Kika/Leiner-Verkauf an Benko unter Dach und Fach. Die 5.500 Mitarbeiter der Möbelketten Kika und Leiner können aufatmen: Der Immobilienentwickler Rene Benko hat mit seiner Firmengruppe Signa die beiden österreichischen Unternehmen von ihrer südafrikanischen Mutter, der Steinhoff-Gruppe, gekauft. Das operative Geschäft wird zu einem symbolischen Euro übertragen, Signa verpflichtet sich aber, einen dreistelligen Millionenbetrag einzuschießen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 22. Juni 2018 (14:48)
Der Verkauf ist offenbar gelungen
APA

Von Signa gebe es ein fixes und starkes Bekenntnis, den Betrieb weiterzuführen. "Signa war der einzige ernst zu nehmende Interessent, der die Unternehmen weiterführen wollte", sagte Markus Fellner, Anwalt der Steinhoff-Gruppe in Europa, zur APA. Vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden in Österreich, Tschechien und der Slowakei, kann das operative Geschäft damit weitergehen. Allerdings sei eine Restrukturierung nötig: "Der eine oder andere Standort muss sicher geschlossen werden", so Fellner.

Über nötige Beiträge Signas zur Sanierung gibt es keine offiziellen Aussagen, aber in Verhandlerkreisen wurde der APA bestätigt, dass es sich um einen Sanierungsbeitrag von mehr als 100 Mio. Euro handle und daraus ein zweistelliger Millionenbetrag schon in den nächsten Tagen fließen werde. Steinhoff hält in seiner Mitteilung fest, dass es ab sofort davon entbunden ist, den operativen Betrieb von Kika und Leiner zu stützen. Der Mangel an Liquidität hätte "signifikante" weitere Geldeinschüsse erfordert, so Steinhoff.

Bilanzprüfungen finden weiter statt

Klar ist dafür, dass Signa das operative Geschäft der beiden Unternehmen zu einem symbolischen Betrag übernimmt. Anders ist das mit den Immobilien, in denen Kika und Leiner eingemietet sind. Eigentümerin der Objekte ist die Steinhoff-Tochter Hemisphere. Es geht um 46 Immobilien in Österreich und 22 in Osteuropa. Die Objekte werden laut Aussendung von Steinhoff nach aktuellem Stand (Bilanz vom 30. Juni 2018) mit 490 Mio. Euro bewertet. Rechnet man den Sanierungsbeitrag von über 100 Mio. Euro hinzu, so lässt sich Signa den Deal wohl über 600 Mio. Euro kosten.

Allerdings finden noch weiter Bilanzprüfungen statt. Je nachdem wie diese ausfallen, könnte Signa das ganze Immobilienpaket oder auch nur Teile davon kaufen, oder entscheiden, für Kika und Leiner lediglich Mietverträge in den Objekten fortzuführen, erläuterte Fellner. Frist für die Grundsatzentscheidung über den Kauf der Immobilien ist der 15. August, heißt es in der Aussendung von Steinhoff.

Der Vertrag sieht einige Fristen vor. So müssen die Zustimmungen der Wettbewerbsbehörden der drei Länder bis zum 30. September 2018 vorliegen, sonst würde der Kauf der operativen Geschäfte platzen. Allerdings wird derzeit nicht mit Widerstand der Behörden gerechnet, da Signa bisher nicht im Möbelhandel dieser Länder tätig ist.

Das Closing des Immobiliendeals soll keinesfalls vor dem 30. September erfolgen. Sollte es aber bis inklusive 2. Jänner 2019 zu keinem Abschluss kommen, können beide Seiten vom Verkauf der Immobilien zurücktreten.

Die Betriebsräte hoffen auf Detailinformationen nächste Woche. "Wir sind sehr froh, dass eine Vertragsunterzeichnung zustande gekommen ist und hoffen, zeitnah ausführliche Informationen zu bekommen. Für uns ist natürlich von großer Bedeutung, dass wirklich alle Standorte und damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben", so Sonja Karner, Betriebsratsvorsitzende bei Kika.

Vogl: "Ich glaube nicht, dass Benko etwas kauft, um dann zuzusperren."

Leiner-Betriebsrat Karl Vogl wird sich nach eigenen Informationen nächste Woche mit Kika/Leiner-Chef Gunnar George treffen, um weitere Informationen zu bekommen. Vogl zeigte sich im APA-Gespräch aber zuversichtlich: "Ich glaube nicht, dass er (Benko, Anm.) etwas kauft, um dann zuzusperren."

Vogl räumte aber ein, dass Umstrukturierungen kommen müssen. Freie Flächen könnten künftig anders genützt werden, etwa für branchenfremde Produkte. Schon jetzt gebe es im Möbelhandel nicht nur Möbel, sondern auch Elektroartikel. "Man muss ja nicht 40 Küchen ausstellen, es reichen auch 25", sagte Vogl. So könnte man die Produktivität steigern. Auch dem Thema Internet werden sich die Ketten verstärkt stellen müssen.

Die Kika/Leiner-Mutter Steinhoff war im Dezember 2017 ins Schleudern geraten, nachdem Vorwürfe der Bilanzfälschung erhoben worden waren. Das hat unter anderem dazu geführt, dass die Leiner-Zentrale in Wien bereits knapp vor dem Jahreswechsel an Benko verkauft wurde. Anfang Juni hat ein Kreditversicherer die Absicherung von Einkäufen bei den Möbelhäusern verweigert, seither war die Lage prekär.