Mindestens acht Tote bei Gasexplosion in Wohnhaus. Eine schwere Gasexplosion in Magnitogorsk mit Toten und Dutzenden Vermissten hat in Russland das Neujahrsfest überschattet. Im Schutt eines teilweise eingestürzten Wohnblocks fanden Retter bis Dienstagnachmittag (Ortszeit) acht Leichen. Am Dienstag gelang es Rettern, ein zehn oder elf Monate altes Mädchen zu bergen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 01. Januar 2019 (14:23)

"Ein Kind ist lebendig unter den Trümmern gefunden worden", sagte der Gouverneur des Gebietes Tscheljabinsk, Boris Dubrowski, der Agentur Interfax zufolge. Das Mädchen wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Zugleich blieb das Schicksal von mehr als 35 Menschen ungeklärt, von denen viele unter den Trümmern vermutet wurden. Präsident Wladimir Putin flog am Silvesterabend aus dem Urlaub in die Industriestadt am Ural und sprach mit Einsatzkräften und Opfern im Krankenhaus.

Die Explosion am Montag um 4.00 Uhr Ortszeit (0.00 Uhr MEZ) hatte einen ganzen Aufgang eines großen Wohnblocks aus Sowjetzeiten wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lassen. Warum es zu dem Unglück kam, war am Dienstagnachmittag noch unklar. In einem Kraftakt wenige Stunden vor dem neuen Jahr zogen die Behörden Rettungskräfte, Gerät und Hundestaffeln aus weiten Teilen Sibiriens und aus Moskau in Magnitogorsk zusammen. Die Industriestadt liegt am Ural etwa 1.400 Kilometer östlich der Hauptstadt.

Doch nicht nur die Kälte mit bis zu 20 Grad Frost erschwerte die Suche. Weitere Hausteile drohten auf die Suchmannschaften hinabzustürzen. Deshalb unterbrach die Einsatzleitung am Dienstag die Suche nach den Vermissten. Die Retter verlegten sich darauf, zunächst gefährliche Stahl- und Betonteile zu entfernen. "Die Arbeit geht weiter, nur auf andere Art", sagte ein Zivilschutz-Sprecher der Agentur TASS. Den Angaben nach waren mehr als 1.000 Helfer im Einsatz.

Putin traf in Magnitogorsk mit dem Rettungsstab zusammen und besuchte Verletzte im Krankenhaus. Im russischen Fernsehen wandte er sich an die Bevölkerung: "Gerade am Feiertag soll man nicht nur, da muss man der Toten und der Verletzten gedenken", sagte er vor der Kamera. "Das gehört zum Charakter unseres Volkes."

Gouverneur Dubrowski sagte den Betroffenen schnelle Entschädigungen und Hilfe bei der Beschaffung von neuem Wohnraum zu. Die Staatsführung reagierte damit viel schneller und hilfsbereiter als bei der Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum der sibirischen Stadt Kemerowo im März dieses Jahres mit 64 Toten. Der hartherzige Umgang mit den Opfern hatte den Behörden damals Kritik eingebracht.

Im Laufe des Montags klärte sich das Schicksal der offiziell 110 Bewohner aus 48 zerstörten Wohnungen nur langsam. Einige konnten unverletzt, andere nur mit Verletzungen gerettet werden. Wieder andere hatten die Nacht nicht zuhause verbracht und meldeten sich später bei den Behörden. Eine ältere Hausbewohnerin überstand die Explosion. "Es hat bei mir die Balkontür herausgehauen", sagte sie der Agentur TASS. "Ich bin wie durch ein Wunder noch am Leben."

In russischen Wohnhäusern kommt es immer wieder zu Gasexplosionen. Magnitogorsk gilt wegen seiner Stahlindustrie und Metallurgie als eine der am stärksten verschmutzten Städte weltweit.