Heftige Unwetter über weiten Teilen Österreichs. Heftige Unwetter sind seit Donnerstagabend über einen Großteil des Bundesgebiets hinweggezogen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 11. August 2017 (08:29)
Drei Verletzte in Möllbrücke
APA (Rotes Kreuz)

Auf einem Campingplatz in Möllbrücke wurden laut Kärntner Polizei einige Wohnwägen umgeworfen. Drei Personen, davon ein Kind, wurden von herabfallenden Ästen verletzt. Der Campingplatz musste evakuiert werden. Schwere Gewitter gab es auch in NÖ, Steiermark, Salzburg, Tirol, dem Burgenland und Wien.

In Möllbrücke war das Rote Kreuz mit zwölf Katastrophenhelfern und weiteren Mitarbeitern des Kriseninterventionsteams vor Ort. Ein Notquartier für die 50 betroffenen Camper wurde mit Feldbetten ausgestattet. Laut Hermann Maier von der Landesalarm- und Warnzentrale Kärnten gab es am Donnerstagabend rund 200 Feuerwehreinsätze in Kärnten, vor allem die Bezirke Hermagor und Spittal waren betroffen.

Im Gemeindegebiet von Lurnfeld und Sachsenburg (ebenfalls Bezirk Spittal) wurden mehrere Hausdächer abgetragen oder stark beschädigt, Bäume wurden entwurzelt. Mehrere Autos wurden von umstürzenden Bäumen und anderen Gegenständen beschädigt, Elektroleitungen wurden abgerissen, Verkehrszeichen und Zäune stark beschädigt, berichtete die Polizei.

119 Feuerwehren mit etwa 1.250 Mann standen am Donnerstagabend bzw. in der Nacht auf Freitag auch in Niederösterreich im Unwettereinsatz. Eine Gewitterfront mit heftigen Sturmböen war vom Süden über das Land gezogen, teilte Alexander Nittner vom Landeskommando NÖ mit. Es war die zweite an diesem Tag. Laut Nittner mussten vor allem Sturmschäden beseitigt werden, Keller mussten ebenfalls ausgepumpt werden.

Die Richtungsfahrbahn Ungarn der Ostautobahn A4 war bei Fischamend (Bezirk Bruck a.d. Leitha) von Donnerstag um 22.45 Uhr bis Freitag um 2.30 Uhr und somit fast vier Stunden lang gesperrt, berichtete Asfinag-Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla auf Anfrage. Geknickte Bäume seien in die Fahrbahn hineingeragt, zudem immer wieder Äste auf selbige gestürzt. Autofahrer mussten im Stau ausharren. Bei den Aufräumarbeiten wurden auch Schneepflüge aufgeboten.

Allein im Bezirk Baden standen 29 Feuerwehren mit etwa 200 Helfern im Einsatz. Eine erste massive Gewitterfront war schon am Nachmittag eingetroffen. Heftige Niederschläge waren von Sturmböen um die 100 km/h begleitet, teilte das Bezirkskommando mit. Straßen und Keller wurden überflutet, Bäume entwurzelt. "In manchen Gemeinden kam es dadurch sogar zu größeren Stromausfällen."

Kaum waren die meisten Einsätze abgearbeitet, traf gegen 22.00 Uhr "eine weitere, fast noch heftigere Gewitterzelle" den Bezirk. Die Sturmböen waren derart stark, dass etwa in Trumau und Weigelsdorf sogar Dächer weggerissen wurden. Neuerlich wurden Straßen überflutet, Wasser drang in Häuser ein. Die Aufräumarbeiten dauerten bis Freitag in der Früh.

In Wiener Neustadt lösten sich Teile des Flachdaches bei einer Tankstelle. Die Feuerwehr meldete insgesamt 30 Unwettereinsätze. Dutzende weitere habe es zudem im Bezirk Wiener Neustadt gegeben. Bis zu 27 Feuerwehren rückten aus. Größtenteils handelte es sich um Einsätze, bei denen Bäume von Straßen entfern werden mussten, berichtete das Bezirkskommando.

In Wien musste die Berufsfeuerwehr rund 200 Mal ausrücken, die meisten Einsätze waren wegen des Sturms und wurden wegen "umgestürzter Bäume oder Bäume, die umstürzten drohen" alarmiert, sagte Feuerwehrsprecher Lukas Schauer. "Uns sind keine Verletzten bekannt", sagte der Sprecher.

