Letzte Wettkampfsaison für Hagara und Steinacher. Im österreichischen Segelsport neigt sich eine einzigartige Ära dem Ende zu. Roman Hagara und Hans Peter Steinacher starten Ende März in ihre letzte GC32-Tour und werden danach ihre Karrieren im Wettkampfsegeln beenden.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 10. März 2020 (08:28)
Hagara und Steinacher starten Ende März in ihre letzte GC32-Tour
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Hagara/Steinacher sind dank ihrer Triumphe von Sydney 2000 und Athen 2004 Doppel-Olympiasieger im Tornado und Österreichs letzte Sportler, die bei Sommerspielen Gold geholt haben.

2004 ist bereits 16 Jahre her. "Ich bin stolz auf Gold. Aber ich hoffe, dass wir schon bald unsere Nachfolger gefunden haben und ein österreichischer Segler wieder vom obersten Podest strahlen kann", wünscht sich der 53-jährige Hagara, dass die Gold-Flaute bald ein Ende hat. Österreichs erfolgreichster Sommersportler aller Zeiten bringt sich deshalb bereits als High-Performance-Coach mit Blickrichtung Sommerspiele 2020 und 2024 im Segelverband ein. Auch Steinacher (51) hofft, dass es möglichst bald wieder Gold für Österreich gibt. "Ich will nicht der Letzte sein."

Ab 2021 wollen sich beide Segler deshalb dem Nachwuchs noch intensiver widmen. Denn Doppelolympiasieger im Sommer sind in Österreich an einer Hand abzuzählen. Die Gründe für die über eineinhalb Jahrzehnte dauernde Gold-Misere sind für die beiden Ausnahmesegler aus Wien bzw. Zell am See mannigfaltig. Einer lautet: Trainer mit entsprechend guter Qualität im Land zu halten, ist finanziell schwierig.

Hagara und Steinacher hatten ihre Karriere auf dem Tornado nach Olympia 2008 beendet und waren danach mit "Red Bull Sailing" in eine neue Segelwelt eingetaucht. Etwa in der Extreme-Serie mit doppelt so großen 40-Fuß-Katamaranen. Sie waren Direktoren des Jugend-America's Cup sowie Berater des Oracle-Teams. Auf einer AC45 nahmen die beiden 2013 vor Neapel selbst an der Vorbereitungsserie auf den America's Cup teil. Seit dem vergangenen Jahr segelt man im GC32, einer kleineren und leichteren aber dank "Foiling" noch schnelleren Multihull-Klasse.

Das anstehende Ende ihrer Wettkampfseglerei hat für die beiden Olympiasieger, Welt- und Europameister auch mit dieser wohl einschneidendsten Änderung im Segelsport seit Jahrzehnten zu tun. "Foilen" hat den Sport noch schneller, aber auch gefährlicher gemacht. Die aktuellen GC32-Kats etwa sind dank ihrer Unterwasser-Tragflügel bis zu 80 km/h schnell.

"Das ist auf dem Wasser eigentlich krank", so Hagara. "Wenn du mit fünffacher Windgeschwindigkeit über das Wasser fliegst und gemeinsam mit anderen auf die Tonne zurast, ist das mit 50 eine ganz andere Geschichte als mit 20. Du hast einfach etwas mehr Respekt", gesteht der Skipper. "Aber zurückziehen kannst du dir trotzdem nicht leisten."

Sich ab nächstem Jahr völlig neuen Aufgaben zu widmen, war eine einvernehmliche Entscheidung. "Wir haben beschlossen, dass 2020 unsere finale Rennsaison sein wird. Es ist kein bisschen Wehmut dabei und wir haben nicht vor, uns zurückzulehnen", erklärte Boots-Taktiker Steinacher. "Nach tausenden gemeinsamen Rennen und 24 erfolgreichen Jahren am Rennkurs mit Roman ist es klar, dass wir zum Abschluss nochmals voll angreifen werden. Dem wird aktuell alles untergeordnet."

Los geht die fünfteilige GC32-Saison Ende März im Oman. Beim "Final Countdown" der beiden Doppelolympiasieger im globalen Big-Boat-Rennzirkus muss man als Vorjahres-Dritter Teams wie Alinghi oder Oman überflügeln, um Gesamtsieger werden zu können. "Wir segeln erstmals mit der Mannschaft, die wir letztes Jahr schon an Bord hatten. Deshalb hoffen wir, dass wir heuer auch ganz vorne mitspielen können", sieht Hagara gute Voraussetzungen. "Wir wollen um den Sieg mitfahren, das ist unser ganz großes Ziel."

Auch wenn sie ab 2021 keine Ziel-Finish-Rennen mehr absolvieren, bliebt der GC32 die Showbühne für Hagara/Steinacher. Gemeinsam will man damit diverse Athletenprojekte verfolgen, "Weltrekorde" jagen oder dort segeln, wo noch niemand gesegelt ist. "Wir werden definitiv weiter im Segeln bleiben. Es ist der Sport, den wie lieben", versicherte Hagara. Steinacher freut sich schon: "Es ist eine irrsinnige Challenge, dieses Boot schnell und perfekt zu segeln. Es gehört auf coole Spots gestellt und wir haben einige davon schon im Kopf. Daran wollen wir auch möglichst viele Menschen teilhaben lassen."