerdings wurden mehrere Schwachstellen entdeckt, wie Innenstaatssekretär Laurent Nunez am Dienstag sagte. Die Justiz geht davon aus, dass Renovierungsarbeiten am Dach zu dem Flammeninferno führten.

Macron nahm den Großbrand zum Anlass, die Verkündung seiner Reformmaßnahmen im Zuge der "Nationalen Debatte" auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Im Moment sei nicht die richtige Zeit dafür, sagte Macron.

Der französische Präsident sagte wegen des Feuers bereits am Montag eine TV-Ansprache und eine Pressekonferenz zu seinen Reformplänen ab. Er hatte eine Bürgerdebatte zur Beruhigung der "Gelbwesten"-Krise im Jänner ins Leben gerufen und den Franzosen für Mitte April konkrete Ergebnisse versprochen.

Französische Unternehmen sicherten unterdessen Spenden in Höhe von 600 Millionen Euro für den Wiederaufbau zu. Ob die Kathedrale gerettet werden konnte, habe sich am Montagabend "innerhalb einer viertel Stunde, einer halben Stunde" entschieden, sagte Nunez. Der Brand war im Dachstuhl ausgebrochen und hatte sich rasend schnell über das gesamte Dach ausgebreitet. Rund 400 Feuerwehrleute kämpften die gesamte Nacht über gegen die Flammen, am Dienstag kurz vor zehn Uhr waren sie dann vollständig gelöscht.

Zwei Drittel des Dachs und ein Spitzturm wurden zerstört. Dennoch gab Nunez teilweise Entwarnung für das historische Bauwerk: "Im Ganzen hält die Struktur stand." Die Mauern, die beiden monumentalen Türme und die drei Fensterrosen blieben weitgehend unbeschädigt. Mehrere kostbare Reliquien, darunter die Dornenkrone, die Jesus getragen haben soll, und das Hauptkreuz der Kirche konnten gerettet werden.

Allerdings seien Schäden im Gewölbe und einem Giebel im nördlichen Querschiff entdeckt worden, sagte Nuñez. Der Giebel müsse deshalb abgesichert worden. Fünf Gebäude in der Nachbarschaft der Kathedrale seien evakuiert worden.

Die Staatsanwaltschaft schloss unterdessen Brandstiftung weitgehend aus. "Nichts deutet auf eine vorsätzliche Tat hin", sagte Staatsanwalt Rémy Heitz. Der Brand könnte demnach mit Arbeiten am Dach der Kathedrale im Zusammenhang stehen, wo Baugerüste installiert waren. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung ein und befragte noch in der Nacht Bauarbeiter.

Fünf Unternehmen seien an den Arbeiten beteiligt gewesen, sagte Heitz. Etwa 15 Mitarbeiter seien am Montag mit Arbeiten betraut gewesen. Rund 50 Ermittler waren demnach im Einsatz. Das bei der Restaurierung von Notre-Dame federführende Unternehmen wies Anschuldigungen zurück, für den Ausbruch des Feuers verantwortlich zu sein. Alle Sicherheitsvorschriften seien eingehalten worden, sagte Julien Le Bras, Chef des Gerüstbauers Le Bras Freres.

Landesweit sollen am Mittwoch um 18.50 Uhr die Glocken der Kathedralen läuten, um des Feuerausbruchs zu gedenken. Mehrere französische Firmengruppen und Unternehmensfamilien kündigten Großspenden an. Der Luxusmodekonzern Kering des Milliardärs François-Henri Pinault stellte eine Spende von 100 Millionen Euro in Aussicht, ebenso wie der Ölkonzern Total. Bernard Arnaults Konzern LVHM und die Haupteigner des Kosmetikkonzerns L'Oreal, die Familie Bettencourt, kündigten je 200 Millionen Euro an.

Aus zahlreichen Ländern trafen am Dienstag weitere Botschaften der Anteilnahme ein. Papst Franziskus äußerte die Hoffnung, die schwer zerstörte Kirche werde wieder zu einem "Juwel". Am Nachmittag wollte Franziskus mit Macron telefonieren. Queen Elizabeth II erklärte, sie sei "tiefbetrübt". Bundespräsident Alexander Van der Bellen ließ als Zeichen der Solidarität Österreichs mit dem französischen Volk auf der Präsidentschaftskanzlei die französische Flagge hissen und drückte in einem Brief seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron seine Anteilnahme aus.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, die "Tragödie" von Notre-Dame treffe auch die Russen ins Herz. Irans Außenminister würdigte Notre-Dame als "symbolträchtiges Denkmal des Gebets zu unserem gemeinsamen Gott".

Der Brand löste auch eine Diskussion um die Sicherheit in österreichischen Kulturdenkmälern aus. Einen ähnlich verheerenden Brand könne es im Wiener Stephansdom nicht geben, beruhigte Dompfarrer Toni Faber. Der Dachstuhl des Domes ist nämlich nicht wie jener der Notre Dame aus Holz, sondern aus Stahl. Zusätzlich ist der Innenraum mit einem speziellen Brandschutzsystem ausgestattet. Zudem erfolge gerade die Erneuerung der Brandschutzmelder im Dachboden. "Wir sind auf gutem Weg, up to date zu sein."

Seit dem Brand der Hofburg in der Nacht auf den 27. November 1992 ist auch dort die Sicherheit ein Thema. Vor drei Jahren kritisierte der Rechnungshof (RH), dass die zuständige Burghauptmannschaft in Sachen Brandschutz noch immer säumig in Sachen Brandschutz sei. Die Nachrüstung sei inzwischen "großteils abgeschlossen", sagte Burghauptmann Reinhold Sahl der APA. Er verwies auf zahlreiche Maßnahmen. Allein 12.000 Brandmelder gebe es im Komplex, dazu entsprechende Schutzpläne und eigene Sicherheitsvorkehrungen für Arbeiten am bzw. im Gebäude.

Notre-Dame gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Berühmt wurde die Kathedrale auch durch den Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" von Victor Hugo. Am 24. August 1944 hatte das Glockenläuten von Notre-Dame die Befreiung von Paris von der deutschen Besatzung verkündet.