Isabella Ehrenreich: Pflegeheim-Dichterin mit Herz. Seit über einem Jahr verfasst Isabella Ehrenreich täglich ein neues Gedicht im Pflegeheim. Mittlerweile sind es über 600.

Von Sandra Koeune. Erstellt am 03. August 2017 (06:31)
Koeune
Power-Frau. Isabella Ehrenreich schreibt seit einem Jahr täglich mindestens ein Gedicht. In einigen Minuten ist ein Gedicht verfasst. Manchmal findet sie aber auch Zeit zum Lesen.
 

Langweilig wird es Isabella Ehrenreich nicht. Nachdem ihr Mann gestorben war, fing die 82-jährige Witwe aus Rohrbach, die mittlerweile im Pflegeheim in Zagersdorf lebt, mit dichten an.

Sandra Koeune
Technikaffin. Auf ihrem Handy schreibt Isabella Ehrenreich den größten Teil ihrer Gedichte und versendet sie per Facebook und SMS. Einen Kurs hat sie nicht besucht, sondern erlernte als Autodidakt den Umgang mit dem Mobiltelefon.

Die Poetin schreibt über ihre Beobachtungen und dichtet seit einem Jahr ein bis zwei Gedichte pro Tag. Mittlerweile sind es, laut Ehrenreich über 600 Gedichte: „Es sprudelt einfach aus mir hinaus. Meistens hab ich bereits nach dem Aufstehen den ersten Reim. Zwischen halb sechs und sieben ist das Gedicht fertig“, erzählt Ehrenreich.

Schreiben tut Ehrenreich auf ihrem Handy und versendet anschließend ihr Gedicht an ihre Kontakte. „Wenn ich einen Tag etwas später ein Gedicht versende, melden sich Freunde bei mir und fragen, ob alles in Ordnung ist“, meint Ehrenreich.

Zudem veröffentlicht die Poetin ihre Gedichte auf Facebook. Bereits bei ihrer Infobox ist ihr Schmäh erkennbar: „Altes Weib im Seniorenheim mit noch 10 Decker Hirn“, lautet diese.

Soziales Engagement ist der Dichterin wichtig

Themen findet Isabella Ehrenreich bei ihrem facettenreichen Leben genug. Die gebürtige Wienerin ging als junge Frau für drei Jahre ins Kloster. Der Liebe wegen, hat sie dieses jedoch wieder verlassen. Später heiratete sie ihren ersten Mann und bekam sechs Kinder.

Kurze Zeit arbeitete sie in Wien, später in Mattersburg in einem Lebensmittelgeschäft. 1967 gründete sie einen Verein für Gefangene und Strafentlassene und besuchte Gefangene: „Ich wohnte in der Gegend von einem Gefängnis und wollte mich engagieren. Ich bin gerne für andere Menschen da und höre ihnen zu. Dies hilft vielen Menschen“, erklärt Ehrenreich.

Nachdem ihre erste Ehe scheiterte, heiratete sie den rohrbacher Johann Ehrenreich, adoptierte drei Kinder und arbeitete als Bäuerin in Rohrbach.

Die Kunst spielte jedoch schon immer eine wichtige Rolle: „Ich habe es geliebt Gedichte von Joseph von Eichendorff aufzusagen. Habe mit 16 Schauspielunterricht genommen und zwei Jahre einen Schreibkurs in Deutschland belegt. Allerdings hatte ich zum Schreiben nie die Zeit“, berichtet Ehrenreich. Dies hat sich nun geändert. Im September sollen 50 Gedichte von ihr unter dem Titel „Alten Reim Poesie“ publiziert werden.