Erstellt am 10. Januar 2017, 14:50

von APA Red

Auslieferungsantrag für Kosovo-Politiker gestellt. Oppositionspolitiker war vergangene Woche in Frankreich festgenommen worden - Dacic warnt vor Protestaktionen

Symbolbild  |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Die serbischen Behörden haben am Dienstag der französischen Justiz den Auslieferungsantrag für den vergangene Woche in Frankreich festgenommenen kosovarischen Oppositionspolitiker Ramush Haradinaj zugestellt. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tanjug. Die Kosovo-Regierung hatte die Festnahme unterdessen als "ungerechtfertigt" kritisiert.

Haradinaj war am vergangenen Mittwoch im französischen Teil des Flughafens Basel aufgrund eines internationalen Haftbefehls Serbiens von 2004 festgenommen worden. Der 48-Jährige war mit einem Diplomatenpass gereist

Während des Kosovo-Krieges in den Jahren 1998 und 1999 war Haradinaj Chef der kosovarischen Befreiungsarmee UCK. Im Dezember 2004 wurde er zum ersten Regierungschef des Kosovo gewählt. Nach hundert Tagen im Amt trat er zurück, um sich den Vorwürfen des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu stellen.

2008 wurde Haradinaj vor dem Haager Tribunal in 37 Anklagepunkten freigesprochen. Ein Berufungsurteil von 2012 bestätigte den Freispruch. Die serbischen Behörden wollen Haradinaj wegen Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg dennoch strafrechtlich verfolgen. Wegen des internationalen Haftbefehls war er im Juni 2015 schon einmal kurzzeitig in Slowenien inhaftiert worden.

Der Serbische Außenminister Ivica Dacic warnte angesichts der Festnahme Haradinaj' vor Protestaktionen gegen diplomatische Vertretungen Serbiens in den USA und Europa. Albanische Gruppen würden nach Informationen westlicher Geheimdienste die Besetzung von Botschaften planen.