Studie zu Wiener Islam-Kindergärten präsentiert. Die lang erwartete Studie zu den Wiener Islam-Kindergärten ist am Donnerstag präsentiert worden. Sie zeigt, dass die Religion zunehmend aus den Einrichtungen gedrängt wurde.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 21. Dezember 2017 (11:52)
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Wissenschaftsteam präsentierte Erkenntnisse

"Wir können sehr klar nachweisen, dass es insbesondere seit 2015 einen dramatischen Rückgang von Religion, vor allem in Einrichtungen, die einen Bezug zum Islam haben, gibt", sagte Henning Schluß von der Universität Wien.

Die Diskussion, die nach der 2015 veröffentlichten Pilotstudie von Ednan Aslan ausbrach, habe zu einer solchen Stigmatisierung von islamischen Kindergärten und -gruppen geführt, dass diese entweder von sich aus alle Bezüge zum Islam im Alltag der Einrichtungen kappten bzw. von der Aufsicht massiv darauf hingewiesen wurden. Das sei keine positive Entwicklung, sondern "bedenklich", argumentierte Schluß, der die Ergebnisse der Studie gemeinsam mit weiteren Vertretern des sechsköpfigen Wissenschaftsteams präsentierte.

"Der Islam wandert aus den Kindergärten und Kindergruppen heraus, in einen Bereich, der pädagogisch nicht mehr verantwortet werden kann", konstatierte Schluß. Die Forderung, alles Religiöse aus den Kindergärten zu entfernen, sei der Elementarpädagogik und den Kindern nicht zuträglich, sagte auch Nina Hover-Reisner von der FH Campus Wien.

Untersucht wurde auch, ob islamische Kindergärten zur Bildung von Parallelgesellschaften beitragen. Hier sähen die Ergebnisse anders aus, als man sie wahrscheinlich erwartet habe, meinte Schluß. "Sie sind manchmal ein Sammelbecken für diejenigen, die woanders keinen Platz finden und nicht aufgenommen werden", sagte er. "Wir haben es also nicht mit Abspaltung, sondern mit Ausgrenzung zu tun."

Das liege teilweise an zu hohen Beiträgen, die sich sozial schwächere Familien nicht leisten könnten, oder auch daran, dass in Kindergärten der Stadt Wien Kinder oft nur einen Platz finden würden, wenn beide Eltern arbeiten. Aber auch "subtile Mechanismen der Ausgrenzung", etwa wenn kein Essen angeboten wird, dass den islamischen Speisevorschriften entspricht, beobachteten die Forscher.