Ex-Spion möglicherweise bereits zuhause vergiftet. Der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia dürften offenbar bereits zu Hause mit dem Nervengift in Kontakt gekommen sein. Die bisher höchste Konzentration des Stoffes ist an der Tür des Wohnhauses im englischen Salisbury gefunden worden, teilte die britische Polizei am Mittwochabend mit.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 29. März 2018 (07:50)
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Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der Innenstadt von Salisbury entdeckt worden. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass sie mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. Beide befinden sich seitdem in einem kritischen, aber stabilen Zustand.

Russland streitet jegliche Verantwortung für den Anschlag ab. Trotzdem wiesen weltweit inzwischen 26 Staaten russische Diplomaten aus, darunter auch Deutschland, Frankreich und die USA. Die Gesamtzahl der betroffenen Personen liegt bei mehr als 140. Sieben weitere russische Diplomaten wurden von der NATO vor die Tür gesetzt.

Österreich nimmt an den Ausweisungen nicht teil. Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) schloss am Mittwochabend gegenüber der "Zeit im Bild 2" erneut bilaterale Aktionen gegenüber Russland aus. Sollte jedoch eine schlüssige Beweiskette ergeben, dass der Anschlag in irgendeiner Form in Russland in Auftrag gegeben worden sei, könnte durch die Chemiewaffenkonvention ein Mechanismus aktiv gemacht werden, der es ermögliche, eine multilaterale Aktion zu setzen, sagte Kneissl. Österreich ist Vertragsstaat des Abkommens.

Kneissl wies den Vorwurf zurück, dass Österreich nicht mit Großbritannien solidarisch sei. Schließlich habe man die Zurückbeorderung des EU-Botschafters aus Moskau mitgetragen. Die Kontakte zwischen der FPÖ und der Kreml-Partei Einiges Russland hätten "keinerlei Einfluss" auf die österreichische Entscheidung gehabt, versicherte sie. Kneissl verwies auch darauf, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am 13. Juni London besuchen wolle. "Wir stehen für alle offen", sagte die Ministerin auf die Frage, ob Österreich in dem Konflikt vermitteln wolle. Allerdings müsse man darum "gefragt" werden. "Wenn wir gefragt werden sollten, dann werden wir jedenfalls dabei sein."

Europapolitiker der deutschen CDU kritisierten die österreichische Regierung dafür, dass sie keine russischen Diplomaten ausweisen will. Der Außenexperte Elmar Brok sagte der "Bild"-Zeitung, alle EU-Staaten hätten gemeinsam handeln müssen. "Dass Österreich auf Neutralität pocht, ist absurd, schließlich geht es um Solidarität für ein EU-Land, in dem ein offensichtlich von Russland befohlener Giftanschlag verübt wurde." Der Europa-Abgeordnete David McAllister sagte, alle EU-Staaten inklusive Österreich sollten volle Solidarität zeigen.

Großbritanniens Premierministerin Theresa May begrüßte am Mittwoch unterdessen in einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump die Ausweisung von 60 russischen Diplomaten und Geheimdienstleuten aus den USA. "Die Premierministerin hat betont, dass die USA eine sehr starke Antwort gegeben hätten und dass sie die breite internationale Antwort von 26 Staaten begrüße", teilte die Downing Street in London mit.

Den Angaben aus Washington zufolge gaben beide Politiker als wichtiges Ziel aus, "russische Spionagenetzwerke" in den USA und Großbritannien zu zerschlagen, "um geheime russische Aktivitäten einzudämmen und weitere Angriffe mit Chemiewaffen auf dem Boden beider Staaten zu verhindern".