Die Berufsfeuerwehr löste gegen 22.00 Uhr erhöhte Einsatzbereitschaft aus, diese blieb bis Mitternacht aufrecht. Immer wieder waren auch Bäume oder Äste auf Fahrzeug gestürzt. In der Leopoldstadt in der Lusthausstraße im Prater alarmierte ein Autolenker die Einsatzkräfte, weil die Straße aufgrund von Baumteilen blockiert war. Der Mann blieb sicherheitshalber im Fahrzeug, die Feuerwehr entfernte die Baumteile.

Eine hefige Regenfront mit Sturmböen zog auch über das Ennstal in der Steiermark und sorgte dafür, dass zahlreiche Bäume umstürzten, wie die Feuerwehr mitteilte. Am stärksten betroffen war der steirische Ortsteil Hinterwald in Kleinsölk (Bezirk Liezen), wo Bäume im Ausmaß von rund zehn Hektar Waldfläche im aufgeweichten Boden keinen Halt mehr fanden und umstürzten. Dabei wurde auch ein Wohnhaus und ein Carport getroffen. Von Verletzten war zunächst nichts bekannt.

Auch in Burgenland waren infolge Sturmschäden Straßen blockiert. Rund 400 Einsätze mussten die Helfer seit Donnerstagabend abarbeiten. An die 170 Wehren waren im Einsatz, um Schäden zu beseitigen und Aufräumarbeiten durchzuführen.

Begonnen habe alles etwa gegen 21.45 Uhr, als im gesamten Burgenland heftige Sturmböen und Regenschauer einsetzten, berichtete Barbara Tader von der Landessicherheitszentrale. Der Wind deckte Häuser ab, umgestürzte Bäume blockierten Straßen, es kam zu Stromausfällen. "Gegen 3.00 Uhr Früh haben wir dann eine Entspannung gespürt", sagte Tader.

Anfangs hatte sich das Unwettergeschehen noch auf das Mittel- und Südburgenland konzentriert. Im Nordburgenland habe es zunächst vereinzelte Einsätze gegeben, deren Zahl gegen Morgen hin dann jedoch anstieg. Oft wurden Schäden erst bemerkt, als die Menschen in der Früh ihre Häuser verließen.

In Wulkaprodersdorf etwa deckte der Wind das Dach der Volksschule komplett ab. Auch Klingenbach wurde von orkanartigem Sturm heimgesucht, der viele Bäume umstürzen ließ, berichtete die örtliche Feuerwehr. 25 Einsatzkräfte machten bis Mitternacht unter anderem die auf einer Länge von etwa 700 Metern immer wieder durch Bäume blockierte B17 wieder befahrbar. Auch in rund zehn Gassen mussten Bäume von der Straße geschafft werden. Um 6.00 Uhr alarmierte das Heulen der Sirene die Helfer dann erneut.

Infolge der Unwetterschäden kam es auch zu mehreren Unterbrechungen von Zugstrecken im Burgenland und in Niederösterreich. Die ÖBB meldete auf ihrer Homepage am Freitag, dass zwischen Wulkaprodersdorf und Eisenstadt voraussichtlich bis 12.00 Uhr keine Züge fahren können. Ab 6.00 Uhr werde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, hieß es.

Auch die Raaberbahn konnte zwischen Neusiedl am See und Bad Neusiedl am See wird bis zu Mittag nicht verkehren. Die Ostbahnstrecke zwischen Wien Stadlau und Marchegg war unterbrochen. Ausfälle infolge der Unwetterschäden gab es auch zwischen Bad Sauerbrunn und Mattersburg sowie zwischenzeitlich zwischen Bruck an der Leitha und Nickelsdorf.

Auch in Tirol und Salzburg sorgten die Unwetter für Verkehrsbehinderungen. Die Brenner Straße (B182) durch das Tiroler Wipptal wurde wegen Muren gesperrt, ebenso die Ellbögener Landesstraße (L38) bei Ellbögen. Der Verkehr wurde über die Brenner Autobahn (A13) umgeleitet. In Salzburg war die Muhrer Gemeindestraße betroffen. Die Tauernautobahn (A10) am Nachmittag bei Zederhaus in Fahrtrichtung Norden überschwemmt und gesperrt worden. Bis zum Abend war sie aber wieder frei befahrbar.